Im Fall der Kofferbomben, die am 31. Juli in Regionalzügen in Dortmund und Koblenz gefunden worden sind, sehen die Ermittlungsbehörden ihren Verdacht erhärtet, daß es sich dabei um einen geplanten Terroranschlag gehandelt hat. Wie Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt am Freitag in Wiesbaden mitteilten, richtet sich der Anfangsverdacht gegen eine inländische terroristische Vereinigung.
Nach Darstellung von BKA-Präsident Ziercke sind die beiden mutmaßlichen Täter, unter anderem anhand von Videoaufzeichnungen aus dem Kölner Hauptbahnhof, „visualisiert, aber nicht identifiziert“ worden.
Gefahr einer Wiederholung „durchaus gegeben“
Der BKA-Präsident vermutete, daß die Täter, die selbst nicht hätten zu Schaden kommen wollen und nach gesicherten Erkenntnissen vorher die Züge verlassen hätten, mit den Anschlägen ein „Zeichen“ im Nahost-Konflikt setzen wollten. Mit Hilfe von Fahndungsplakaten wird die Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen. Für Hinweise, die zum Ergreifen der Täter führen, wurden 50.000 Euro ausgelobt. Das Bundeskriminalamt hält die Gefahr einer Wiederholung für „durchaus gegeben“.
In den Sicherheitsbehörden sieht man aufgrund der Aufnahmen gute Chancen, die Verdächtigen zügig ausfindig zu machen. Einen derartigen Anschlagsversuch hat es bisher in Deutschland noch nicht gegeben; die bekanntgewordenen Pläne von islamistischen Terroristen richteten sich gegen jüdische und amerikanische Einrichtungen in Deutschland.
Anscheinend kein Blutvergießen gewollt
Anders als bei den Anschlägen in London und Madrid 2005 und 2004 wollten die Täter hier aber anscheinend kein massenhaftes Blutvergießen. Die Zünder waren so eingestellt, daß die Bomben auf freier Strecke zehn Minuten vor den Zielbahnhöfen gleichzeitig explodiert wären. Außerdem wurde eine relativ verkehrsarme Zeit (14.30 Uhr) gewählt, zu der die Züge schwach besetzt waren.
Anscheinend handelte es sich nicht um Selbstmordattentäter. Durch einen „handwerklichen Fehler“ sei es jedoch nicht zur Explosion gekommen. Bei einer erfolgreichen Zündung hätte es nach Zierckes Worten in beiden Zügen einen Feuerball gegeben, durch den womöglich zahlreiche Menschen verletzt oder getötet worden wären.
„Es hätte Bekennerschreiben gegeben“
Bundesinnenminister Schäuble (CDU) sagte in Berlin: „Wir müssen dieses Ereignis sehr ernst nehmen. Und wir müssen leider davon ausgehen, daß die Gefahr einer Wiederholung dieser Anschlagsversuche weiterhin besteht.“ Schäuble forderte die Bürger nachdrücklich auf, das Bundeskriminalamt bei der Fahndung nach den Bombenlegern zu unterstützen. Schäuble teilte mit, daß die Sicherheitsmaßnahmen in der Bahn der aktuellen Lage angepaßt worden seien.
Die „Hypothese“ des Bundeskriminalamtes sei, so Ziercke, daß es im Falle von tatsächlichen Explosionen ein Bekennerschreiben gegeben hätte. Daß es den Tätern um ein Zeichen im Nahost-Konflikt gegangen sei, schließen die Ermittler aus dem Inhalt der Trolleys, unter anderem einem abgerissenen Zettel mit arabischen Schriftzeichen und mit Telefonnummern aus dem Libanon.
Libanesische Speisestärke
Außerdem waren in einem der Trolleys Tüten mit Speisestärke, die ebenfalls aus dem Libanon stammt. Diese Speisestärke steht allerdings in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Bombenkonstruktion. Ziercke nimmt an, daß die Täter sicher gewesen seien, daß im Falle einer erfolgreichen Explosion der gesamte Kofferinhalt, zu dem auch T-Shirts zum Abstützen der Bomben gehörten, zur Unkenntlichkeit verbrannt wäre und keine Hinweise auf die Urheber mehr geliefert hätte. Nach den Worten des Präsidenten des Bundeskriminalamts hätte eine Explosion verheerende Auswirkungen gehabt. Beide Bomben bestanden jeweils aus einer Elf-Liter-Gasflasche und drei 1,5-Liter-Petflaschen, die mit Benzin gefüllt waren.
Der BKA-Präsident appellierte an die Bevölkerung, sich bei verdächtigen Gegenständen oder herrenlosem Gepäck in Zügen an den Zugbegleiter zu wenden. Seit dem 31. Juli führe die Bundespolizei in den Zügen verstärkte Streifentätigkeit durch und habe die Anweisung, verdächtiges Gepäck zu kontrollieren. Mehr als hundert BKA-Beamte seien im Einsatz. Noch lägen nicht alle Untersuchungsergebnisse vor: „Noch gibt es auch für uns offene Fragen.“
Videoüberwachung liefert Ermittlungsansätze
Auch Schäuble sagte, er bitte „um Verständnis dafür, daß die Bundespolizei dazu in einigen Fällen auch Reisende ansprechen und ihr Gepäck kontrollieren wird. Das geschieht zur Sicherheit der Reisenden und des Bahnverkehrs.“ Schäuble kündigte an, bei der Videoüberwachung werde sich die Situation deutlich verändern müssen.
Nötig sei die Videoüberwachung aber auch in anderen öffentlichen Bereichen, die ebenso gefährdet seien. Das gelte insbesondere für den öffentlichen Nahverkehr. Es habe sich gezeigt, „daß die Videoüberwachung entscheidende Ermittlungsansätze liefert und daß wir dadurch die wertvollen Erkenntnisse über die mutmaßlichen Täter erhalten haben“.
Die Bahn kündigte an, die Videoüberwachung an den Bahnhöfen zu verstärken. Das Unternehmen sei dabei, die Geräte zu beschaffen, sagte das zuständige DB-Vorstandsmitglied Wiesheu am Freitag in Berlin. In Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden werde über die konkreten Standorte entschieden.
Michael Ballacks 13 auf dem Rücken
Videoaufnahmen der Überwachungskameras am Kölner Hauptbahnhof zeigten die beiden Männer, die am 31. Juli mit schweren Trolleykoffern, in denen sich offenbar die Bomben befanden, in die beiden Züge stiegen. Die erste Person ist etwa 1,80 Meter groß, mit südländischem Aussehen. Der Mann trug dunkles, kurzes Haar, war mit einem weißen Hemd und dunkler Hose bekleidet.
Er führte neben dem Koffer, der dem Tat-Trolley der Marke „e-go“ entsprechen könnte, eine schwarze Umhängetasche im Stil einer Laptoptasche mit sich. Die zweite Person sei zwischen 1,68 und 1,72 Meter groß, ebenfalls von südländischem Aussehen. Sie habe schulterlanges, nach hinten gekämmtes dunkles Haar und einen Kinnbart.
Bekleidet war diese Person mit einem weißen T-Shirt im Stil eines Trikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und einer grauen Hose. Das T-Shirt hat vorn im Brustbereich einen Schriftzug und hinten die Rückennummer „13“, die Michael Ballack bei der Fußball-WM hatte. Neben einem Trolley, der dem Tat-Trolley der Marke „Sunpeak“ entsprechen könnte, führte die Person einen Trekkingrucksack mit roter Mitteltasche mit sich.
celler loch...
stephan fischer (meyfisch)
- 18.08.2006, 17:19 Uhr
Islam: Religion oder Sekte?
J. Alt (J.Alt)
- 18.08.2006, 18:19 Uhr
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Christian Georg (chgeorg)
- 18.08.2006, 19:53 Uhr
An Zugbegleiter wenden?
Friedhelm Biegel (fbiegel)
- 18.08.2006, 20:38 Uhr
Sven Mueller (versmuellen)
- 18.08.2006, 22:15 Uhr
