Höchste Zeit, sich mal wieder Gedanken über den Handball zu machen - und vielleicht manches geradezurücken. Läuft doch alles prima in diesem Geschäft. Bloß kein Wehklagen mehr darüber, dass der Weltmeister „nur“ Vierter geworden ist bei der Europameisterschaft; dass Heiner Brand, ganz strenger Sportpädagoge, danach die Muskeln spielen ließ und drei Lemgoer kurzerhand aus seiner Mannschaft verbannte. Vorübergehend jedenfalls.
Damit „Mimi“, also der Luftikus Michael Kraus, und die anderen mal in sich gehen können. Und einsehen, dass sie bei Brand, dem Urgestein des Handballs, nur mit einem vorankommen: mit eisernem Willen. Also, Norwegen ist Geschichte.
Gewinnen, auch wenn man nicht oben steht
Jetzt stürzen wir uns einfach auf Olympia. Mit einer Vorbereitung, über die Brand offensichtlich hell erfreut ist. Zwei Monate vor Peking kann der Bundestrainer aus Gummersbach damit loslegen. Und sich, wie es heißt, mit „hochkarätigen Nationen“ messen. Auf dass die Spiele ein durchschlagender Erfolg werden für die Deutschen. Europameister waren sie, Weltmeister sind sie, fehlt nur noch olympisches Gold in ihrer Sammlung.
Aber manchmal gewinnen sie auch, wenn sie nicht ganz oben stehen. Weil der deutsche Handball, so oder so, ein Schmuckstück ist. Wie ließe sich sonst erklären, dass just aus dem Land des neuen kontinentalen Champions offenbar immer mehr Geld nach Deutschland fließt? Es ist tatsächlich so: Die Bundesliga, die neuerdings auch im dänischen Fernsehen gezeigt wird, profitiert in erheblichem Maß von Investoren aus Dänemark.
Grenzen überwinden in Zeiten der Globalisierung
Zumindest trifft das auf Vereine aus dem Norden der Republik zu, die den Dänen naturgemäß ganz nahe sind. Die SG Flensburg-Handewitt beispielsweise, die ohnehin seit langem auf Stars aus Dänemark setzt, akquirierte unlängst eine dänische Fondsgesellschaft als Hauptsponsor.
Und die Beziehung zu dem Nachbarn aus Skandinavien soll noch intensiviert werden. Sollten die Dänen sich für die WM 2011 bewerben, würde Flensburg gern ein Spielort sein - man muss ja Weitblick haben und Grenzen überwinden können in Zeiten der Globalisierung. Die Kieler, der Flensburger Konkurrent, orientierten sich bisher eher an Schweden - aber auch sie können nun auf eine dänische Finanzspritze hoffen. Von einem Unternehmen, das sich mit dem Vertrieb von Schmuckwaren beschäftigt.
Deutscher Handball und das Modell der Zukunft
Angeblich will es vier Millionen Euro für drei Jahre zahlen. Das wäre was! Zumal manche Liga-Rivalen, wie die Kieler in feiner norddeutscher Übertreibung behaupten, dabei wären, den großen THW, den Meister aller Klassen, links und rechts zu überholen. Wirtschaftlich jedenfalls.
Der deutsche Handball scheint jedenfalls ein Modell der Zukunft entdeckt zu haben: Lasst doch die anderen siegen - Hauptsache, sie sind uns gegenüber finanziell nicht knausrig. Müsste nur noch jemand Brand davon überzeugen können.
