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FAZ.NET-Schlagwurf Ringen mit Ball

21.01.2009 ·  Oliver Roggisch gilt als Weltklasse-Handballspieler, obwohl er eigentlich gar nicht Handball spielt. Er betreibt stattdessen Ringen, bei dem gleichzeitig von anderen Spielern Bälle geworfen werden. Der FAZ.NET-Schlagwurf - die leicht überspitzte Handball-Kolumne.

Von Daniel Meuren
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Von einem Weltklasse-Tennisspieler erwartet man, dass er mit seinem Schläger einen schönen Topspin spielen kann. Von einem Profi-Fußballspieler erwartet man, dass er den Ball mit dem Fuß zum Mitspieler oder ins Tor kicken kann - es sei denn, dass er Torwart ist. Von einem Spitzenbasketballspieler erwartet man, dass er den Ball zumindest gelegentlich in den gegnerischen Korb befördert.

Im Handball ist das alles anders: Da darf sich Oliver Roggisch zur Weltklasse zählen, obwohl er eigentlich nie dem eigentlichen Sinn des Spiels nachgeht. Der Weltmeister von 2007 wirft keine Tore, er spielt keine Pässe, eigentlich berührt der Abwehrhüne sogar so gut wie nie den Ball.

Ein Spiel dauert 30 Minuten minus Zeitstrafen

Für Oliver Roggisch dauert ein Handballspiel zudem stets deutlich weniger als die vertraglich festgelegten 60 Minuten: Die Hälfte des Spiels sitzt er eh auf der Bank, da er bei Angriffen seiner deutschen Nationalmannschaft stets Platz machen muss für Pascal Hens. Und dann fallen noch ein paar Minuten Spielzeit wegen Strafzeiten weg, zu denen die Schiedsrichter Roggisch üblicherweise zwei bis drei Mal pro Spiel verdonnern.

Der deutsche Abwehrchef ist also eine durch und durch merkwürdige Erscheinung in jenem Sport, der gerade in Kroatien bei der Weltmeisterschaft seinen sportlichen Höhepunkt erlebt. Roggisch ist unter all den mächtigen Wurfwundern, leichtfüßigen Außenspielern und kreativen Spielgestaltern ein Fremdköper.

„Das ist der Untergang des Handballs!“

Der 30 Jahre alte Profi der Rhein-Neckar-Löwen beschränkt sein handballerisches Tun ganz und gar auf die destruktive Seite des Spiels als Abwehrstratege. In über 100 Länderspielen hat der Weltmeister gerade mal 25 Treffer erzielt, im Handball eine verschwindend geringe Zahl an Erfolgserlebnissen. Selbst in der Bundesliga trifft er nicht viel öfter. In Wahrheit ist Roggisch deshalb gar kein Handballspieler, sondern er betreibt Ringen, bei dem zufällig in der Nähe von anderen ein Ball herumgeworfen wird.

Der ehemalige Bundestrainer Vlado Stenzel pflegt in seiner polemischen Art über Roggisch zu sagen: „Wie soll ich einem Zuschauer, der sich aus dem Fußballstadion zum Handball verirrt, erklären, dass so etwas möglich ist: Roggisch kann weder einen gescheiten Pass spielen noch richtig werfen und er ist trotzdem Nationalspieler. Das ist der Untergang des Handballs!“

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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