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America's Cup „Germany I“ droht Schiffbruch

13.04.2007 ·  Das deutsche Segel-Team steuert von einem Unglück ins nächste. Vom Halbfinale beim America's Cup spricht längst niemand mehr. Eigentlich bleibt nur die Hoffnung auf eine nächste Kampagne. Von Michael Ashelm.

Von Michael Ashelm
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Man muss keinen Feinsinn entwickeln, um den Seelenzustand von Jesper Bank zu deuten. Gereizt zeigte sich der starke Mann am Steuer der deutschen Yacht, als in der vergangenen Woche die letzten Testregatten in der Bucht vor Valencia ausgesegelt wurden. Der dänische Olympiasieger machte sich rar, blieb in seinem kleinen Kreis und ließ ausrichten, er wolle jetzt den Druck der Öffentlichkeit nicht spüren.

Schlimmer hätte die Generalprobe für seine Mannschaft auch nicht sein können: Ein vorvorletzter Platz im Klassement, dann war das „United Internet Team Germany“ noch für eine Kollision mit der Crew von „+ 39“ bestraft worden, bei welcher der Mast der Italiener zu Bruch gegangen war. Das bringt wenig Mut für die kommenden Aufgaben. Je näher der Beginn des America's Cup rückt, desto problematischer zeigt sich die Verfassung der Unternehmung. Eigentlich sollte anders Stimmung gemacht werden für die deutsche Segel-Premiere beim Cup.

„Wir müssen weiter hart an uns arbeiten“

Als die Meldung für den Start in Valencia Ende April 2005 in letzter Minute erfolgte, waren sich die Beteiligten einig, die Teilnahme als einmalige Chance nutzen zu wollen. Und mehr noch: „Wir können schon jetzt gewinnen. Wir sind professionell besetzt, wir haben die Mittel - hey, warum nicht?“ Willy Kuhweide, erster deutscher Segel-Olympiasieger und als Kommodore der ehrenamtliche Repräsentant der Cup-Kampagne, will lieber nicht mehr an seine Worte von damals erinnert werden. Denn weiter kann die Crew der „Germany I“ heute kaum weg sein von einem Triumph. Jochen Schümann, Sportdirektor beim Titelverteidiger „Alinghi“, hatte immer vor den Unwägbarkeiten einer Premiere gewarnt, erlitt er doch selbst bei seinem ersten Cup vor acht Jahren mit der „Fast 2000“ Schiffbruch. Jesper Bank, der ursprünglich das Halbfinale der besten vier Herausfordererboote angepeilt hatte, bleibt derzeit nichts anderes übrig, als zu wiederholen, was er sowieso ständig betont: „Wir müssen weiter hart an uns arbeiten.“

Während Klinsmann mit der Zielsetzung des WM-Titels bei der Fußball-Weltmeisterschaft einen gewaltigen Leistungsschub auslöste bei den Spielern, bewirkten die hohen Erwartungen an die Besatzung der „Germany I“ genau das Gegenteil. Verunsicherung. „Keine Ahnung“, erwiderte ein genervter deutschen Segler dieser Tage auf die Frage, was denn in den nächsten Wochen erreicht werden sollte.

Sprachbarrieren: „Das geht natürlich nicht“

Der America's Cup ist ein hochkomplexes, schwer beherrschbares System, welches ein geschmeidiges Zusammenspiel von Einzelkönnen, Teamgeist, Technik und Management erfordert. Anderswo, zum Beispiel bei „BMW Oracle Racing“, steht ein Großkonzern mit Ingenieurwissen parat. Das deutsche Syndikat steuerte unter dem Zeitdruck der späten Meldung von einem Unglück ins nächste. Erst der eskalierte Eignerstreit zwischen dem Gründer Uwe Sasse und Hauptfinanzier Ralph Dommermuth, aus dem der Westerwälder Internetmilliardär als Sieger hervorging. Sasse stieg nach wochenlangem juristischen Geplänkel Ende 2005 aus. Auch sportlich blieb die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Gestartet als Ausbildungsprojekt für junge deutsche Segler, schwenkte Bank nach den ersten Enttäuschungen in den Vorregatten um und setzte auf mehr erfahrene Kräfte aus anderen Segelnationen.

Hartnäckig hält sich noch immer das Gerücht, die Stimmung in der Mannschaft sei nicht zum Besten bestellt. Es gab Momente, in denen der dänische Steuermann an Bord nur noch mit seinen Landsleuten in der Heimatsprache kommunizierte. „Das geht natürlich nicht. Das haben wir geändert“, sagt Teamchef Michael Scheeren, ein enger Vertrauter von Dommermuth, der in den schweren Wochen Ende 2005 als eine Art Krisenmanager eingesetzt worden war. Als sich nach der verzögerten Auslieferung der neuen Rennyacht im vergangenen Jahr auch noch schwere technische Mängel am Kiel einstellten, die ein Wettkampftraining erst Ende 2006 ermöglichten, waren so viele Probleme aufgelaufen, dass sich der letzte Optimist endgültig von der ursprünglichen Zielsetzung verabschiedete. Statt Halbfinale nimmt Bank immer öfter Platz neun oder zehn in den Mund.

Reichlich deutsche Fehlversuche

So bleibt dem Team diesmal nichts anderes übrig, als die Leinen zu lösen zum großen Selbsterfahrung-Trip, schmerzvolle Erfahrungen zu sammeln für eine mögliche nächste Kampagne. Um die kümmert sich angeblich jetzt schon der ehemalige Technikchef Eberhard Magg, der vor einigen Monaten Banks internen Machtspielen zum Opfer gefallen war und die Position wechseln musste. Doch eines ist allen Beteiligten nicht mehr zu nehmen - ob sie Dommermuth, Sasse, Bank, Magg oder Kuhweide heißen: Das Projekt steht für den Mut, eine solch schwierige und teure Mission überhaupt begonnen und an die Startlinie gebracht zu haben.

Schließlich gab es in den Jahren 1982, 1988, 1995 und 2002 schon reichlich deutsche Fehlversuche. Nie schaffte es ein Boot zum Cup, selbst nicht mit Unterstützung eines Konzerns wie Mercedes-Benz. Und gänzlich verloren hat Skipper Bank seinen Optimismus noch nicht: „Wenn wir genial segeln, können wir ins Mittelfeld vorrücken.“ Dann bestünde sogar die Chance, Segel-Deutschland ein wenig mit dem Cup-Fieber von Valencia anzustecken.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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