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Spannendes Finale Die Kiwis schlagen zurück

24.06.2007 ·  „Team New Zealand“ ist der erste Sieg gegen America's-Cup-Titelverteidiger „Alinghi“ gelungen. Im spannenden Duell zwischen den Schweizern und den Neuseeländern vor dem spanischen Valencia steht es nun 1:1.

Von Michael Ashelm, Valencia
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Ist das die Hoffnung? Eine brodelnde Menschenmasse versammelte sich am Samstag abend am längsten Strand der Stadt, um traditionell „San Juan“ zu feiern. Bald 400.000 sollen dagewesen sein auf Valencias größter Party. Und das Schönste: Wer zu Mitternacht über sieben Wellen sprang, kann nun hoffen, dass sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung geht, so die Erzählung.

Ob im chaotischen Getümmel zu dieser späten Stunde Sportler in neuseeländischen Segelleibchen auffielen, ist nicht überliefert. Fast ist es anzunehmen - tags darauf, am Sonntag, schlugen die „Kiwis“ beim America's Cup jedenfalls imposant zurück und glichen zum 1:1 aus. Denn dürfte auch dieser Sieg nichts daran ändern, dass ihre Revanche gegen den Schweizer Opponenten eine Herkulesaufgabe ist und bleibt.

Barker mit Fehlern im ersten Duell

Kopf an Kopf lagen die Rivalen im zweiten Rennen am Sonntag, bis die Neuseeländer auf der letzten Bahn endgültig davonzogen und mit 28 Sekunden Vorsprung ins Ziel kamen. Und zwar unter Spinnaker auf dem Vorwindkurs, bei dem eigentlich „Alinghi“ mehr zugetraut wurde. Nach dem Auftakt am Samstag zur Finalserie, in der fünf Siege für den Gesamterfolg nötig sind, hatte der neuseeländische Steuermann Dean Barker noch anerkennend gesagt: „Es ist keine Überraschung, was wir hier sehen. Sie sind schnell und segeln gut.“ Barker schaute nicht besonders glücklich aus, abgekämpft, auch deswegen, weil nicht nur die erwartete Stärke des Gegners, sondern auch die eigene Schwäche den Ausschlag gab für das erste Zwischenergebnis. 35 Sekunden lagen die „Kiwis“ da noch hintendran.

America's Cup: Neuseeland gleicht aus

„Ich denke, wir waren nicht perfekt“, sagte trotz des Sieges Jochen Schümann, der Sportdirektor der Schweizer, der diesmal nicht mitsegelt auf der „Alinghi“. Zudem plagt den Deutschen ein eingeklemmter Nerv am Rücken, weshalb er die Rennen derzeit von Land aus verfolgen muss. „Nicht wir haben es besser gemacht, die Probleme lagen eher auf der anderen Seite“, so war Schümanns Analyse nach dem ersten Rennen. Gestern ist sie andersherum ausgefallen.

Besseres Boot gegen besseres Team?

Wieviel Zurückhaltung bei den Einschätzungen mitschwingt, ist nicht klar, vermeiden es die Schweizer doch derzeit, zu sehr die nicht zu verleugnenden Designstärken ihres neuen Bootes „SUI 100“ bei stärkeren Winden herauszustellen. Am Sonntag wehte die Brise zum Vorteil des Gegners aber wieder schwächer. Das Technikpaket scheint zu stimmen, von den Segeln über den Rumpf bis herunter zur Kielbombe, gut abgestimmt auf die aktuellen Bedingungen im Golf von Valencia. „Wir haben das bekommen, was wir wollten“, sagte der neuseeländische Skipper der „Alinghi“, Brad Butterworth, über die Schweizer Rennyacht und die Arbeit der Techniker.

Hohe Bootsgeschwindigkeit beim Titelverteidiger gegen starken Teamgeist auf Seiten des Herausforderers? Keinesfalls lässt sich das Duell in den nächsten Tagen auf diese einfache Formel bringen. Denn weit entfernt scheinen beide Teams nicht zu liegen, was ihre Yachten und die Manpower angeht an Bord. Dies bewies das hart umkämpfte Rennen am Sonntag mit dem Überraschungssieg für den Herausforderer.

Geschliffene Manöver und gute Taktik

Die mit großer patriotischer Attitüde segelnden Neuseeländer hatten nochmals kleine technische Veränderungen vorgenommen und ihre bleierne Kielbombe, die das Boot unter dem Winddruck aufrecht hält, ein Stück verlängert, um sich den etwas stärkeren Winden zu dieser Jahreszeit vor Valencia anzupassen. Auch ihre Technik scheint zu funktionieren. Auf der anderen Seite überzeugte die Crew der „Alinghi“ nicht nur durch ihren ausgereiften Untersatz, sondern auch durch geschliffene Manöver und eine gute Taktik. Frühzeitig erkannten die Männer unter Schweizer Flagge beim Auftakt am Samstag die vielen Winddreher auf dem Kurs, noch im Gegensatz zu ihren Rivalen, die hier und da den falschen Weg einschlugen. „Alinghis“ Konzept, mit dem Amerikaner Ed Baird ihren Steuermann und auch einige andere Positionen an Bord erst nach einem langen internen Auswahlprozess kürzlich besetzt zu haben, scheint aufzugehen und doch nicht für eine allgemeine Verunsicherung in der Mannschaft zu sorgen, wie beim einen oder anderen auch intern befürchtet wurde.

Zuletzt vor einem Jahr segelte das Schweizer Team - anders als die Neuseeländer mit ihren mehr als 30 Rennen in der Herausfordererserie - einen offiziellen Wettkampf im Matchrace, gar vier Jahre liegt die letzte Wettfahrt im America's Cup zurück. Wie es aussieht, muss der Titelverteidiger diesmal mehr Kraft aufwenden gegen die leidenschaftlichen „Kiwis“. Ein glattes 5:0 wie beim neuseeländischen Desaster 2003 ist nicht mehr hinzubekommen von der Crew. Der Cup könnte sich gar zu einem hart umkämpften Duell entwickeln und noch einige Überraschungen parat halten. Wie sagte doch Jochen Schümann nach dem ersten Sieg der Schweizer am Samstag: „Das kann hier schnell woanders hingehen.“

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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