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America's Cup Schümann hört nur "hohles Gequatsche"

11.06.2007 ·  Je näher die Entscheidung im großen Finale rückt, desto häufiger muss sich der dreimalige Olympiasieger und America's-Cup-Sieger von 2003, Jochen Schümann, mit Gerüchten über seine Zukunft beschäftigen.

Von Michael Ashelm, Valencia
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Die schwarz rot goldene Flagge oben auf dem Dach flattert stramm im Wind. Und auch im Fanshop ist noch ein wenig Bewegung. Doch schon ein kurzer Blick hinter die Kulissen reicht, um zu erkennen, dass beim deutschen Segelteam die Arbeit eigentlich ruht.

"Wir schlagen die Zeit tot, machen noch ein bisschen Fitness", sagt der Kugelstoßer Oliver-Sven Buder, vor einigen Wochen noch als Grinder an Bord. Die "Germany I", zweitschlechteste Yacht im Wettbewerb, steht aufgebockt in der Halle. Draußen am Quai herrscht Ruhe, eine einsame Sicherheitskraft hat sich in den Schatten verkrochen und löst gelangweilt Kreuzworträtsel. Die deutschen Interessengebiete beim America's Cup haben sich verschoben, weg vom Serienverlierer der Vorrunde und jetzt hin zu den wirklich großen Spielern der Branche.

„Will meinen Job perfekt zu Ende bringen“

Weniger als zwei Wochen bleiben dem Berliner Jochen Schümann noch, um sich als Sportdirektor des Schweizer Syndikats "Alinghi" mit seinem Team auf die Titelverteidigung gegen den Herausforderer aus Neuseeland vorzubereiten. Doch je näher die Entscheidung rückt im großen Finale, desto häufiger muss sich der dreimalige Olympiasieger mit Gerüchten über seine Zukunft beschäftigen. Valencia ist derzeit nicht nur sportlicher Fixpunkt der professionellen Segelwelt, sondern vor allem eine große Spekulationsbörse.

"Für mich ist das im Moment nur hohles Gequatsche", sagt Schümann. Er meint dies in Anspielung auf die allzu öffentliche Job-Offensive des deutschen Teams, ihn für den nächsten Cup unbedingt als Galionsfigur zu verpflichten. Aber niemand weiß derzeit, ob der Cup wirklich in Europa bleibt oder am Ende doch wieder ins ferne Ozeanien abwandert - was die Geschäftsbedingungen für alle Beteiligten schlagartig verändern würde. "Ich spekuliere nicht mit", sagt Schümann. "Bevor ich über neue Herausforderungen nachdenke, will ich meinen Job perfekt zu Ende bringen."

Gerüchte über neue deutsche America's-Cup-Projekte

Heiße Gerüchte entspringen derzeit mehr dem Partypalaver in Valencia als seriösen Einsatzplänen. Eigentlich weiß niemand, wohin die persönliche Reise nach dem Finale zwischen "Alinghi" und dem "Team New Zealand" geht. "Keine Ahnung", sagt der Deutsch-Pole Karol Jablonski, der als Steuermann der Spanier bis ins Halbfinale vorstieß. Und auch ein anderer erfahrener wie begehrter deutscher Segler, Tim Kröger, dürfte kaum einen Euro darauf wetten wollen, ob die deutsche Telekom-Tochter T-Systems als Sponsor beim America's Cup dabeibleibt und ihn an Bord eines Teams behält. Absichtserklärungen sind nicht viel wert und dienen derzeit vor allem PR-Zwecken.

Dass der Internet-Milliardär Ralph Dommermuth kürzlich BMW als guten Sponsorpartner für die Segelzukunft des deutschen Teams nannte, lässt Marketingexperten jedenfalls kalt. Der Automobilbauer aus München zielt wohl weiterhin lieber auf das globale Premiumsegment ab, als eine Liaison mit dem König des deutschen Billiginternets anzustreben. Warum derzeit vom noch existierenden deutschen Segelsyndikat regelmäßig Lebenszeichen kommen, das mag wohl auch damit zusammenhängen, dass Gerüchte über neue America's-Cup-Projekte in der Heimat den deutschen Platzhirsch verunsichern. Es geht um die üblichen Verdächtigen: reiche Privatiers, Reeder oder Unternehmer. Doch echte Bekenntnisse bleiben bislang aus.

„Sehe niemanden, der schneller fährt“

Nicht zum ersten Mal wollte vergangene Woche Michael Illbruck nach Valencia anreisen, der Eigner des einst so erfolgreichen Weltumseglerteams. Angeblich als Freund der Neuseeländer, an die er eine seiner Rennyachten zu Trainingszwecken abgegeben hatte. Doch vielleicht steckt mehr dahinter? Als herauskam, dass der beim "United Internet Team Germany" entmachtete Technikvorstand Eberhard Magg im Stillen eigene Möglichkeiten für den nächsten Cup eruiert und angeblich Kontakte zu Porsche geknüpft hat, bemühte sich der Teamchef der Deutschen, Michael Scheeren, eiligst, den Schwaben vom Bodensee wieder einzufangen. "Er wird wieder Verantwortung bei uns übernehmen." Nur ein geschickter Schachzug? Scheeren betont sonst gerne, den "großen personellen Umbruch" vollziehen zu wollen, wenn weitergesegelt wird unter Flagge von United Internet.

Für Jochen Schümann sind dies alles Nebenschauplätze. Als einer der international anerkannten Fachkräfte im America's Cup befindet er sich in einer höchst komfortablen Situation. Und das große Selbstbewusstsein ist dem gebürtigen Berliner derzeit anzumerken, der vor ein paar Tagen 53 Jahre alt geworden ist. Obwohl dem Titelverteidiger "Alinghi" die Praxis der Herausforderer-Regatten fehlt, durch die sich die Neuseeländer gekämpft hatten, sagt er: "Ich sehe niemanden, der schneller fährt als wir." Wie viel Wahrheitsgehalt in dieser Spekulation steckt, wird sich schneller erweisen als bei den vielen anderen Gerüchten beim langsam zu Ende gehenden 32. America's Cup.

Quelle: F.A.Z., 11.06.2007, Nr. 132 / Seite 31
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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