30.11.2007 · Die Bahn und die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben sich zusammengesetzt und eine neue Lohnstruktur für den Konzern gebastelt. Bis 2010 gibt es 10 Prozent mehr Lohn. Die Lokführer waren nicht dabei. Sie sitzen ab Montag wieder mit der Bahn am Verhandlungstisch.
Von Kerstin SchwennDie Deutsche Bahn AG und die Gewerkschaften Transnet und GDBA haben sich auf Eckpunkte für eine neue Entgeltstruktur geeinigt. Das teilten Bahnchef Hartmut Mehdorn und der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen am Donnerstag in Berlin nach mehrstündigen Verhandlungen mit. Nach Angaben des Unternehmens sollen die rund 134.000 Tarif-Beschäftigten bis zum 31. Dezember 2010 in stufenweisen Anhebungen insgesamt zehn Prozent mehr Lohn bekommen. Darin sei die im Sommer vereinbarte, von Anfang 2008 an geltende Lohnsteigerung um 4,5 Prozent enthalten, betonte die Bahn.
Nach der Grundsatzeinigung soll es neben dem für alle Mitarbeiter gültigen Basistarifvertrag künftig sechs „Funktionstarifverträge“ für die einzelnen Berufsgruppen geben. Eine dieser Berufsgruppen seien die Lokführer, für die in Zukunft die Gewerkschaft GDL Entgelt und Arbeitszeit aushandeln könne, sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Sie hoffe, dass die GDL in den Verhandlungen am kommenden Montag dieses Angebot annehme. Die Lokführergewerkschaft GDL, die seit Monaten für einen eigenständigen Tarifvertrag kämpft, war an den Verhandlungen über die neue Entgeltstruktur nicht beteiligt.
Dreistelligen Millionenbetrag in Aussicht gestellt
Bahn und Transnet/GDBA hatten seit Jahresbeginn über das neue Entgeltsystem verhandelt, das Anfang 2008 in Kraft treten soll. Die Bahn hatte dafür einen dreistelligen Millionenbetrag in Aussicht gestellt. Das heutige Entgeltsystem, das sich auf rund 100 verschiedene Tätigkeitsfelder erstreckt, gilt seit 14 Jahren. Mehdorn hatte wiederholt gesagt, Ziel der Verhandlungen mit den Gewerkschaften sei es, die entstandenen Ungereimtheiten in den Lohnstrukturen wieder in Ordnung zu bringen. Dabei bildeten Leistung, Verantwortung, Qualifikation, Belastung und Erfahrung die wichtigsten Kriterien.
Die Bahn hatte der GDL immer wieder versichert, bei der Einstufung der Lokführer werde deren Belastung berücksichtigt. Dies soll besonders für Lokführer gelten, die im grenzüberschreitenden Verkehr fahren, daher Fremdsprachen beherrschen und sich mit anderen Bahnsystemen auskennen müssen.
GDL besteht auf eigenen Regelungen
Die GDL will am Montag mit dem Bahnvorstand zu Tarifverhandlungen zusammenkommen. Darin soll geklärt werden, ob sich beide Parteien über einen „eigenständigen Tarifvertrag“ einigen können. In einem Papier der GDL heißt es, dieser „eigenständige Tarifvertrag sei der GDL zwar „pro forma“ angeboten worden. Tatsächlich komme es der Bahn aber darauf an, dass sich die beiden Tarifverträge, nämlich der zwischen Bahn und Transnet/GDBA sowie der zwischen Bahn und GDL, wort- und inhaltsgleich in das Tarifgefüge des Konzerns einfügten.
„Damit entfällt für die GDL jeglicher tarifpolitischer Gestaltungsspielraum.“ Die GDL besteht auf eigenständigen Regelungen über Entgelte und Arbeitszeiten, die nicht mit den anderen beiden Gewerkschaften abgestimmt werden sollen.