12.08.2009 · Mit einem Umbau der Continental-Führungsspitze wollen der Autozulieferer und sein Großaktionär Schaeffler ihren monatelangen Machtkampf beenden. Schaeffler-Manager Elmar Degenhart wird Vorstandschef und löst Karl-Thomas Neumann ab, der nach nicht einmal einem Jahr im Amt abberufen wurde.
Von Hendrik AnkenbrandEin Jahr nachdem der fränkische Mittelständler Schaeffler die Übernahme des börsennotierten Autozuliefererkonzerns Continental angekündigt hat, haben die in den vergangenen Wochen erbittert um die Macht kämpfenden Unternehmen einen Kompromiss gefunden. Auf der Conti-Aufsichtsratssitzung am Mittwoch beschlossen sowohl die Arbeitnehmervertreter als auch die Vertreter der Anteilseigner einstimmig die Absetzung des bisherigen Vorstandsvorsitzenden Karl-Thomas Neumann. Dieser war bei Schaeffler in Ungnade gefallen, die Conti-Beschäftigten hatten jedoch um Neumann gekämpft. Nachfolgen wird ihm der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart, der mit nur einer Gegenstimme gewählt wurde. Degenhart wird auch die hoch defizitäre Motoren-sparte Powertrain leiten, die das Ergebnis von Conti in die Tiefe gezogen hatte.
Neumann erhält keine Abfindung, bekommt aber seinen noch vier Jahre laufenden Vertrag mit einer Gesamtsumme von 7,4 Millionen Euro ausbezahlt. Die Schaeffler KG wird davon einen erheblichen Anteil übernehmen. Die Arbeitnehmervertreter hatten beklagt, dass eine Kündigung Neumanns den Konzern Millionen in einer Zeit koste, in der die Beschäftigten Kurzarbeit leisten müssen und gekündigt werden.
Moderiert von Blessing und Schröder
Mit dem neuen Personaltableau stimmten die Aufsichtsräte einem Einigungsvorschlag zu, der am Wochenende unter der Moderation von Commerzbank-Chef Martin Blessing und dem Garant Gerhard Schröder zwischen Schaeffler und der Gewerkschaft IG BCE und IG Metall ausgearbeitet worden war (lesen Sie dazu Machtkampf: Conti und Schaeffler nähern sich vorsichtig an ). Als Gegenleistung für die Abwahl von Neumann wird der von den Gewerkschaften stark kritisierte Conti-Aufsichtsratschef Rolf Koerfer „so schnell wie möglich“ den Vorsitz des Gremiums abgeben, aber weiterhin dem vierköpfigen Aufsichtsrats-Präsidium angehören. Sein Nachfolger soll von außen kommen und aus der Automobilbranche stammen. Eignerin Maria-Elisabeth Schaeffler führt derzeit mit mehreren Kandidaten Gespräche und hat sich noch nicht festgelegt. Wer für den neuen Vorsitzenden aus dem Aufsichtsrat ausscheidet, ist noch nicht bekannt.
Der bisherige Vorsitzende Koerfer soll erst zurücktreten, wenn ein neuer Finanzvorstand für Conti gefunden ist. Mit der Suche ist eine Personalberatung beauftragt. Bisher hatte Neumann diesen für den verschuldeten Konzern entscheidenden Posten in Personalunion bekleidet. Nun soll der Vorstand wieder von drei auf fünf Posten erweitert werden. Neben dem Finanzvorstand, der von außen und nicht aus der Schaeffler-Ecke kommen soll, wird auch der Conti-Manager Nikolai Setzer die Autoreifensparte künftig als Vorstand führen. Die beiden restlichen bestehenden Posten werden mit den Conti-Managern Ralf Cramer und Helmut Matschi ebenfalls neu besetzt.
Aufsichtsrat Hartmut Meine von der IG Metall bezeichnete den Kompromiss als „tragfähig“ und mahnte nun den schnellen Vollzug Kapitalerhöhung an. Diese hat der Aufsichtsrat am Mittwoch zwar nicht endgültig beschlossen, aber ihre Vorbereitung noch einmal „bestätigt“. Schaeffler hatte einen solchen Schritt, der die eigenen Anteile von 90 auf 60 bis 70 Prozent verwässern würde, in der Vergangenheit abgelehnt.
intellingenz...
Ludwig Kainz (wildatheart)
- 12.08.2009, 18:24 Uhr
Von Frieden und Konsens keine Spur
Monika Bruss (Linlith)
- 13.08.2009, 02:54 Uhr
Hendrik Ankenbrand Jahrgang 1978, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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