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Machtkampf Conti und Schaeffler nähern sich an

11.08.2009 ·  Im Kampf um den Reifenhersteller Conti zeichnet sich ein Kompromiss ab: Schaeffler-Manager Elmar Degenhart soll Conti-Vorstandschef Neumann ersetzen. Die Machtfülle der Schaefflers soll aber begrenzt werden.

Von Hendrik Ankenbrand
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Im Machtkampf zwischen dem Autozulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler zeichnet sich vor der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch ein Kompromiss ab. Nach Informationen dieser Zeitung ist demnach geplant, dass der bisherige Vorstandsvorsitzende Karl-Thomas Neumann, den die Schaeffler-Vertreter als nicht mehr tragbar ansehen, durch den Schaeffler-Manager Elmar Degenhart ersetzt wird. Damit die Machtfülle der Schaefflers in Hannover nicht zu groß wird, soll der Conti-Vorstand dem Kompromissvorschlag zufolge wieder von drei auf fünf Mitglieder erweitert werden. Die neuen Vorstände sollen nicht aus der Schaeffler-Ecke stammen und dadurch den Gewerkschaften als „Korrektiv“ für Degenhart dienen, der als Vertrauter des Schaeffler-Geschäftsführers Jürgen Geißinger gilt.

Sowohl bei Conti, den Gewerkschaften wie auch bei Schaeffler wurde am Montag jedoch betont, dass man sich in einer Telefonkonferenz nur auf Eckpunkte verständigt habe und es nicht sicher sei, dass diese in der geplanten Form beschlossen würden. Sehr wahrscheinlich ist, dass der bisherige kommissarische Leiter der PKW-Reifensparte, Nikolai Setzer, den Bereich künftig als neuer Vorstand verantwortet. Der bisherige verantwortliche Vorstand Hans-Joachim Nikolin bliebe dann für die LKW-Reifensparte zuständig. Darüber hinaus soll in den nächsten Wochen ein neuer Finanzvorstand gefunden werden, der nicht aus der Schaeffler-Ecke stammt. Bislang hatte Neumann den Bereich mitverantwortet.

Ein Eklat soll verhindert werden

Am Dienstagabend treffen sich die Vertreter der Anteilseigner und der Arbeitnehmer in getrennten Sitzungen und wollen sich auf eine jeweilige Linie für die Aufsichtsratssitzung einigen. Ein Eklat, etwa in Form einer Kampfabstimmung, soll am Mittwoch aber auf jeden Fall verhindert werden. Als sicher gilt, dass Schaeffler der Forderung der Gewerkschaften nachgibt und der langjährige Schaeffler-Vertraute Rolf Koerfer vom Vorsitz des Aufsichtsrates in den nächsten Monaten zurücktreten wird. Er wird dort aber einfaches Mitglied bleiben. Koerfer war vor allem nach der jüngsten Aufsichtsratssitzung von den Gewerkschaften und Betriebsräten scharf kritisiert worden, in der er im Auftrag des Großaktionärs Schaeffler die Ablösung von Conti-Vorstandschef Neumann betrieben hatte, aber am Widerstand des Arbeitnehmerlagers gescheitert war. Dem Vernehmen nach sollen auch zwei Vertreter der Anteilseignerseite, Nord-LB-Vorstandschef Gunter Dunkel und Tui-Vorstandschef Michael Frenzel, auf die Absetzung Koerfers gedrungen haben.

Dem Kompromissvorschlag zufolge soll Koerfer zwar am Mittwoch zunächst weiter Aufsichtsratchef bleiben, aber bereits im September den Vorsitz abgeben. Als potentielle Nachfolger werden derzeit vor allem zwei Namen ins Spiel gebracht: Der Vorstandsvorsitzende des Technologiekonzerns Linde, Wolfgang Reitzle, sowie der langjährige Conti-Aufsichtsrat Hans-Olaf Henkel. Der ehemalige BDI-Präsident Henkel hatte sich im Gespräch mit der F.A.Z. (siehe dazu auch: Hans-Olaf Henkel: „Die Schaefflers sind keine Masochisten“) klar auf die Seite der Schaefflers gestellt.

Schaeffler ist hochverschuldet

Der fränkische Wälzlagerhersteller Schaeffler ist zwar durch die Übernahme hochverschuldet und weist ein negatives Eigenkapital auf. Trotzdem hält das Unternehmen weiterhin 90 Prozent der Anteile an Continental, wovon 40 Prozent bei Banken geparkt sind. Die Gläubigerbanken von Schaeffler und Conti und insbesondere Commerzbank-Vorstandschef Martin Blessing hatten in den vergangenen Tagen hinter den Kulissen Druck auf Schaeffler gemacht und die Gewerkschaften von einem Kompromiss überzeugt. Zudem hatte der als Garantor agierende Altkanzler Gerhard Schröder in einem Brief an die Aufsichtsratsmitglieder deutlich gemacht, dass das Vorgehen der Schaefflers der Investorenvereinbarung widerspreche, wonach Schaeffler nicht in das operative Geschäft von Conti eingreifen dürfen. Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche, ein wichtiger Kunde, soll gefordert haben, dass sich die Zulieferer ein Jahr nach dem Übernahmevorstoß endlich einigen und in der Autokrise die Handlungsfähigkeit von Conti nicht weiter aufs Spiel setzen.

Wie auch Schaeffler ist Conti hoch verschuldet. Den Konzern drücken Verbindlichkeiten aus dem Kauf des Technikherstellers VDO im vergangenen Jahr, von denen im nächsten Jahr 3,5 Milliarden Euro zurückgezahlt werden müssen. Conti fordert deshalb eine Kapitalerhöhung in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Einem solchen Schritt steht Schaeffler kritisch gegenüber, weil er den eigenen Anteil an Conti auf 60 bis 70 Prozent verwässern würde. Am Montag hieß es jedoch, dass die Schaeffler-Vertreter im Aufsichtsrat ihre Unterstützung für die Kapitalerhöhung signalisieren würden.

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Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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