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Trennung von Schaeffler Banken betonen Eigenständigkeit von Conti

28.07.2009 ·  Vor der wichtigen Aufsichtsratssitzung von Continental am Donnerstag fordern die Gläubigerbanken eine Kapitalerhöhung - und verlangen, dass der Konzern und Mehrheitsaktionär Schaeffler vorerst getrennte Wege gehen. Sie spielen auf Zeit.

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Der gesellschaftsrechtliche Zusammenschluss der Continental AG und der Schaeffler KG ist vorerst vom Tisch. Offensichtlich spielen nicht nur der Autozulieferer aus Hannover, sondern auch der Wälzlagerhersteller aus Herzogenaurach eine längerfristige Fortführung der Geschäfte auf eigenständiger Basis durch. Auch die kreditgebenden Banken beider Unternehmen verfolgen dieses Szenario. Das Ziel ist es vor allem, Abschreibungen auf die Kredite zu vermeiden: „Uns muss es doch darum gehen, unser Geld zurückzuholen, nicht die Kredite abzuschreiben“, sagte ein beteiligter Banker der F.A.Z.

Die Vorgehensweisen und Strategien sind dabei zwischen den Norddeutschen und den Franken unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen nur, dass die mehr als 50 Gläubigerbanken auf der Seite von Continental wie auch die fünf Kreditfinanzierer von Schaeffler ebenso auf Zeit spielen. In diesem Zusammenhang ist auch ein Brief von vier Gläubigerbanken von Continental zu verstehen, von dem in Bankenkreisen die Rede ist und der wenige Tage vor der Aufsichtsratssitzung von Continental am Donnerstag an den Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann geschickt worden ist. In dem Brief machen sich vier Banken im Namen von 30 Mitgliedern des Conti-Konsortiums für eine schnelle Kapitalerhöhung stark. Sie plädieren zudem dafür, dass Conti weiterhin seine Eigenständigkeit verfolgt.

Die Gläubiger schießen mit scharfer Munition

Diese sogenannte „Stand-alone“-Lösung“ für die Refinanzierung der hochverschuldeten Continental sei ein gangbarer Weg, heißt es. Selbst wenn es verschiedene Optionen für ein Zusammengehen beider Unternehmen gebe, scheint den Wortführern des Bankkonsortiums der Strukturierungs- und Abstimmungsprozess so komplex zu sein, dass es in ihren Augen nur eine langfristig akzeptable Lösung gibt, nämlich getrennte Geschäftspläne für beide Gesellschaften. Damit wären die in den vergangenen Monaten durchgespielten Überlegungen einer gesellschaftsrechtlichen Übernahme des Mehrheitsaktionärs Schaeffler durch Conti erst einmal vom Tisch.

Der Brief der britischen Barclays Capital, der niederländischen ING sowie der französischen BNP Paribas und Calyon (der Investmentbankarm der Crédit Agricole) munitioniert Vorstandschef Neumann darüber hinaus für sein von den Schaefflers mit Missfallen begleitetes Ansinnen, eine Kapitalerhöhung über mindestens 1 Milliarde Euro vorzunehmen. Und die Munition ist scharf: Denn diese Banken sollen dem Vernehmen nach für insgesamt knapp 30 Mitglieder sprechen, die für mehr als die Hälfte eines syndizierten Kredites stehen. Dieser wird in dem Brief noch mit 13,5 Milliarden Euro beziffert, tatsächlich wurde der Betrag inzwischen auf 11,8 Milliarden Euro zurückgeführt.

Herzogenaurach widersetzt sich der Ausgabe neuer Aktien

Die Schaeffler-Gruppe, die mit fünf Mitgliedern im Conti-Aufsichtsrat vertreten ist und mit dem Schaeffler-Berater Rolf Koerfer den Vorsitzenden stellt, widersetzt sich der Ausgabe neuer Aktien, weil ihr Aktienanteil dann von 90 Prozent auf 60 bis 70 Prozent verwässert würde. Das mit 12 Milliarden Euro verschuldete und mit negativem Eigenkapital kämpfende Unternehmen ist finanziell nicht in der Lage, an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Somit droht eine Auseinandersetzung: Rechnerisch könnte die Kapitalerhöhung mit den übrigen Anteilseigner- und Arbeitnehmervertretern durchgeboxt werden.

Bei Conti, so heißt es, schwebe angesichts der prekären finanziellen Situation jeden Tag ein Damoklesschwert über dem wegen der Übernahme des Konkurrenten VDO verschuldeten Konzern. Im August müssen 800 Millionen Euro an Kreditlinien abgelöst werden, die noch aus dem Mittelzufluss (Cash-Flow) finanziert werden können. Doch müssten Kredite in Höhe von 3,5 Milliarden Euro, die im August 2010 fällig werden, refinanziert werden.

Rückendeckung geben die vier wortführenden Banken Neumann auch mit der Forderung, Schaeffler solle nähere Aussagen über die mittelfristigen Absichten machen, die sie mit der Conti-Beteiligung verfolge; auch mit Blick auf die Finanzierungspläne über mögliche Fremdinvestoren. Es müsse zudem auf Basis der Geschäftspläne ein externes Wertgutachten erstellt werden.

Trifft Schaeffler das gleiche Schicksal wie Porsche?

Für große Aufregung bei Conti sorgte in der vergangenen Woche eine lancierte Information, wonach Schaeffler über die Investmentbank J.P. Morgan einen Firmenwert von deutlich mehr als 10 Milliarden Euro habe feststellen lassen. Das ist erheblich über den bis zu 7 Milliarden Euro, die Branchenkreise bisher angenommen haben.

Doch auch aus anderer Richtung geraten die Herzogenauracher unter Druck. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), die Schlüsselfigur im Machtkampf zwischen Porsche und VW, denkt strategisch: Er soll sich hinter den Kulissen für den Fall eines fusionierten Konzerns mit der operativen Führung in Hannover stark machen, zuungunsten des Standortes Herzogenaurach. „Die fürchten das gleiche industriepolitische Schicksal wie Porsche zu erleiden“, heißt es in Konzernkreisen. Wulff soll schon mit Investoren aus Kuweit über eine mögliche Beteiligung an Conti gesprochen haben. Dabei geht es um den Anteil von 40 Prozent am hannoverschen Konzern, den Schaeffler bei den Banken geparkt hat. Zudem soll Wulff angeblich den Plan von Conti-Chef Neumann stützen, im Fall einer Fusion mit Schaeffler den Hannoveranern weitgehende Rechte festschreiben zu lassen, die eine Beherrschung aus Herzogenaurach unmöglich machen würden.

Auch Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger spielt auf Zeit, allerdings in anderer Form. Statt einer Kapitalerhöhung, sagt er sich, soll der hannoversche Konzern seine Gläubiger dazu drängen, die Kredite zu stunden.

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