28.01.2009 · Keine Mannschaft beschwerte sich bei der Handball-WM so lautstark über die Schiedsrichter wie die deutsche. Doch eine Schiedsrichter-Front gegen den Weltmeister von 2007 war nicht zu erkennen. Bei der nötigen Diskussion kommt es auf den passenden Ton an.
Von Rainer SeeleDie Welt des Handballs ist keineswegs aus den Fugen geraten in Kroatien. Die Franzosen, die Kroaten, die Dänen und die Polen – das ist eine ansehnliche Besetzung des Halbfinales der Weltmeisterschaft. Die Deutschen müssen sich nicht grämen, diesem Zirkel nicht anzugehören, ihre Darbietungen in Kroatien waren auch so aller Ehren wert, nicht zuletzt im packenden Kräftemessen mit den Dänen. Die Leistungen in den zurückliegenden Tagen wiesen auf eine vielversprechende Entwicklung hin, die Deutschland in den nächsten Jahren wieder zu einem Kandidaten für Medaillen bei bedeutenden Turnieren machen könnte.
Manchmal aber schienen sich die wehrhaften Deutschen in den vergangenen Tagen doch ein bisschen zu verzetteln – weniger auf dem Spielfeld, vielmehr in der Nachbetrachtung des sportlichen Geschehens. Sie waren jene, die sich am lautesten über die Schiedsrichter beschwerten. Über die Referees im Handball wird von jeher heftig diskutiert, sie stehen fast noch mehr im Kreuzfeuer der Kritik als ihre Kollegen in anderen Sportarten, es hatte ja auch schon manche Skandale gegeben, beispielsweise in Asien.
Jedes Team muss in jedem Spiel Benachteiligungen hinnehmen
Generell ist Handball oftmals Auslegungssache, der Ermessensspielraum des Wachpersonals an der Pfeife in diesem Hochgeschwindigkeitssport ist beträchtlich, und tatsächlich ist nicht jede Entscheidung nachvollziehbar. Ein Foul des Angreifers – oder doch eine Tätlichkeit des Verteidigers? Die Grenzen verschwimmen dabei manchmal.
Aber gleich Verschwörungstheorien in Serie zu entwerfen, den Männern, die über die Regeln zu wachen haben, bei der WM nicht nur einmal böse Absicht zu unterstellen mutet übertrieben an. Im Handball muss vermutlich jedes Team in jedem Spiel eine Benachteiligung hinnehmen – oder sogar mehrere. Die Deutschen ärgerten sich zu Recht über eine solche Szene im Duell mit den Dänen, die Torhüter Johannes Bitter betroffen hatte – zumal sie schließlich einen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang dieses Spiels hatte. Dass Deutschland von den Schiedsrichtern aber bewusst in die Defensive gedrängt worden wäre, dass es eine Front gegen den Weltmeister von 2007 gegeben hätte, war nicht zu erkennen.
Auf den Ton kommt es an
Es ist, speziell im Handball, notwendig, die Männer, die unparteiisch sein sollen, immer wieder auf die Probe zu stellen, ihr Verhalten ständig zu überprüfen. Auch die Meinung der Spieler ist dabei wichtig. Doch kommt es auch in dieser Debatte auf den passenden Ton an. Immerhin ließen die Deutschen am Mittwoch bereits eine gewisse Einsicht erkennen. Sie wiesen darauf hin, mit ihren Emotionen künftig vielleicht doch anders umgehen, sich selbst ein bisschen zurücknehmen zu müssen. „Handball rockt“ – das war am Mittwoch im deutschen Lager in Zadar ebenfalls zu hören. Damit der „heiße Tanz“ weitergeht, ist ein hoher Einsatz erforderlich. Die Deutschen dürften gemerkt haben, dass es sich lohnt, sich darauf zu konzentrieren.