10.03.2008 · Um Zweifel auszuräumen: Der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn gilt nun als endgültig beigelegt. Das Unternehmen geht von „langfristigem Frieden“ aus. Wie die Kosten der Tarifeinigung vom Januar aufgefangen werden, bleibt offen.
Der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn ist nun endgültig beigelegt. Der Lokführer- und der Grundlagentarifvertrag seien am Sonntagabend nach der Einigung im Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL von allen Parteien unterschrieben worden, erklärte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale am Montag.
Sie gehe von einem „langfristigen Frieden zwischen den Gewerkschaften“ aus, sagte Suckale in Berlin. Die Lokführergewerkschaft GDL habe sich bereit gezeigt, bis 2014 nicht auf andere Berufsgruppen bei der Bahn zuzugehen. Die Kooperationsvereinbarung zwischen GDL und der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA sei von der Bahn nicht mehr zur Bedingung gemacht worden. Allerdings hätten sich die Gewerkschaften schriftlich zur Zusammenarbeit verpflichtet. Sie gehe davon aus, dass keine der Parteien Interesse an einer Wiederholung des Aufschaukelns hat.
Schell: 2009 „eine ganz normale Tarifrunde“
Tatsächlich hat der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, für 2009 eine weniger konfliktreiche Tarifrunde angekündigt. „Eine ganz normale Tarifrunde steht im kommenden Jahr an, und da sehe ich auch nicht, dass da irgendetwas zu befürchten ist“, sagte Schell am Montag im Deutschlandfunk. Dabei werde die wirtschaftliche Situation des Unternehmens und die Preisentwicklung eine Rolle spielen. „Wir haben kein Interesse, mit einem großen Tohuwabohu in die nächste Runde zu gehen“, betonte Schell. Denkbar sei sogar eine gemeinsame Forderung der drei Bahngewerkschaften.
Strittig war lange, ob die GDL neben den Lokführern auch für andere Berufsgruppen zuständig sein soll. Jetzt sei geklärt, dass Transnet und GDBA weiterhin für die Lokrangierführer und Disponenten zuständig ist, sagte Suckale. Damit sei eine Einigung für die Abgrenzung gefunden worden.
Keine Aussagen über Kosten
Keine konkreten Angaben machte Suckale dazu, wie der Konzern die Kosten auffangen will, die der Bahn durch die höher als erwartet ausgefallenen Tarifverträge entstehen. Die Bahn stehe zu der Vereinbarung vom Januar, wonach den Lokführern elf Prozent Lohnerhöhung sowie einmalig 800 Euro gezahlt werden, sagte Suckale. Gleichzeitig betonte sie, dies sei „ein sehr hoher Abschluss, der uns große Sorgen macht“. Sie sagte weiter: „Da muss man gegensteuern.“ Die Bahn müsse sich Gedanken machen, schließlich wolle sie die Arbeitsplätze erhalten. Fahrpreiserhöhungen und einen Stellenabbau schloss Suckale nicht direkt aus.
Suckale beteuerte auch, dass das Unternehmen 1000 Lokführer in Zeitarbeit rekrutieren wolle, damit die Festangestellten nicht immer Mehrarbeit in Spitzenzeiten leisten müssen. Derzeit seien 350 Zeitarbeiter rekrutiert. Die GDL sei „in keiner Form beschränkt“, sich um sie zu kümmern.
Durch die Einigung am Sonntagabend zwischen den Tarifparteien wurde ein bundesweiter unbefristeter Streik im Schienenverkehr verhindert. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) war Suckale zufolge bei den „dreiseitigen“ Gesprächen nicht anwesend. Der Tarifkonflikt dauerte fast ein Jahr an.