28.07.2009 · Die Schaeffler-Gruppe wird ihr Sparprogramm über 250 Millionen Euro wie angekündigt umsetzen können. Nach Informationen der F.A.Z. sind die Verhandlungen an den 25 Standorten abgeschlossen worden. Am Standort Schweinfurt sind betriebsbedingte Kündigungen vorerst vom Tisch.
Von Rüdiger KöhnDie Schaeffler-Gruppe wird ihr Sparprogramm über 250 Millionen Euro wie angekündigt umsetzen können. Nach Informationen der F.A.Z. sind die bis Ende Juli anberaumten Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern an den 25 Standorten ohne großen Widerstand abgeschlossen worden. Die Mitarbeiter des fränkischen Wälzlagerherstellers werden von heute an auf Betriebsversammlungen über die Vereinbarungen informiert.
Beim zweitgrößten Standort des angeschlagenen Autozulieferers in Schweinfurt sind betriebsbedingte Kündigungen vorerst vom Tisch. Mit Arbeitszeitverkürzung und anderen Maßnahmen würden 50 Millionen Euro Personalkosten ohne Entlassungen eingespart, teilten das Unternehmen und die IG Metall am Dienstag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. In Schweinfurt standen 1.034 der rund 5.000 Arbeitsplätze auf der Kippe. Die Einsparungen sollen hier über natürliche Fluktuation, freiwillige Aufhebungsverträge, Altersteilzeit, Kurzarbeit und Arbeitszeitverkürzungen erreicht werden. Im Gegenzug will der Autozulieferer bis Ende Juni 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.
Im Mai 2010 sollen die Sparfortschritte überprüft werden
Damit ist - vorerst zumindest - die Gefahr eines Stellenabbaus bei dem Zulieferer gebannt, der wegen der Krise in der Autoindustrie gegen hohe Überkapazitäten kämpfen muss. Schaeffler beschäftigt im Inland 28.000 Mitarbeiter. Von denen befinden sich bereits rund 20 000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Das angekündigten Kostensenkungsprogramm sieht eine Beschäftigungssicherung bis Ende Juni 2010 vor; vorausgesetzt, Unternehmen und Belegschaftsvertreter einigen sich (siehe Schaeffler zwingt Beschäftigte zu Opfern).
Die nun getroffenen Übereinkommen, die die Betriebsräte individuell für jeden einzelnen Standort verhandelt haben, sehen indes eine Überprüfung der Sparfortschritte im Mai nächsten Jahres vor. Es könne zu Nachjustierungen kommen, hieß es im Unternehmensumfeld. Dann seien auch Gründungen von Transfergesellschaften für einige Standorte nicht ausgeschlossen. Das würde bedeuten, dass am Ende doch noch Stellen in Gefahr sind. Mit den Transfergesellschaften werden jedoch betriebsbedingte Kündigungen vermieden.
Kurzarbeit soll weiterhin genutzt werden
Die Transfergesellschaften sind in dem Maßnahmenkatalog von Schaeffler im Mai gewissermaßen als Ultima Ratio aufgeführt worden. Doch versuchte die Geschäftsführung, diese bereits in die jetzt zu unterzeichnenden Verträge automatisch einzubauen. Mitte Mai gab Schaeffler die Kostenpläne bekannt, die schon im Vorfeld für helle Aufregung sorgten. Das vorgegebene Sparvolumen von 250 Millionen Euro sieht verkürzte Arbeitszeiten mit entsprechendem Gehaltsverzicht vor. Die Kurzarbeit soll weiterhin genutzt werden. Neben freiwilligen Aufhebungsverträgen ist auch Altersteilzeit vorgesehen. In einem wichtigen Punkt konnten die Betriebsräte einen Erfolg erzielen: Die geplante Kürzung von Einmalzahlungen ist vorerst kein Thema. Es wird geschätzt, dass die Mitarbeiter im Schnitt auf 17 Prozent ihres Gehaltes verzichten müssen. Das notwendige Sparvolumen würde 4500 Arbeitsplätzen entsprechen, rechnete Schaeffler vor. Mit anderen Worten: Kommt es nicht zu einvernehmlichen Lösungen mit der Belegschaft, müssten Arbeitsplätze in diesem Umfang abgebaut werden - 16 Prozent der Gesamtbelegschaft im Inland. Zunächst sah es nach einer Belastungsprobe zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber aus. Doch sollen die Verhandlungen sehr konstruktiv verlaufen sein.
Damit hat Schaeffler mehr Luft im operativen Geschäft bekommen. Schon seit längerem betont das Unternehmen, dass es operativ mit Gewinnen arbeite. Auch im zweiten Halbjahr, sagte ein Sprecher in der vergangenen Woche, werde es einen Betriebsgewinn geben (F.A.Z. vom 23. Juli). Nach Zinszahlungen jedoch dürfte Schaeffler wohl kaum auf der Gewinnerseite stehen. Allein für die hohen Schulden von mehr als 12 Milliarden Euro zur Finanzierung der Übernahme von Continental fallen monatlich rund 70 Millionen Euro Zinsen an.
Schaeffler verbessert Ausgangslage
Die Vereinbarung ist, zeitlich gesehen, eine Punktlandung. Rechtzeitig zur Aufsichtsratssitzung von Continental am nächsten Donnerstag sieht sich Schaeffler in einer verbesserten, da operativ gestärkten Ausgangslage in der Auseinandersetzung mit dem hannoverschen Autozulieferer. Das könnte auch der Grund sein, warum die Geschäftsführung an einer schnellen, einvernehmlichen Einigung interessiert gewesen ist und Konzessionen gemacht hat. Vor einer Woche meldete Continental eine für das wirtschaftliche Umfeld überraschend positive Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel mit 39 Millionen Euro positiv aus nach einem Verlust von 165 Millionen Euro im Vorjahr.
Es sei erst einmal Zeit gewonnen worden, hieß es im Umfeld des Unternehmens; Zeit auch mit Blick auf eine mögliche Erholung der Autokonjunktur. Die Gewerkschaften werden nun einen weiteren Punkt der umfassenden Vereinbarung mit der IG Metall im Februar einfordern: die Einrichtung eines mitbestimmten Aufsichtsrates.