07.01.2009 · Markus Baur war das Alter Ego von Bundestrainer Heiner Brand. Jetzt gibt das Handball-Idol beim Duell zwischen der deutschen Nationalmannschaft und einem All-Star-Team offiziell seinen Abschied. Ganz ohne Zirkus.
Von Rainer SeeleBaur macht Schau? Nicht mit Brand. Der Handball-Bundestrainer fordert eine gewisse Qualität, auch an diesem Mittwochabend, wenn Markus Baur seinen Abschied gibt. Der liegt eigentlich schon lange zurück, etwa ein Jahr.
Aber weil Baur sich verdient gemacht hat um den deutschen Handball, darf er in Stuttgart noch mal feiern: Beim Duell zwischen der deutschen Nationalmannschaft, dem Weltmeister, und einem All-Star-Team wird Baur seine Karriere als Spieler offiziell beenden.
„Für jeden hätten wir das nicht gemacht“, sagt Heiner Brand. Baur, 37 Jahre alt, darf sich also sehr geehrt fühlen. Allerdings gab es Bedingungen. „Er hat mir hoch und heilig versprochen“, erzählt Brand, „dass wir keine Zirkusnummer veranstalten.“ Für so was ist der Gummersbacher Brand ja grundsätzlich kaum zu haben, schon gar nicht kurz vor einem wichtigen Turnier: Am 16. Januar beginnt in Kroatien die Weltmeisterschaft. Mit einem deutschen Team, das im Umbruch steckt. Prognose deshalb: ungewiss.
Alter Ego des Bundestrainers
Stuttgart, ein WM-Test also auch. Baur, der sich beim TBV Lemgo einen Namen als Trainer machen möchte, bietet dort Allstars wie Henning Fritz, Daniel Stephan, Christian Schwarzer oder Florian Kehrmann auf. Er hat außerdem internationale Größen wie Stefan Lövgren, Olafur Stefansson oder Mirza Dzomba verpflichtet. Und wird wohl selbst noch mal besondere Momente erleben: „Es gibt nichts Schöneres, als Spieler zu sein.“
Für Brand war Baur, der Stratege, tatsächlich Gold wert, auch bei der WM 2007 im eigenen Land. „Technisch sowie taktisch überragend - und vor allem: Bei Markus wusstest du als Trainer immer ganz genau, was du bekommst: Er war wie ein Schweizer Uhrwerk.“ Baur war sozusagen das Alter Ego des Bundestrainers.
Neuer Job in Ostwestfalen wichtiger als Peking
Bei den Olympischen Spielen in Peking, die zu einer Enttäuschung für die Deutschen wurden, hatte Baur gefehlt - sein neuer Job in Ostwestfalen war wichtiger. Die Lemgoer sind derzeit Bundesliga-Dritter, und Brand glaubt, dass sein einstiger Kapitän seinen Weg als Handball-Lehrer machen wird. Der Bundestrainer spricht von einem „sehr spannenden Projekt“ in Lemgo, und er sagt über Baur: „Er kann und wird dort etwas Tolles aufbauen.“
Über die Auftritte der Deutschen in Kroatien - mit Spielern aus Lemgo - wird Baur sich vor Ort ein Bild machen: Er soll als Experte des Fernsehsenders RTL die deutschen Spiele analysieren. Vorab diese Einschätzung: „Ich sehe lange nicht so schwarz wie manch anderer.“ Das ist sicherlich, just vor der Stuttgarter Begegnung mit Brand, eine vernünftige Einstellung.