02.08.2005 · Die britische Polizei befürcht Verzögerungen bei den Ermittlungen, weil sie den in Rom inhaftierten Rucksackbomber von London nicht verhören darf. Das berichten britische Medien. In London gab es einen Terror-Fehlalarm.
Scotland Yard darf den in Rom festgenommenen mutmaßlichen Rucksackbomber Hamdi Adus Issac nach Medienberichten nicht verhören. Die britische Polizei befürchtet deshalb Verzögerungen bei den Ermittlungen zu den gescheiterten Bombenanschlägen von Ende Juli in London.
Zwei Polizisten von Scotland Yard sei der Zugang zu dem 27 Jahre alten Verdächtigen verweigert worden, hieß es in Zeitungsberichten vom Dienstag. Unterdessen sorgte ein qualmender Bus im Zentrum Londons für kurzzeitige Panik.
Entscheidung über Auslieferung verzögert sich
Großbritannien hat die Auslieferung des gebürtigen Äthiopiers Issac beantragt, der in London unter dem somalischen Namen Osman Hussein mit einem britischen Paß lebte und für einen der versuchten Anschläge auf einen U-Bahnhof am 21. Juli verantwortlich sein soll. Italienische Medien berichteten am Dienstag, daß eine Entscheidung über die Auslieferung Issacs voraussichtlich nicht vor Ende des Monats oder sogar erst im September getroffen werde.
Der mutmaßliche Rucksackbomber wehrt sich gegen eine Auslieferung nach Großbritannien und möchte in Italien bleiben. Auch sei noch unklar, ob dem Verdächtigen wegen terroristischer Aktivitäten und des Besitzes gefälschter Reisedokumente zunächst in Italien der Prozeß gemacht wird.
„Er scheint kooperativ zu sein“
Die britische Polizei will Issac so schnell wie möglich verhören. London ist noch immer in Alarmbereitschaft, und der Terrorverdächtige könnte Kontakte zu anderen Gruppen halten, die weitere Anschläge planen, hieß es in den Berichten unter Berufung auf Polizeikreise. „Wir müssen dringend mit ihm reden. Er scheint kooperativ zu sein und könnte uns vielleicht bei den Ermittlungen helfen“, sagte ein Polizeisprecher der Zeitung „Times“.
Die italienischen Ermittler wollten zuletzt nicht mehr ausschließen, daß Issac als „unwissender Selbstmordattentäter“ gehandelt habe. Er beteuere bei seinen Verhören weiterhin, daß er in London kein Blutbad anrichten, sondern lediglich eine „demonstrative Aktion“ durchführen wollte, berichtete die Zeitung „Corriere della Sera“. Eventuell habe der Auftraggeber ihm nicht gesagt, daß sich in seinem Rucksack eine tödliche Bombe befand, hieß es.
„Jeder geriet in Panik“
Im Herzen Londons löste ein qualmender Bus kurzzeitig Angst vor einem weiteren Anschlag aus. Nach Angaben der Polizei war in einem Doppeldeckerbus in der Nähe der U-Bahnstation King's Cross ein kleines Feuer im Motorraum ausgebrochen. Umgehend wurde die Straße in beiden Richtungen abgesperrt, Krankenwagen rückten an. „Jeder geriet in Panik, aber es war nur ein kleiner Brand und niemand wurde verletzt“, sagte ein Polizeisprecher.
Am selben Tag ließ die Polizei zwei Männer und eine Frau frei, die am Sonntag unter Terrorverdacht in Brighton festgenommen worden waren. Nach den Angaben wurden im Zusammenhang mit den Anschlagversuchen von 21. Juli insgesamt 37 Männer und Frauen in Großbritannien festgenommen. Von diesen befinden sich noch 17 in Polizeigewahrsam.
Die Regierung in London sucht unterdessen den Dialog mit der muslimischen Bevölkerung im In- und Ausland. Außenminister Jack Straw plant nach einem Bericht der „Financial Times“ eine Konferenz im Nahen Osten, um gemeinsam mit muslimischen Führern nach einer Lösung bei der Bekämpfung des Terrorismus zu suchen.
Mehr Gewalt gegen Muslime
Unterdessen hat die Zahl der Gewalttaten gegen religiöse Minderheiten in London nach den blutigen Terroranschlägen vom 7. Juli um nahezu 600 Prozent zugenommen. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Erhebung der Polizei hervor. Die Übergriffe richteten sich vor allem gegen Muslime oder deren Einrichtungen wie etwa Moscheen. Wie die Metropolitan Police mitteilte, registrierte sie in den dreieinhalb Wochen seit der Anschlagsserie auf die U-Bahn und den Busverkehr in der britischen Hauptstadt 269 von Haß auf eine religiöse Minderheit motivierte Straftaten. Es handelte sich dabei um Drohungen, körperliche Angriffe oder um Sachbeschädigungen. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres seien es lediglich 40 solcher Delikte gewesen.