05.05.2010 · Nach dem versuchten Anschlag in New York ist Faisal Shahzad angeklagt worden. Im Verhör gestand er, im Bombenbau ausgebildet worden zu sein. In Pakistan gab es weitere Verhaftungen in dem Fall.
Nach dem Anschlagsversuch am Times Square in New York ist der von den amerikanischen Behörden festgenommene Verdächtige Faisal Shahzad offiziell angeklagt worden. Wie nun bekannt wurde, hatte er durch eine Fahndungspanne und einen Fehler bei der Fluggesellschaft fast entkommen können. Nach Angaben der „New York Times“ vom Dienstagabend (Ortszeit) hatten die Ermittler die Spur des schon identifizierten Mannes für einige Zeit verloren. Unklar war zunächst, für wie lange. Inzwischen wurde Shahzad wegen mehrfacher Verbrechen angeklagt, unter anderem wegen Terrorismus und des versuchten Einsatzes einer Massenvernichtungswaffe.
In Pakistan hat die Polizei unterdessen mindestens drei Menschen festgenommen oder verhört, nachdem sie Telefonate mit Shahzad geführt haben sollen, wie dortige Vertreter der Sicherheitsbehörden mitteilten. Die verdächtigen Telefonate seien mitgeschnitten worden, die Männer seien in der südlichen Hafenstadt Karachi gefasst worden. Das amerikanische Außenministerium teilte mit, die Justiz arbeite „eng“ mit Ermittlern in Pakistan zusammen.
In Karachi leben die Frau und die beiden Kinder Shahzads
Als Hauptverdächtiger gilt der Schwager Shahzads, wie die pakistanischen Behörden mitteilten. Zudem seien seine in Karachi lebende Mutter und der Schwiegervater verhört worden. In Karachi leben nach pakistanischen Angaben auch die Frau und die beiden Kinder Shahzads. Kurz vor ihrer Festnahme hatte die Mutter Shahzads Reportern berichtet, dass ihr Sohn bei einem Besuch im Sommer 2009 zusammen mit einem Freund in den Nordwesten Pakistans gereist sei. Die Region gilt als Hochburg islamischer Rebellen und als Rückzugsgebiet der Taliban aus dem benachbarten Afghanistan.
Nach Angaben der Behörden sagte der 30 Jahre alte Shahzad aus, in Waziristan im Bombenbau ausgebildet worden zu sein. Die Stammesregion, in der sich Taliban-Kämpfer fast ungestört aufhalten können, liegt im Grenzgebiet zu Afghanistan. Den Ermittlungen zufolge kehrte Shahzad im Februar von Pakistan in die Vereinigten Staaten zurück und sagte bei den Einwanderungsbehörden aus, dass er für fünf Monate bei seinen Eltern gewesen sei und seine Frau zurückgelassen habe.
Er stammt aus einer wohlhabenden pakistanischen Familie
Shahzad stammt aus einer wohlhabenden pakistanischen Familie. Sein Vater war früher Pilot der Luftwaffe. Erst im vergangenen Jahr wurde Shahzad amerikanischer Staatsbürger. Der Cousin von Shahzads Vater, Kifyat Ali, sagte in der Stadt Peshawar, dass der Sohn nie in Verbindung mit einer politischen oder religiösen Partei in Pakistan gestanden habe. Ali sprach von einer Verschwörung, damit die Vereinigten Staaten „mehr Paschtunen töten“ könnten und bezog sich damit auf eine Volksgruppe in Pakistan und Afghanistan.
Noch nicht geklärt ist derzeit, wie der 30-Jährige überhaupt an Bord des Flugzeugs kommen konnte, obwohl schon nach ihm gefahndet wurde. Shahzad war von den FBI-Beamten kurz vor Mitternacht in der Nacht zum Dienstag aus dem Flugzeug geholt worden. Die Ermittler selbst sprachen von einem Zugriff in buchstäblich letzter Minute.
„Er wollte Tod und Zerstörung in das Herz Manhattans bringen“
Ein Polizist hatte am Samstagabend (Ortszeit) nach dem Hinweis eines Straßenhändlers mitten auf dem Times Square einen Geländewagen entdeckt, in dem ein Karton qualmte. Die Polizei räumte den Platz, auf dem es stets von Menschen wimmelt, und ließ den Wagen von Bombenexperten untersuchen. Die Spezialisten fanden einen Sprengsatz aus Propangasflaschen und Benzinkanistern, der jedoch nicht explodiert war. Der Platz wurde stundenlang gesperrt, Menschen kamen nicht zu Schaden.
„Wir haben von ihm nützliche Informationen bekommen“, sagte Justizminister Eric Holder am Dienstag. „Es war klar ein Terrorangriff, um Amerikaner zu töten. An einem der belebtesten Plätze sollten so viele unschuldige Touristen und Theaterbesucher wie mögliche ermordet werden“, sagte Holder. „Er wollte Tod und Zerstörung in das Herz Manhattans bringen.“ In dem am Flughafen geparkten Auto des Terrorverdächtigen fand die Polizei eine Pistole und Munition. Der 30-Jährige beteuerte im Verhör, allein gehandelt zu haben. Shahzad war am 3. Juli vergangenen Jahres nach Karachi und am 3. August zurück in die Vereinigten Staaten geflogen.
Shahzad ist einer von einem Dutzend Ausländern mit amerikanischem Pass oder Greencard, die in den vergangenen zwei Jahren wegen Terrorverdachts festgenommen wurden. Unter ihnen ist der Pakistaner Daood Gilani, der in Chicago den Namen David Coleman Headley annahm und mit einem geplanten Anschlag auf eine dänische Zeitung in Verbindung gebracht wird, sowie der Busfahrer Najibullah Zazi aus Denver, der sich im Februar zu einem geplanten Attentat auf die New Yorker U-Bahn bekannte.
Mythen
Wolfgang Hebold (hebold)
- 05.05.2010, 12:37 Uhr
Voreiliges Verharmlosen, solcher Taten, kann zu einer Katatstrophe führen.
Josef Bujtor (Mramorak)
- 05.05.2010, 13:50 Uhr
Die Frage ist, wie man dieser inneren islamistischen Gefahr begegnen kann.
Gerhart Manteuffel (cem_m)
- 05.05.2010, 14:59 Uhr
@Herr Hebvold, der Myhos war ein angenommenes Kind der ARD und DW
Josef Bujtor (Mramorak)
- 05.05.2010, 20:45 Uhr