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26:26 gegen Russland Deutsches Schädelbrummen nach der Ochsentour

18.01.2009 ·  Die robusten Russen sind den deutschen Handball-Weltmeistern beim 26:26-Unentschieden nicht gut bekommen: Nach dem Punktverlust zum WM-Auftakt muss Rechtsaußen Sprenger verletzt abreisen. Nun geht es gegen Tunesien.

Von Rainer Seele, Varazdin
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Es war eine seltsame Premiere, ein Abend, der ganz unterschiedliche Gefühle bei den Deutschen ausgelöst hatte. Es schien für sie nicht einfach gewesen zu sein, ihre Gedanken zu ordnen, all das zu verarbeiten, was sie beschäftigte. Es mutete wie eine Mischung aus Schock, Schmerz, aber auch Stolz an. Auf sie war ja auch eine Menge eingestürzt bei ihrem ersten Auftritt in Varazdin, bei der Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien. Sie hatten wieder einen Spieler verloren, diesmal traf es den Rechtsaußen Christian Sprenger.

Sie hatten die rauhe russische Gangart zu spüren bekommen, und sie hatten sich schließlich mit einem 26:26 arrangieren müssen, das Bundestrainer Heiner Brand und seiner Mannschaft wie ein Punktverlust vorkam, da sie einen klaren Vorsprung aus der Hand gegeben hatten. Und doch sprachen die deutschen Spieler danach von einem zufriedenstellenden Einstand in Kroatien. Sie glaubten, ihre Geschlossenheit, ihren Zusammenhalt preisen zu können, dabei tat sich besonders der Kieler Dominik Klein hervor. „Ich hoffe, das kommt in Deutschland an“, sagte der forsche Handballprofi zur Leistung des Teams. Das war seine Botschaft vom Samstag.

„Eine absolute Klopperei. Aber Härte gehört zum Handball“

Der Titelverteidiger, der am Sonntag auf Tunesien trifft (17.30 Uhr / Live bei RTL und bei Handball WM 2009 Live: Deutschland - Norwegen), hatte viele bewegende Momente im Duell mit den Russen erlebt, einen frühen Schreck eingeschlossen. Dafür sorgte der Magdeburger Sprenger, der nach etwa einer Viertelstunde zu Boden gegangen war und danach, gestützt von Pascal Hens und Sebastian Preiß, vom Feld humpelte. Ihm war da schon klar, dass die WM für ihn beendet sein würde. „Ich hörte, wie es in meinem Knie knackte, und wusste gleich, dass da was kaputt war.“ Bei einer Untersuchung im Krankenhaus von Varazdin wurde ein Innenbandriss im rechten Knie festgestellt, Sprenger flog am Sonntag zurück nach Deutschland. Brand ließ zunächst offen, ob er einen Spieler nachnominieren wird.

Ein Russe war Sprenger, der als Nachfolger von Florian Kehrmann sein erstes großes Turnier bestreiten wollte, gegen das Knie gesprungen; so kam es zu der folgenschweren Verletzung. Überhaupt waren die Russen sehr energisch zu Werke gegangen, neun Zeitstrafen belegten ihren hohen, bisweilen auch übertriebenen Einsatz. „Das war eine absolute Klopperei“, klagte Klein, aber einschränkend sagte er auch: „Die Härte gehört zum Handball.“ Der Hamburger Torsten Jansen beschrieb das Vorgehen der Russen als „ziemlich rustikal“, und sein Teamkollege Hens sagte salopp, dass das wie eine Begegnung mit Ochsen gewesen sei.

„Frechheit, nicht zu pfeifen und ihn liegen zu lassen“

Auch Hens, neunfacher Torschütze, hatte am Samstag leiden müssen. Erst erhielt der Hamburger einen Schlag in den Magen, kurz vor Schluss war er bei einem Angriff gewissermaßen niedergestreckt worden. Ihm brummte danach gehörig der Schädel, die Russen hingegen gingen noch einmal in die Offensive - und erzielten per Siebenmeter den Ausgleich. Die Deutschen wähnten sich dabei klar benachteiligt von den Schiedsrichtern.

Es sei eine Frechheit gewesen, lamentierte Jansen, „bei Hens nicht zu pfeifen und ihn dann liegen zu lassen“. Die Weltmeister hatten sich am Samstag gleichwohl auch an die Nase fassen müssen: Immerhin waren sie nicht imstande gewesen, eine deutliche Führung - nach 51 Minuten hatte es 25:20 gestanden - über die Zeit zu bringen. Das war für sie das eigentliche Ärgernis des Tages, und Brand betonte, dass er mit dem Ergebnis nicht einverstanden sein könne.

Bundestrainer Brand wechselte immer wieder das Personal

Aber er ließ dann doch auch ein wenig Milde walten mit seinem Team, das sich in einem Umbruch befindet. Er wies zwar darauf hin, dass seine Spieler sich nicht immer entschlossen genug den Zweikämpfen gestellt hätten, dass ihnen bisweilen „einfache Fehler“ unterlaufen seien. Aber das, fügte der Gummersbacher hinzu, „müssen wir bei diesem Team einkalkulieren“.

Brand hatte immer wieder das Personal gewechselt, weil das deutsche Spiel sich nicht wie gewünscht entwickelte. Der Bundestrainer ersetzte den Lemgoer Martin Strobel in der Mitte des Rückraums sogar zeitweise durch den Linksaußen Klein; im Zentrum mangelte es an einer führungsstarken Hand. Auch am Kreis gab es ein Kommen und Gehen: Mal versuchte sich dort Preiß, dann wieder Jens Tiedtke. Auf dieser Position waren die Deutschen schon einmal deutlich effektiver gewesen.

„Nach 40 Minuten habe ich Heiner gesagt, dass ich rausmuss“

Da traf es sich gut, dass zumindest Hens sich in Szene setzen konnte, auch wenn er für seine neun Tore siebzehn Versuche benötigt hatte. Immerhin belebte der Hamburger am Samstag das deutsche Spiel, ein Lob von Brand war ihm danach sicher. „Er hat oft die richtige Entscheidung getroffen“, sagte der Bundestrainer, und er wurde nicht müde, die Bedeutung von Hens für den derzeit etwas instabilen Weltmeister hervorzuheben. „Wir brauchen die Etablierten.“

Hens hatte jedoch mit seinen Kräften haushalten müssen, immerhin hatte er lange pausiert wegen einer Fraktur des linken Schienbeinkopfes, die er sich bei den Olympischen Spielen in Peking zugezogen hatte. Er ist deswegen noch ein Stück von seiner Bestform entfernt - er war am Samstag trotzdem eine wertvolle Hilfe. Zwischendurch war Hens freilich ein wenig die Puste ausgegangen, er schilderte diesen Augenblick so: „Nach 40 Minuten habe ich zum Heiner gesagt, dass ich mal rausmuss.“ Aber Hens kam ja wieder, zum Glück für die Deutschen.

Deutschland - Russland 26:26 (15:14)
Deutschland: Bitter (Hamburg) - Hens (9/Hamburg), Jansen (7/2/Hamburg), Glandorf (3/Nordhorn), Müller (2/Großwallstadt), Kaufmann (1/Lemgo), Preiß (1/Lemgo), Klein (1/Kiel), Strobel (1/Lemgo), Schröder (1/Hamburg), Sprenger (Magdeburg), Tiedtke (Großwallstadt), Roggisch (Magdeburg)
Beste russische Werfer: Rastworzew (5), Igropulo (5)
Schiedsrichter: Gjending/Hansen (Dänemark)
Zeitstrafen: 5:9
Siebenmeter: 3/2:6/3
Zuschauer: 3500

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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