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Großbritannien Bestürzung über die „Bomben-Jungs“

13.07.2005 ·  Die Polizei hat ihre Identität nicht bestätigt, britische Medien aber berichten ausführlich, wer die Anschläge in London begangen haben soll: vier junge, in England geborene Männer aus pakistanischen Familien, die sich für Fußball begeisterten, nicht für Politik.

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Bestürzt und fassungslos hat Großbritannien am Mittwoch darauf reagiert, daß die Attentäter von London möglicherweise vier junge Männer aus dem Norden des Landes sind.

Zwar bestätigte die Polizei die Identität der Männer nicht, die Medien nahmen allerdings vier junge Männer aus Leeds ins Visier. „The Boy Bombers“, schrieb das Boulevardblatt „The Sun“ - die „Bomben-Jungs“. „Selbstmordattentäter aus der Vorstadt“, hieß es in der Zeitung „Daily Mail“.

„Es waren vier normale britische junge Männer aus normalen britischen Familien, die Fußball und Mädchen liebten ... also warum nur wurden sie zu Selbstmordattentätern?“, fragte der „Daily Mirror“ auf seiner Titelseite.

In Großbritannien geboren

Die Polizei geht von vier Attentätern aus, die die Anschläge am Donnerstag verübt haben, und ermittelt derzeit, ob sie sich mit ihren Sprengsätzen gezielt in die Luft gesprengt und damit Selbstmordattentate verübt haben. Ihren Angaben zufolge ist es sehr wahrscheinlich, daß einer der vier Verdächtigen bei den Anschlägen ums Leben gekommen ist. Medienberichten zufolge stammen die Täter aus pakistanischen Familien, sind aber in Großbritannien geboren und lebten in der nordenglischen Stadt Leeds.

Die zwischen 19 und 30 Jahre alten Männer sollen demnach gemeinsam nach London gefahren sein, den Sprengstoff in Militärrucksäcken auf ihrem Rücken. Alle vier seien bei den Anschlägen ums Leben gekommen.

„Er war ein lieber Junge“

Nachbarn und Freunde der Verdächtigen reagierten in Interviews mit den Zeitungen voller Unglauben und Entsetzen. „Er war ein lieber Junge, der mit allen gut zurechtkam“, sagte ein 19jähriger der Zeitung „The Times“ über einen der mutmaßlichen Täter, einen 22jährigen Sportstudenten. Er soll Fußball und Cricket geliebt und gelegentlich im Schnellimbiß seines Vaters in Leeds ausgeholfen haben. „Er hatte einen wunderbaren Humor und brachte einen zum Lachen... Die Vorstellung, daß er nach London gefahren sein soll, um eine Bombe zu zünden, ist unglaublich. Es liegt nicht in seiner Natur, so etwas zu tun.“

Ein anderer sagte dem „Guardian“, er habe noch vor zehn Tagen mit dem 22jährigen im Park Cricket gespielt. „Er interessiert sich nicht für Politik.“ In dieses Bild mischten sich allerdings auch andere Aspekte - in der Biografie der Männer muß es einen Bruch gegeben haben. Der Sportstudent habe im vergangenen Jahr zwei Monate in Afghanistan verbracht und vier Monate in Pakistan, sagte ein Nachbar des Mannes dem Sender ITN News. In beiden Ländern gibt es starke radikal-muslimische Strömungen, und der flüchtige Al-Qaida-Chef Usama bin Ladin soll hier bei Anhängern Unterschlupf gefunden haben.

„Aus den Gleisen geraten“

Ein 19jähriger, der ebenfalls an den Attentaten beteiligt gewesen sein soll, hat sich Angehörigen zufolge vor wenigen Monaten grundlegend verändert und ist ein religiöser Mensch geworden. „Seine Eltern waren besorgt, weil er ziemlich aus den Gleisen geraten war. Sie wollten ihm ein bißchen Disziplin beibringen. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber vor ungefähr zwei Jahren änderte sich der Junge plötzlich und wurde tief religiös“, sagte ein Cousin in „The Times“.

Einem der Männer war die Polizei auf die Spur gekommen, nachdem dessen besorgte Eltern am Tag der Anschläge eine der Notfallnummern angerufen hatten. Sie sagten einem Bericht des „Guardian“ zufolge, ihr Sohn sei mit seinen Kameraden nach London gefahren und nicht zurückgekehrt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters
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