10.08.2009 · Bald entscheidet der Conti-Aufsichtsrat über die Ablösung von Vorstandschef Neumann. Am Wochenende attackierte der frühere Conti-Chef Wennemer den Großaktionär Schaeffler mit dem indirekten Vorwurf der Machtversessenheit. Hans-Olaf Henkel, Mitglied des Conti-Aufsichtsrats, nimmt Schaeffler nun in Schutz.
Bald entscheidet der Conti-Aufsichtsrat über die Ablösung von Vorstandschef Neumann. Am Wochenende attackierte der frühere Conti-Chef Wennemer den Großaktionär Schaeffler mit dem indirekten Vorwurf der Machtversessenheit (siehe dazu auch: Vorwurf der Machtversessenheit: Wennemer attackiert Schaeffler scharf). Hans-Olaf Henkel, Mitglied des Conti-Aufsichtsrats, nimmt Schaeffler nun in Schutz.
Herr Henkel, wird der Conti-Aufsichtsrat am Mittwoch für eine Ablösung von Vorstandschef Neumann stimmen?
Ich denke, dass die Vernunft obsiegt und man keinen Mann halten will, der sich schon geistig von seinem Posten verabschiedet hat.
Halten Sie es für ausgeschlossen, dass Aufsichtsräte, die Neumann wohlgesinnt sind, nicht doch noch umkippen?
Ich weiß natürlich nicht, wie jeder abstimmen wird. Aber eines ist doch klar: Wir haben uns schon einmal auf der Anteilseignerseite geschlossen für die einvernehmliche Aufhebung des Vertrages mit Herrn Neumann ausgesprochen. Ich weiß von niemandem, der seine Meinung jetzt nicht noch einmal bestätigen will.
Wird der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart Neumanns Nachfolger?
Das hoffe ich sehr. Ich bin ja schon 20 Jahre Aufsichtsratsmitglied und habe die Herren von Grünberg, Wennemer und Neumann mit eingestellt. Herr Degenhart wäre bei Antritt seiner Aufgabe besser vorbereitet als jeder der Genannten es damals war. Herr Degenhart hat umfangreiche Erfahrung in der Zulieferbranche und war neben Bosch auch schon bei Conti selbst. Vor allem war er schon selbst einmal Vorstandsvorsitzender - diese Erfahrung hat er allen seinen Vorgängern voraus.
Eine rechtliche Prüfung vom Garantor Gerhard Schröder, ob die Ablösung Neumanns die Investorenvereinbarung verletzt, soll ergeben haben, dass die erste Abstimmung im Aufsichtsrat so gar nicht hätte stattfinden dürfen. Also sei am Mittwoch wieder eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, die mit den Gewerkschaften nicht zustande kommen wird.
Ich kenne das Gutachten nicht. Aber ich kann für mich sprechen: Ich habe mich im Interesse der Conti dafür ausgesprochen, uns von Neumann zu trennen. Das kann ja schwerlich gegen die Investorenvereinbarung verstoßen.
Der ehemalige Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer hat Ihnen und den anderen Aufsichtsräten am Wochenende vorgeworfen, Sie seien reine Stimmgeber für die Familie Schaeffler.
Das ist eine Frechheit. Ich war anfangs unter den Anteilseignern derjenige, der einer Übernahme durch Schaeffler skeptisch gegenüber stand. Vielleicht vermisst Wennemer die Schlagzeilen oder lässt sich instrumentalisieren. Vielleicht will er auch von den Problemen ablenken, die bei Conti hausgemacht sind und für die auch er die Verantwortung trägt, wie zum Beispiel die viel zu teure Übernahme des Konkurrenten VDO. Jetzt beklagt Wennemer die dadurch entstandene mangelnde Kapitalausstattung und schiebt das Schaeffler in die Schuhe. Zudem leidet Conti unter der Krise wie andere Autozulieferer auch.
Darauf sollte man sich konzentrieren und keine Abwehrhaltung gegen den Großaktionär schüren. Was auch immer der Hintergrund seiner offensichtlich motivierten Einlassung war: Absolut unentschuldbar ist seine nicht nur unsachliche sondern vor allem menschlich verachtenswerte Äußerung über die Familie Schaeffler. Diese Verunglimpfung kann man nur als Ausdruck gekränkter Eitelkeit, als Versuch der Ablenkung von eigenem Unvermögen oder mit einer sexistischen Haltung der Firmenchefin gegenüber erklären.
Conti wirft Schaeffler ja gerade vor, sich nicht auf die Probleme zu konzentrieren, sondern sie aussitzen zu wollen. Eine Kapitalerhöhung soll verhindert werden.
Nur die Fusion, die Schaeffler anstrebt, löst die Probleme. Aber sie ist doch nicht die Ursache für den Kapitalbedarf bei Conti. Conti hat VDO zu einem Preis übernommen, der ähnlich überhöht war, wie der, den Schaeffler für Conti gezahlt hat. Auch Wennemer hat es an der nötigen Sorgfalt bei der Prüfung mangeln lassen. Er und der ehemalige Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg tragen zudem die Verantwortung für die Langzeitschäden, die durch die systematische Verunglimpfung der Schaefflers entstanden sind. Das ist doch absurd: Von Grünberg hat erst selbst hinter dem Rücken von Wennemer und dem Conti-Aufsichtsrat die Übernahme angeregt, und als er gemerkt hat, dass sich in der Autoindustrie der Wind dreht, hat er sich auch gedreht, und beide haben vehement Position gegen die Schaeffler bezogen, selbst als sie schon die Aktienmehrheit hatten. Und jetzt macht man die Schaefflers für alle Probleme bei Conti verantwortlich.
Bei den Kunden und Gläubigerbanken von Continental heißt es, Neumann wäre der richtige Mann für die Krise gewesen.
Neumann war hervorragend. Aber wir brauchen einen Mann an der Spitze, der sowohl bei den Schaefflers sowie bei Conti Vertrauen genießt. Dieses Vertrauen hatte Neumann am Schluss nicht mehr, nicht nur bei den Schaefflers, auch bei der Mehrheit der Vertreter der Anteilseigner. Er hat gute Arbeit gemacht. Aber das reichte in diesem Fall nicht aus. Entscheidend ist, dass die Mitarbeiter und Führungskräfte vom Vorstandsvorsitzenden motiviert werden in eine gemeinsame Richtung zu marschieren.
Neumann wollte die Kapitalerhöhung. Schaeffler will sie nicht.
Das mag am Anfang so gewesen sein, stimmt aber schon lange nicht mehr. Das sind doch keine Masochisten, die ihr größtes Kapital an die Wand fahren lassen. Es ist auch unlogisch, denn es wäre doch verrückt, wenn man lieber 90 Prozent von Nichts besitzen wollte statt 66 Prozent von Mehr. Aber direkt zur Kapitalerhöhung: Die macht doch nur dann Sinn, wenn man einigermaßen sicher ist, dass sie zu einer Werterhöhung des Unternehmens beiträgt und nicht den Aktienkurs abstürzen lässt. Außerdem wäre es gut, vorher einen größeren Investor zu finden. Deswegen ist der getroffene Beschluss einer Vorbereitung eines solchen Schritts genau richtig gewesen. Wir konnten gar keine sofortige Kapitalerhöhung beschließen, weil die Vorarbeit noch gar nicht gemacht war.
Handelt der Aufsichtsratsvorsitzende und langjährige Schaeffler-Vertraute Rolf Koerfer im Interesse der Schaefflers oder in dem von Conti?
Herr Koerfer ist Jurist und weiß sicher selbst am besten, dass er alle Aktionäresinteressen vertreten muss. Außerdem wurde er mit überwältigender Mehrheit der Mitglieder des Aufsichtsrats gewählt. Seine Berufung ist die Aufgabe des Gremiums und sollte es auch bleiben.
Wird Schaeffler Koerfer opfern, um die Lage zu befrieden?
Nein, dazu besteht kein Anlass. Dass Koerfer bereits bei seinem Amtsantritt gesagt hat, dass er diese Aufgabe nicht auf ewig übernimmt, ist außerdem längst bekannt. Auch Mittwoch steht eine Neuwahl nicht auf der Tagesordnung.
Die Schaefflers sind selbst hoch verschuldet. Wann übernehmen die Banken die Regie bei beiden Konzernen?
Die Banken haben hier eine entscheidende Rolle zu spielen. Meine Wahrnehmung ist, dass sie dieser auch gerecht werden, das dies auch bald sichtbar sein wird und zwar im Sinne des Fusionskonzepts.
Wo wird der Sitz der Holding sein, in Hannover oder in Herzogenaurach?
Das wird der Aufsichtsrat entscheiden. Jetzt ist es dafür noch zu früh.
Ist Herr Henkel geeignet ?
lars winkler (lasse04)
- 10.08.2009, 14:17 Uhr
Investorenvereinbarung - Insolvenzvereinbarung was denn nun?
Bernd A. Wohlschlegel (snapconboerse)
- 10.08.2009, 19:36 Uhr
lösungsorientiert
Ludwig Kainz (wildatheart)
- 10.08.2009, 19:43 Uhr
Am Mittwoch findet das leidige Hick-Hack hoffentlich ein Ende
Tobias Stegner (tobias33)
- 10.08.2009, 19:47 Uhr
Qualifiziertes Interview?
Erika Patex (erika.patex)
- 11.08.2009, 00:12 Uhr