02.09.2005 · Einer der vier Selbstmordattentäter von London hat vor seinem Tod in einem Video mit Anschlägen gedroht und seine Bewunderung für die Extremisten-Organisation Al Qaida mitgeteilt. Anti-Terror-Spezialisten bezweifeln jedoch die Beweiskraft des Bandes.
Einer der vier Selbstmordattentäter von London hat vor seinem Tod in einem Video mit Anschlägen gedroht und dabei seine Bewunderung für die Extremisten-Organisation Al Qaida mitgeteilt. Der arabische Fernsehsender Al Dschazira zeigte das Band mit Mohammad Sidique Khan am Donnerstag und berichtete, es enthalte ein Bekenntnis Al Qaidas zu dem Londoner Anschlag, bei dem im Juli 52 Menschen getötet worden waren.
In den veröffentlichten Teilen des Bandes wird dies allerdings so nicht gesagt. Nach Khans Erklärung ist eine Aufzeichnung mit dem stellvertretenden der Al Qaida-Chef, Ajman al-Sauahri, zu sehen. Dieser lobt die Anschläge und droht seinerseits mit weiteren Attentaten. Die beiden Männer treten in dem Video nicht zusammen auf. Es war auch unklar, wie lange vor dem Anschlag der Teil mit Khan aufgenommen wurde.
Kampf nicht beenden
Khan erklärte auf dem Band in einer Art Terroristen-Testament, die Menschen im Westen seien selbst schuld an den Anschlägen in London, in Madrid und auch am Terrorakt des 11. September 2001, da sie Regierungen gewählt hätten, „die Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen“. Er fühle sich verpflichtet, den Islam gegen die Gewalt „demokratisch gewählter Regierungen“ zu verteidigen.
„Bis ihr nicht die Bombardierungen, Gas-Angriffe, Verhaftungen und Folter (von Moslems) stoppt, werden wir nicht unseren Kampf beenden. Wir sind im Krieg, und ich bin ein Soldat“, sagte der 30 Jahre alte Attentäter pakistanischer Abstammung auf Englisch mit einem starken Yorkshire-Akzent.
Spezialisten hegen Zweifel
Der britische Außenminister Jack Straw reagierte auf das Video mit einer scharfen Verurteilung des Terrorismus. Es gebe „keine Entschuldigung, keine Rechtfertigung für Terrorismus“, sagte Straw am Freitag am Rande eines informellen Treffens der EU-Außenminister im walisischen Newport. „Diejenigen, die da fälschlich im Namen des Islam zu sprechen vorgeben, töten vor allem ihre eigenen moslemischen Brüder“, fügte Straw hinzu.
Die britische Regierung hatte eine Stellungnahme zu dem Videoband zunächst abgelehnt. Scotland Yard erklärte, die Polizei habe von dem Band Kenntnis. Die Informationen würden in die Ermittlungen von Scotland Yard zu den Anschlägen Eingang finden, hieß es in britischen Medienberichten in der Nacht zum Freitag. Laut BBC sehen britische Anti-Terror-Spezialisten das Band nicht als überzeugenden Beweis dafür an, daß die Al Qaida-Führung die Anschläge direkt befohlen hätte
Khan und drei weitere Attentäter hatten sich am 7. Juli in der U-Bahn und einem Bus der britischen Hauptstadt in die Luft gesprengt. Zwei mit Al Qaida in Verbindung stehende Gruppen haben sich ebenfalls zu der Tat bekannt. Die Polizei hatte erklärt, die Anschläge trügen die Handschrift der Organisation. Khan soll der Anführer der Attentäter gewesen sein.