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Bahnbomben Dritter Verdächtiger festgenommen

25.08.2006 ·  Bei der Fahndung nach den Bahnbombern hat die Polizei in einem Studentenwohnheim in Konstanz einen dritten Mann festgenommen. Im Libanon wurde ein Zeuge vernommen. Muslim-Verbände in Deutschland äußerten „Entsetzen und Abscheu“ über die versuchten Anschläge.

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Im Zusammenhang mit den fehlgeschlagenen Bombenanschlägen auf Nahverkehrszüge hat die Bundesanwaltschaft am Freitag einen dritten Verdächtigen festnehmen lassen. Der Zugriff erfolgte am frühen Freitag morgen im Zusammenhang mit einer Durchsuchung in einem Studentenwohnheim in Konstanz.

Dem Verdächtigen werde wie den beiden bereits Verhafteten Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchter Mord in einer Vielzahl von Fällen und das versuchte Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vorgeworfen. Der Beschuldigte sei dem persönlichen Umfeld des am vergangenen Samstag festgenommenen Youssef Mohamad El Hajdib aus Kiel zuzurechnen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Ob und inwieweit er in die Anschlagsvorbereitungen eingebunden gewesen sei, werde noch ermittelt. Am Samstag soll entschieden werden, ob gegen ihn Haftbefehl beantragt wird.

Libanon: Vernehmung, keine Festnahme

Über die Identität des Mannes wurde zunächst nichts mitgeteilt. Nach unbestätigten Aussagen von Mitbewohnern soll es sich um einen Libanesen mit Vornamen Zamir handeln. Nach ebenso unbestätigten Informationen aus dem Libanon soll der Mann syrischer Staatsbürger sein.

Im Libanon ist am Freitag im Zug der Ermittlungen ein Angehöriger des Terrorverdächtigen E.H. als Zeuge vernommen worden. Innenminister Ahmed Fatfat dementierte in Beirut aber einen Bericht der Polizei, wonach der 24 Jahre alte Mann ebenfalls unter Terrorverdacht stehen und festgenommen worden sein soll. Meldungen über eine weitere Festnahme im Libanon hatten am Freitag kurzzeitig für Verwirrung gesorgt.

Deutsche Beamte im Libanon

Die in den Libanon entsandten deutschen Beamten von Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt sind anscheinend nicht ganz so erfolgreich wie erhofft: Ihnen wurde die Vernehmung Hamads zunächst verwehrt. Der libanesische Generalstaatsanwalt Said Mirsa begründete das mit libanesischem Recht, nach dem die Vernehmung durch libanesische Behörden abgeschlossen sein muß, bevor ausländische Ermittler ihre Fragen stellen können. Er kündigte an, sich am kommenden Montag nochmals mit den deutschen Beamten treffen zu wollen.

Die Libanesen waren Hamad angeblich auf die Spur gekommen, als er vor zwei Wochen von Deutschland aus seine Familie im Libanon anrief. Hamads Vater, ein ehemaliger Armeesoldat, sei von der Polizei dazu aufgefordert worden, seinen Sohn zur Aufgabe zu überreden. Der Vater sagte, sein Sohn sei kein religiöser Extremist und habe keine radikalen politischen Überzeugungen. Er sei am 3. oder 4. August in den Libanon zurückgekehrt. Als die Familie von dem Terrorverdacht erfuhr, habe sie entschieden, daß sich der junge Mann stellen müsse. Gleichwohl zeigte sie sich von dessen Unschuld überzeugt. (Siehe auch: Familie des mutmaßlichen Bahn-Bombers beteuert dessen Unschuld)

Hamad wird verdächtigt, am 31. Juli zusammen mit E.H. Kofferbomben in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfalen deponiert zu haben. Nur wegen technischen Versagens kam es nicht zur Explosion. Die Bundesanwaltschaft ermittelt unterdessen weiterhin gegen eine terroristische Vereinigung. Bundesanwalt Rainer Griesbaum sagte, man suche nach einer namentlich nicht bekannten Gruppierung. Weitere Personen stünden unter Beobachtung.

Muslim-Verbände: „Entsetzen und Abscheu“

Die Motive der beiden jungen Männer sind nach wie vor unklar. Ebenso unbestätigt sind Kontakte oder gar organisatorische Verbindungen der beiden zu der verbotenen extremistischen Organisation Hizb ut-Tahrir, der vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen dort etwa 70 Personen zugerechnet werden. Die Vereinigung darf sich wegen ihrer aggressiven antisemitischen Hetze und Gewalt propagierenden Aufrufe seit dem 15. Januar 2003 in Deutschland nicht mehr betätigen.

Muslimische Verbände in Deutschland haben die versuchten Bombenanschläge auf zwei Regionalzüge scharf verurteilt. In einer am Freitag in Köln veröffentlichten Erklärung von 16 Verbänden und Migrantenorganisationen heißt es, die Taten hätten bei ihnen „Entsetzen und Abscheu“ ausgelöst. Die Verbände verwahrten sich nachdrücklich dagegen, „daß diese Handlungen mit dem Islam gerechtfertigt werden sollten“. Die deutschen Muslime sähen sich von den Ereignissen doppelt betroffen, heißt es in der Erklärung. Einerseits seien Muslime als Teil der Gesellschaft ebenso potentielles Ziel von Anschlägen wie andere Mitbürger auch, „andererseits müssen wir verstärkt darunter leiden, von vielen als 'Mitschuldige' bezeichnet zu werden“.

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