28.03.2011 · Der fränkische Wälzlagerkonzern Schaeffler trennt sich von einem Teil seiner Beteiligung an dem Automobilzulieferer Continental und drückt dadurch die Schuldenlast. Conti wiederum wird so zum aussichtsreichen Kandidaten für die Wiederaufnahme in den Dax.
Der fränkische Automobilzulieferer Schaeffler baut seine indirekte Beteiligung an Continental in Hannover ab - und reduziert mit dem Erlös einen Teil seines Schuldenbergs. Mit dem Verkauf von Conti-Aktien, die bei zwei Banken geparkt waren, setzte der Konzern am Montag die am Wochenende angekündigte Trennung von einem Teil seiner Anteile um. Die Kreditinstitute M. M. Warburg und Metzler platzierten rund 29,7 Millionen Aktien zu je 60 Euro bei Anlegern in Europa und den Vereinigten Staaten, wie Schaeffler in Herzogenaurach mitteilte. So wurden knapp 1,8 Milliarden Euro erlöst.
Bis zu 30 Millionen Conti-Aktien, die bisher bei den Privatbanken M. M. Warburg und Metzler geparkt waren, sollten in einem beschleunigten Verfahren (Accelerated Bookbuilt Offering) an eine breite Investorenbasis verkauft werden, hatte Schaeffler am Sonntagnachmittag angekündigt.
Continental wird wieder Kandidat für den Dax
Schaeffler wiederum übernimmt ein anderes Aktienpaket aus dem Fundus von M.M.Warburg und dem Bankhaus Metzler. Dadurch klettert die direkte Beteiligung an dem MDAX-Konzern auf 49,9 prozent von zuvor 42,2 Prozent.
Unterm Strich hält Schaeffler direkt und indirekt damit künftig 60 Prozent an Continental. Bisher waren es durchgerechnet 75 Prozent. In den kommenden zwölf Monaten soll sich an den neuen Beteiligungsverhältnissen auch nichts ändern. Durch den steigenden Streubesitz und die voraussichtlich höhere Liquidität in der Aktie wird die Continental AG nach der Plazierung vermutlich ein aussichtsreicher Kandidat für die Wiederaufnahme in den Deutschen Aktienindex Dax.
Mit dem Erlös soll ein Teil der Holding-Schulden zurückgezahlt werden, die auf dieser Ebene inzwischen wieder einen Betrag von rund 7 Milliarden Euro erreicht haben dürften. Im Gegenzug bekommt das fränkische Familienunternehmen dem Vernehmen nach deutlich bessere Konditionen und längere Laufzeiten für seine verbleibenden Kredite.
An der Übernahme fast verhoben
Schaeffler hatte sich kurz vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise den dreimal so großen Autozulieferer Conti einverleibt - und sich daran, nach Ausbruch der Krise, fast verhoben. In der Folge musste Schaeffler für einige Fremdfinanzierungen Zinsen von bis zu 17 Prozent bezahlen. Diese Belastungen werden durch das Geschäft wieder auf unter 10 Prozent reduziert, wie aus unternehmensnahen Kreisen zu hören ist. Schaeffler soll noch 2011 in eine AG umgewandelt werden.
Zuletzt hatte Schaeffler mit Blick auf die anvisierte Verflechtung mit Conti auf die Bremse getreten. Vorstandschef Jürgen Geißinger hatte mehrfach betont, der Fokus liege auf der operativen Entwicklung. Um die Jahreswende gab es sogar Spekulationen, der Zusammenschluss könnte ganz abgeblasen werden. Dies wurde aus Hannover dann aber umgehend dementiert.
Das Geschäft von Schaeffler erholte sich im vergangenen Jahr dank des Booms in der Autoindustrie deutlich. Geißinger erklärte auf der Automesse in Detroit im Januar, die anvisierten Jahresziele seien 2010 erfüllt worden. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Jahr laut dem Manager deutlich über die angepeilte Marke von 9 Milliarden Euro und die anvisierte Rendite vor Zinsen und Steuern von etwa 15 Prozent wurde erreicht. Das endgültige Jahresergebnis wird Schaeffler am Dienstag bekannt geben. Im Jahr 2009 hatte dem Hersteller von Motor-, Getriebe-, Fahrwerksystemen sowie Lagern für die Automobilbranche und andere Industrien die Wirtschaftsflaute noch schwer zu schaffen gemacht.