19.11.2007 · Auslandseinsätze der Bundeswehr gehören seit vielen Jahren zum Alltag deutscher Soldaten - doch die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt eher. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe warnt im F.A.Z.-Gespräch davor, die Leistungsfähigkeit der Armee nicht überzustrapazieren.
Auslandseinsätze der Bundeswehr gehören seit vielen Jahren zum Alltag deutscher Soldaten - doch die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt eher. Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe glaubt, dass die Grenze der Leistungsfähigkeit der Armee bald erreicht ist.
Sowohl der Isaf-Einsatz als auch der Antiterroreinsatz der Bundeswehr in Afghanistan sind gerade wieder verlängert worden. Wann überschreitet die Bundeswehr die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit, Herr Robbe?
Bisher sehe ich das noch nicht. Aber da alle derzeitigen Auslandseinsätze der Bundeswehr fortgesetzt werden, könnte ein weiterer vom Ausmaß des Afghanistan-Einsatzes, so wie ich es beobachte, nicht ohne weiteres verkraftet werden. Dafür stößt die Bundeswehr auf zu vielen Feldern schon jetzt an die Grenze ihrer Kräfte.
Wo denn?
Die Sanitäter, die Pioniere, die Fernmelder und auch das fliegende Personal - um nur einige zu nennen - sind heute schon über die Maßen belastet.
Ist der Auslandseinsatz noch etwas Besonderes im Soldatenleben?
Seit 1995 sind etwa 200.000 Bundeswehrsoldaten in solchen Einsätzen gewesen. Diese bestimmen längst den beruflichen und auch den privaten Alltag der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien.
Tragen die Deutschen diese militärische Komponente der Außenpolitik mit?
In der Bevölkerung nimmt - so zeigen es Umfragen - die Zustimmung zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr wohl eher ab als zu. Die Mehrzahl der Menschen identifiziert sich nicht wirklich mit dem, was unsere Soldaten im Ausland tun.
Ein Problem für die Soldaten?
Natürlich. Die Soldaten nehmen diese Gleichgültigkeit oftmals sehr sensibel wahr. Es macht ihnen schon zu schaffen, dass nicht mehr an spürbarer "moralischer" Unterstützung aus der Heimat kommt.
Eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr kommt zu der Erkenntnis, dass die Zustimmung zu einem aktiven außenpolitischen Engagement Deutschlands in der Bevölkerung leicht angestiegen sei und auch insgesamt eine positive Haltung gegenüber den Auslandseinsätzen bestehe.
Ich habe das mit Interesse gelesen. Man muss aber differenzieren zwischen einem aktiven außenpolitischen Engagement Deutschlands und der Zustimmung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Doch selbst wenn die Hälfte der Bundesbürger Auslandseinsätzen zustimmen würde, wäre das nach meiner Auffassung noch zu wenig. Die politische Notwendigkeit solcher Einsätze muss wesentlich mehr als bisher der Bevölkerung deutlich gemacht werden.
Ist die Truppe ausreichend ausgestattet für ihre oft sehr gefährlichen Einsätze?
Dass die Bundeswehr seit Jahren unterfinanziert ist, ist nicht neu. Das ist gerade für die Auslandseinsätze ein Problem. Fehlendes Geld darf nie der Grund für fehlenden Schutz der Soldaten sein.
Ist das denn so?
Auch das Verteidigungsministerium gibt zu, dass es der Truppe im Einsatz zum Beispiel an gepanzerten Fahrzeugen fehlt. Allerdings soll da jetzt Abhilfe geschaffen werden. Doch ist das erst die halbe Lösung. Denn natürlich werden auch in der Heimat solche Fahrzeuge dringend gebraucht, damit die Soldaten für den Einsatz an ihnen ausgebildet werden können. Ein gepanzertes Fahrzeug zu bewegen, muss man frühzeitig lernen - und möglichst nicht erst in den Bergen Afghanistans.
Wird die Bundeswehr insgesamt in der Bevölkerung akzeptiert?
Ja. Und das ist ein erstaunliches Phänomen. Während in den siebziger und achtziger Jahren, als es noch gar keine Auslandseinsätze gab, die Wahrnehmung der Bundeswehr und oft auch der in der Öffentlichkeit auftretenden Soldaten eher kritisch war, ist sie heute selbstverständlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens geworden. Das bestätigen mir die Soldatinnen und Soldaten immer wieder.