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America's Cup Das Alpenwunder und die schwierige Steuer-Frage

21.06.2007 ·  Titelverteidiger Alinghi startet ohne Olympiasieger Jochen Schümann in das Match um den America's Cup gegen Team New Zealand. Damit bereitete der deutsche Sportdirektor den seit Monaten schwelenden Gerüchten um seine Person ein Ende.

Von Michael Ashelm, Valencia
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Wenn Otmar Keller, der Fitnesstrainer des Schweizer Segelteams "Alinghi", über Jochen Schümann spricht, dann gerät er ins Schwärmen. "Der Jochen gehört hier bei uns zu den Durchtrainiertesten - mit 53 Jahren. Er ist ein echtes Vorbild." Es ist kein Geheimnis, dass Deutschlands erfolgreichster Segler seine Ziele mit preußischer Disziplin verfolgt und wenn es um die Instandhaltung des eigenen Körpers geht.

Als die Neuseeländer beim vergangenen America's Cup vor vier Jahren ihre bitterste Niederlage ausgerechnet gegen die Schweizer Alpennation eingestehen mussten, da zeigten sie bei allem Groll auch Respekt - gerade vor "Schuminator", wie sie den Sportdirektor mit der glorreichen olympischen Karriere nennen.

Segelnder Ersatzmann

Dass Schümann bei der großen Final-Revanche an Bord der Schweizer Rennyacht diesmal fehlen wird, dürfte den einen oder anderen Rivalen vom "Team New Zealand" deshalb verwundern, obwohl sich sein Status als segelnder Ersatzmann schon über Monate angedeutet hatte. Am Samstag startet vor Valencia die Rennserie zwischen Titelverteidiger und Herausforderer, ein bekanntes Duell, jedoch ohne den gebürtigen Berliner auf der "Alinghi". "Jedem Sportler tut das natürlich weh, nicht in der ersten Reihe zu stehen", sagt Schümann, "aber das kann ich gut wegstecken."

Wer bei den vielen Trainingsfahrten der Schweizer Crew genau hingeschaut hatte in den vergangenen Monaten, dem war längst aufgefallen, dass der dreimalige Olympiasieger kaum zu den ersten 17 Seglern gehören konnte, wenn es sich nicht um ein Täuschungsmanöver handelte. Schümann verfolgte vor allem an Land seine Aufgabe als Sportdirektor der Segel-Unternehmung, die immerhin 130 Spezialisten beschäftigt.

Einsatzzeiten in der kleinen Kommandozentrale des Bootes, wo er 2003 noch als Stratege erfolgreiche Dienste neben dem alles überstrahlenden Steuermann Russell Coutts geleistet hatte, fielen immer spärlicher aus. Das Augenmerk an Bord richtete sich auf den gewollten Ausscheidungskampf der potentiellen Bootslenker Ed Baird und Peter Holmberg, die für diese Kampagne angeheuert worden waren. Wer die "Alinghi" nun steuern wird im Finale, soll am Freitag bekanntgegeben werden, doch alles spricht für den Amerikaner Baird.

Nicht stänkern, Zähne zusammenbeißen

Feste Größen im Cockpit sind zudem Skipper Brad Butterworth als Taktiker und der spanische Navigator Juan Vila. Dass Teameigner Ernesto Bertarelli ebenfalls einen Platz im Heck seiner Yacht beansprucht, wie es sich für einen wahren Patron mit Milliardenvermögen beim schillerndsten Segelwettbewerb der Welt schon traditionell gehört, hat Schümann den Rest gegeben. "Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass ich als Präsident an Bord bin", findet der ambitionierte Freizeitsegler Bertarelli.

Zwar stellt sich hier die Frage nach dem Hochleistungsbetrieb America's Cup und dem wahren Wert der Ansage von "Alinghi", sein Stammpersonal nach harten sportlichen Kriterien auszuwählen, doch was hilft es. Wer wie Schümann als Vorbild gilt, stänkert nicht und beißt seine Zähne zusammen. "Ich ordne mich unter wie alle anderen auch. Als Sportdirektor muss ich der Erste sein, der diese Teamprinzipien lebt", sagte der Deutsche. Denken mag er anders.

Es rumpelt intern gewaltig

Spannender als diese absehbare Personalentscheidung dürfte die Frage sein, ob sich die "Alinghi" des Sommers 2007 wieder als starke, unverwundbare, unschlagbare Einheit zeigen wird wie vor vier Jahren vor Auckland. Hier könnte Schümanns persönliches Schicksal eine größere Tragweite bekommen. Wem beim America's Cup klare Hierarchien fehlen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unter den Entscheidungsträgern abgeht, der säuft auf dem Wasser ab. Da kann das Boot von der Designabteilung noch so schnell und schnittig geformt sein.

Das Schweizer Umfeld geht zwar schon huldigungsvoll von einem triumphalen 5:0-Sieg der Yacht aus und lobt die "besondere Teamkultur", doch das schöne Bild des Alpenwunders der Meere trügt womöglich. Auch beim Titelverteidiger rumpelte es intern gewaltig. Zur spektakulären Entlassung des Star-Skippers Coutts durch Bertarelli kamen weitere Verwerfungen - wie die plötzliche Trennung vom Generaldirektor Patrick Magyar oder eine amouröse Affäre im Topmanagement mit ähnlichen Konsequenzen.

Zugegeben, die Segelcrew hält Ruhe, doch Insider bemängeln nach Coutts' Abgang das Fehlen der unumstrittenen Führungskraft an Bord, was in schwierigen Situationen zu einer Orientierungslosigkeit führen könnte. Der erfahrene Sportdirektor fehlt an Deck, der nominelle Chef, Skipper Brad Butterworth, steht nicht am Steuerrad, und dem neuen Steuermann fehlt durch den langen Auswahlprozess vielleicht die gewachsene Akzeptanz in der Crew. Den America's Cup können Feinheiten entscheiden. "Wir sind auf alles gut vorbereitet", sagt Schümann. Aber womöglich kommt der Ersatzmann doch noch zum Einsatz. "Ich hoffe nicht, dann würde nämlich etwas Unvorhersehbares passieren."

Quelle: F.A.Z., 21.06.2007, Nr. 141 / Seite 33
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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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