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Handball-WM Showdown am Schlangenfluss

27.01.2009 ·  Die deutsche Handball-Nationalmannschaft wird vor dem entscheidenden Spiel gegen Europameister Dänemark am Dienstag um 17.30 Uhr von Verletzungssorgen geplagt. Nur ein Sieg genügt sicher für den Sprung ins Halbfinale.

Von Rainer Seele, Zadar
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Heiner Brand befindet sich zwar nicht in allerbester gesundheitlicher Verfassung, ihn plagte auch am Montag ein Husten. Und er hat ja auch sonst einige Sorgen, die seine Mannschaft betreffen, vor allem schmerzt ihn der Ausfall von Kapitän Michael Kraus. Ein gewisser Sinn für Humor aber blieb Brand erhalten.

So wies der Bundestrainer aus gegebenem Anlass darauf hin, dass es mit seiner rechten Geraden nicht so weit her sei. Viel Schaden also, sollte das bedeuten, lässt sich damit nicht ausrichten. Und überhaupt: „Ich verabscheue Gewalt. Ich habe mich noch nie in meinem Leben geschlagen.“

So kennt man Brand nicht

Das also erzählte Brand am Tag nach einem denkwürdigen Spiel bei der Handball-Weltmeisterschaft, nach einem ungewöhnlichen Auftritt von ihm selbst. Als er tags darauf die Bilder davon sah, von seinem Wutausbruch, von seiner erhobenen Faust, von all dem Zorn, den er den Schiedsrichtern entgegengeschleudert hatte, sei er „etwas erschrocken“ über sich selbst gewesen.

So kennt man Brand schließlich auch nicht, „so habe ich ihn noch nie erlebt“, sagte der deutsche Abwehrchef Oliver Roggisch über die Eruption von Brand. Aber er und seine Kollegen hatten auch Verständnis für die harsche Reaktion des Gummersbacher Handball-Lehrers. Es waren Momente des Schreckens, in mehrerer Hinsicht, und als sportliche Konsequenz ergab sich für die Deutschen daraus: Sie erleben nun an diesem Dienstag einen Showdown in Zadar, sie müssen gegen Europameister Dänemark gewinnen, um sich aus eigener Kraft für das Halbfinale der WM zu qualifizieren.

Ausdruck der Ohnmacht, der Hilflosigkeit

Am Montag sagte Brand auch: „Es war vieles möglich, nur das nicht, was die beiden Herren gemacht haben.“ Diese Bemerkung zielte auf die slowenischen Referees, die Deutschland am Sonntag beim 24:25 gegen Norwegen kurz vor Schluss eine Chance geraubt haben sollen – indem sie sie einfach nicht weiterspielen ließen und auch kein Zeichen gaben, die Uhr anzuhalten. So verrann die Zeit, und den Deutschen war keine Gelegenheit mehr für einen letzten Wurf, für den möglichen Ausgleich geblieben. Deshalb hatte Brand sich sehr echauffiert, er beschrieb das am Montag als einen Ausdruck seiner Ohnmacht, seiner Hilflosigkeit.

Dass Absicht bei den Slowenen dahintersteckte, die die Deutschen zur Weißglut getrieben hatten, behauptete der Bundestrainer natürlich nicht. Aber in gewisser Weise kommt ihm das Verhalten des Wachpersonals an der Pfeife immer wieder mal auffällig vor. Brand will in diesem Fall „eine Tendenz“ seit dem Titelgewinn Deutschlands vor zwei Jahren im eigenen Land festgestellt haben. Er berichtete, was manchmal im internationalen Handball zu hören sei: „Ihr habt euren Vorteil bei der WM 2007 gehabt, beschwert euch mal nicht.“ Ein Champion ohne Bonus? Der Kieler Linksaußen Dominik Klein sagte sehr allgemein, dass die Spieler einfach „das schwächste Glied“ seien – und jene, die auf die Einhaltung der Regeln zu achten haben, eine verschworene Gemeinschaft.

Brand gibt Schiedsrichtern Schuld an Verletzungen

Proteste also helfen nicht weiter, eine solche Maßnahme kam den Funktionären des Deutschen Handball-Bundes in Kroatien auch nicht in den Sinn. Andererseits muss Brand wegen seines aggressiven Verhaltens wohl keine Sanktionen des Internationalen Handball-Verbandes (IHF) befürchten; der IHF liegt jedenfalls kein Papier darüber vor. Brand wünschte sich zwar ein Einschreiten der IHF, das hat jedoch mit dem Schutz der Spieler zu tun.

Am Montag kritisierte er, dass Fouls an Rückraumspielern wie Pascal Hens häufig nicht bestraft würden. „Die Schubser in der Luft werden gar nicht geahndet“, klagte er, dabei könnte ein solches Vorgehen einer Abwehr doch gefährliche Folgen haben – nämlich bei einer „unkontrollierten Landung“ des Angegriffenen. „Das sollte man seitens der IHF mal überdenken“, forderte Brand.

„Wunder gibt es immer wieder“

Dass die Deutschen vor dem entscheidenden Duell mit den Dänen in personelle Probleme geraten sind, hing jedoch nicht mit übertriebenem Einsatz des Gegners zusammen. Der Hamburger Hens leidet an einer Muskelverhärtung im Oberschenkel; ob er an diesem Dienstag zur Verfügung steht, ist fraglich. Der Lemgoer Spielmacher Kraus, der umgeknickt war und sich einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen hat, flog am Montagvormittag zurück nach Deutschland.

Der Mann, der zuletzt häufiger verletzt war, unterzieht sich in Göppingen weiteren Untersuchungen. In Zadar hatte es in dieser Hinsicht offensichtlich einige Mängel gegeben. Der deutsche Teamarzt Berthold Hallmaier lamentierte, dass die medizinische Grundversorgung zu wünschen übriggelassen habe. „Wir bekamen keine Krücken.“

Wie ein Viertelfinale

Das Fehlen von Kraus ist ein beträchtlicher Qualitätsverlust für die Deutschen, doch trotzig blicken sie der nächsten Herausforderung entgegen. Brand baut wieder auf die Leidenschaft und den Willen seines Teams, „wir haben schon so viel bewegt“. Und überhaupt: „Wunder gibt es immer wieder.“ Der Verteidigungsspezialist Roggisch stellt sich einfach vor, dass das Kräftemessen mit den Dänen, eigentlich der Abschluss der Hauptrunde, ein Viertelfinale wäre: „Für mich ist nichts passiert.“

Der forsche Klein skizzierte die Ausgangslage ebenfalls auf eigenwillige Art: „Jetzt sind wir mal am Schlangenfluss. Es muss nach links oder nach rechts gehen. Die Entscheidung haben wir.“ Sie liegt aber doch, wie man weiß, nicht immer in der eigenen Hand.

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