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Handball-WM So sauer sah man Brand noch nie

26.01.2009 ·  Herber Rückschlag für die deutsche Handball-Nationalmannschaft: In einem dramatischen Spiel gegen Norwegen mit einer umstrittenen Entscheidung in den Schlusssekunden verliert der Titelverteidiger 24:25.

Von Rainer Seele, Zadar
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Am Schluss war sogar Heiner Brand sehr wütend, nicht auf seine Spieler, sondern auf die beiden Schiedsrichter aus Slowenien. Mit denen führten die Deutschen, nachdem sie am Sonntag mit dem 24:25 gegen Norwegen ihre erste Niederlage bei der Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien erlitten hatten, noch eine erbitterte Debatte. Sie hatten sich in den letzten Sekunden von ihnen sehr benachteiligt gefühlt, weil die Referees Christian Schöne bei einem Einwurf mehrere Male zurückpfiffen - bis die Zeit endgültig abgelaufen war.

„Normal müssten sie sich schämen“, sagte Brand ungewöhnlich harsch. Der Hamburger Pascal Hens sagte, als wären die Deutschen generell nicht wohlgelitten: „Keine Ahnung, was die gegen uns haben.“ Die Aussicht, in das Halbfinale der WM zu ziehen, besteht jedoch weiterhin, das hatten die beiden Slowenen Deutschland nicht nehmen können. Dafür ist allerdings im letzten Hauptrundenspiel am Dienstag ein Sieg gegen Europameister Dänemark, oder ein Remis und günstige Resultate der Konkurrenten, notwendig - ein Zittern und Bangen also für die deutsche Nationalmannschaft, die sich mit einem Erfolg gegen Norwegen vorzeitig für den Kreis der besten Vier hätte qualifizieren können.

„Der Optimismus ist im Augenblick nicht in vollem Maße da“

Brand schien, obwohl es noch Hoffnung gibt, ein wenig niedergeschlagen zu sein. Vielleicht auch deshalb, weil Spielmacher Michael Kraus künftig ausfallen wird. Er zog sich am Sonntag einen Außenbandriss im linken Knöchel zu. „Der Optimismus ist im Augenblick nicht in vollem Maße da“, sagte Brand. Der Lemgoer Lars Kaufmann gab sich kämpferischer. Er forderte schlichtweg: „Wir müssen das als Einheit durchziehen.“

Gegen die Norweger stand meist der Magdeburger Silvio Heinevetter im Tor, den Brand erst am Freitagabend nachnominiert hatte. Für Heinevetter war es der erste Einsatz bei der WM, eine große Überraschung war das aber nicht. Schließlich hatten seine Kollegen Johannes Bitter und Carsten Lichtlein, der für Heinevetter weichen musste, beim 35:35 gegen die Serben allenfalls durchschnittlich agiert. Heinevetter gilt als wesentlich temperamentvoller als die anderen Torhüter, nach einigen gelungenen Paraden gegen die Norweger ließ er das deutlich erkennen. Er erwies sich tatsächlich als belebendes Element.

Oberschenkelblessur bei Pascal Hens

Dass auch der norwegische Torhüter Steinar Ege sein Geschäft versteht, spürten die Deutschen schnell. Sie scheiterten einige Male an ihm. Immerhin blieb ihnen ein ernüchterndes Erlebnis wie am Samstag erspart: Da hatten sie früh einen großen Rückstand hinnehmen müssen, sie offenbarten Schwächen, die man zuvor bei ihnen in Kroatien nicht erlebt hatte. Erst mit einer Energieleistung hatte Deutschland noch einen Punkt gegen Serbien ergattert. Für die deutschen Mängel hatte am auffälligsten der Göppinger Nachrücker Schöne gestanden, der bei zehn Versuchen nur ein Tor geworfen hatte.

Der Rechtsaußen war natürlich auch am Sonntag wieder gefordert, mit Treffern allerdings fiel er auch da nicht auf - bis zur 22. Minute, als Schöne das 9:9 erzielte. Obwohl Heinevetter, der die Bälle manchmal wie ein Fußball-Tormann fängt, sich als Stütze entpuppte, schafften die Deutschen es nicht, sich von ihrem Gegner abzusetzen, im Gegenteil.

Jansen traf per Siebenmeter Pfosten und Latte

Immer wieder ging es darum, ein Tor aufzuholen. Manche Möglichkeiten wurden dabei jedoch leichtfertig vergeben. So warf der Hamburger Torsten Jansen den Ball bei einem Siebenmeter an die Latte, zu diesem Zeitpunkt stand es 9:10. Die agilen Norweger bauten ihre Führung aus, auf 12:10.

Doch die Antwort der Deutschen folgte prompt: Kaufmann, der die gegnerische Deckung mit voller Wucht zu attackieren pflegt, traf zum 12:12. Kaufmann sprang im linken Rückraum für den Hamburger Hens ein, der wegen einer Oberschenkelblessur zwischenzeitlich aus dem Spiel genommen werden musste.

Rote Karte für Jens Tiedtke

Die Deutschen waren somit zunächst ebenbürtig, anders als am Samstag, als Brand die Defizite so beschrieben hatte: „Es gibt Tage“, sagte der Bundestrainer, „wo Körper und Geist nicht so richtig mitmachen. Das war heute der Fall.“ Das konnte er seiner Handball-Gemeinschaft am Sonntag nicht vorwerfen, sie wirkte aufgeweckter, und doch dauerte es bis zur 33. Minute, bis die Deutschen erstmals in diesem Duell vorne lagen - 14:13 durch Kreisläufer Sebastian Preiss.

Kurz danach wurde der Lemgoer für zwei Minuten des Feldes verwiesen, er hatte in der Verteidigung zu energisch zugepackt. Die Deutschen erhöhten auf 16:13, aber mit den wehrhaften Norwegern hatten sie weiterhin ihre Müh und Not, da im Angriff oftmals zu ungeduldig, zu unüberlegt gehandelt wurde. Nach 44 Minuten ereilte Brands Team ein personeller Rückschlag: Der Lemgoer Kraus, gerade erst von einem Muskelfaserriss in der linken Wade genesen, lag plötzlich am Boden, er musste auf einer Trage vom Feld gebracht werden. Und das Team wurde weiter dezimiert, etwa durch eine Rote Karte für Jens Tiedtke nach einem Foul.

Die Nerven der Deutschen wurden arg strapaziert: 22:20, Gleichstand von 22:22, Jansen ließ wieder einen Siebenmeter ungenutzt, das Unheil nahm seinen Lauf. Aber noch ist ja nichts verloren. Trotz des großen Ärgers in Zadar über zwei Slowenen.

Norwegen - Deutschland 25:24 (12:12)

Norwegen: Ege, Medhus - Jensen 1, Vatne, Drange 2, Løke 4,Bjørnsen, Tvedten 7/5, Mamelund 1, Kjelling 7, Samdahl 3
Deutschland:
Heinevetter (SC Magdeburg), Bitter (HSV Hamburg) -Hens (HSV Hamburg) 2, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Klein (THW Kiel)2, Müller (TV Großwallstadt) 1, Strobel (TBV Lemgo), Preiß (TBVLemgo) 4, Tiedtke (TV Großwallstadt), Glandorf (HSG Nordhorn) 6,Jansen (HSV Hamburg) 1, Kraus (TBV Lemgo) 2/1, Schöne (FA Göppingen) 3, Kaufmann (TBV Lemgo) 3
Schiedsrichter: Krstic/Ljubic (Slowenien)
Zuschauer: 4500
Strafminuten: 10 / 10
Disqualifikation: - / Tiedtke (46./grobes Foulspiel)

Quelle: FAZ.NET mit sid.
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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