28.06.2007 · „Team Germany“ steuert mit Karol Jablonski in die America's-Cup-Zukunft. Der 44 Jahre alte Pole mit deutschem Pass hat einen Vertrag als Skipper unterschrieben und soll das deutsche Segel-Syndikat in eine erfolgreiche Folgekampagne führen.
Von Michael Ashelm, ValenciaIn der Vorrunde waren sie von den anderen Segelcrews gnadenlos abgehängt worden – doch jetzt lassen die Deutschen beim America's Cup in Valencia noch einmal aufhorchen. Zwar ist das „United Internet Team Germany“ längst raus aus dem Wettbewerb und schaut wie neun andere gescheiterte Mannschaften zu, wie die Entscheidung um die Silbertrophäe zwischen dem Titelträger „Alinghi“ aus der Schweiz und dem „Team New Zealand“ fällt – es steht 2:2. Die Mitteilung, dass der Deutsch-Pole Karol Jablonski dem glücklosen Steuermann und Skipper Jesper Bank folgen wird, sorgt in der Branche jedoch für einiges Aufsehen.
Einerseits haben die Verantwortlichen des deutschen Syndikats mit Jablonski einen der Aufsteiger der Branche angeheuert, andererseits bekräftigen sie hiermit ihren Willen, auch bei der 33. Ausgabe des America‘s Cup eine Crew unter deutscher Flagge in die Herausfordererserie zu schicken. „Das ist ein wichtiger Baustein für unsere Zukunft“, sagte Syndikatsleiter Michael Scheeren.
Entdeckung des America‘s Cup
Der 44 Jahre alte Jablonski gilt als Entdeckung dieses America‘s Cup, nachdem er als Steuermann die spanische Crew bis ins Halbfinale gebracht hatte. Dort überraschte der gebürtige Masure mit zwei Siegen über das „Team New Zealand“. Er gilt als nervenstarker Kämpfer mit reichhaltigem Erfahrungsschatz, woher sein Szenename „Weißer Hai“ rührt, und schaffte in zwei Jahren die Wende bei „Desafio Espagnol“, deren Teilnahme durch interne Querelen erst unter keinem guten Stern stand.
Er selbst weilt derzeit im Urlaub in seiner polnischen Heimat und sagte gegenüber der F.A.Z.: „Ich glaube, der deutsche Segelsport hat Riesenpotential, ein besseres Ergebnis beim America‘s Cup zu erreichen.“ Er persönlich wolle nicht schlechter abschneiden, als zuletzt mit den Spaniern. „Aber wir müssen viel aufholen.“
„Wäre optimal, wenn Jochen zu uns käme“
Mit Anfang zwanzig war Jablonski nach Deutschland gekommen, weil ihn die polnischen Segelfunktionäre für nicht mehr entwicklungsfähig hielten. Mit Gelegenheitsjobs auch als Bauarbeiter hielt sich das Segeltalent über Wasser, bis er den Einstieg in den professionellen Sport fand. 1993 gewann er für Deutschland den Admiral‘s Cup, neun Jahre später wurde er Matchrace-Weltmeister. Jablonski betont, gerne auch mit dem derzeit an „Alinghi“ gebundenen deutschen Olympiasieger Jochen Schümann zusammenarbeiten zu wollen, der womöglich die Position des mitsegelnden Sportdirektors bekleiden könnte. „Es wäre optimal, wenn Jochen zu uns käme. Wir liegen auf der gleichen Welle“, sagt er.
Bei der Zusammenstellung der Crew will Jablonski vorerst das Augenmerk auf erfolgreiche deutsche Segler legen, ergänzt durch „internationale Erfahrung“. Teamchef Scheeren bestätigte gestern, dass derzeit auch mit dem Taktiker und deutschen Matchrace-Meister Markus Wieser verhandelt werde, der einst in der Vorbereitung auf diesen Cup vom geschassten Skipper Jesper Bank von Bord genommen wurde. Und auch Tim Kröger, zuletzt für Südafrika tätig, wäre sicher eine kluge Option. Der sagt über Jablonski: „Ein super Mann.“