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Handball-WM in Kroatien Bedrohliches Klima

26.01.2009 ·  Eine Bombendrohung, ein Flaggenskandal und offene Anfeindungen: Bei der Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien leben alte Feindschaften auf. Die Serben werden gnadenlos ausgepfiffen, die Spieler beschimpft.

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Eine Bombendrohung, ein Flaggenskandal und Anfeindungen gegen Serbien: Bei der Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien hat es zum Auftakt der Hauptrunde in Zadar abseits vom Sport jede Menge Unruhe gegeben. Eine Zeitung in der Adriastadt erhielt am späten Freitagabend eine SMS, in der es mit Blick auf das Hotel „Kolovare“, in dem auch die deutsche Mannschaft wohnt, sinngemäß hieß: „In 30 Minuten wird dort eine Bombe hochgehen. 150 Serben werden sterben.“

Die Drohung stellte sich zwar als Fehlalarm heraus, dennoch steht das Hotel nach Angaben der kroatischen Nachrichtenagentur Hina unter ständiger Beobachtung durch die Polizei. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagte der serbische Torjäger Momir Ilic, der beim VfL Gummersbach unter Vertrag steht. „Wir bleiben im Hotel. Wenn wir rausgehen würden, dann nur unter Polizeischutz.“ Die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes bekam von der Aufregung zunächst nichts mit. Erst als der Göppinger Trainer Velimir Petkovic seinen Spieler Christian Schöne anrief, um zu erfahren, was denn los sei, wurde die Mannschaft des Titelverteidigers informiert.

Der Hass gegen die Serben ist geblieben

Hintergrund der Drohung sind nationale Animositäten zwischen Teilen der kroatischen und der serbischen Bevölkerung, die vom Krieg auf dem Balkan Anfang der 1990er Jahre herrühren. Zadar war damals ein Kriegsschauplatz und immer wieder Ziel serbischer Angriffe. Dabei kamen Hunderte Menschen ums Leben, Tausende wurden obdachlos.

Der Hass gegen die Serben ist größtenteils geblieben. Bei der WM werden sie gnadenlos ausgepfiffen, die Spieler teilweise beschimpft. „Für unsere Fans wäre es hier gefährlich“, sagte Ilic. So nahm die Polizei in Zadar zwei Personen fest, die ein Auto mit serbischem Kennzeichen beschädigten. In der Hauptstadt Zagreb wurde zudem am Samstagabend eine serbische Fahne verbrannt. Zwei Personen wurden nach Polizeiangaben vorübergehend festgenommen.

„Unsinnige und dumme Geste“

Auch der Bürgermeister von Zadar hatte für Ärger gesorgt, als er alle 24 Flaggen der WM-Teilnehmer vom Hauptplatz der Stadt entfernen ließ. Dies habe die Stadtverwaltung nach zahlreichen Bürgerprotesten getan, weil sich unter den Flaggen auch die von Serbien befand, sagte Bürgermeister Zivko Kolega laut kroatischen Medienberichten. Das kroatische Fernsehen bezeichnete die Maßnahme als „unnötige Demütigung“, die Tageszeitung Jutarnji List schrieb von „einer unsinnigen und dummen Geste“.

Nach Polizeiangaben wurde am Freitagabend in Zadar zudem ein mazedonischer Fan verprügelt. Der Zweiundvierzigjährige war von drei Personen angegriffen worden und musste sich zur Behandlung ins Krankenhaus begeben.

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