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Interview „Die Skifahrerei ist nicht mehr so wichtig“

25.02.2006 ·  Der deutsche Skifahrer Alois Vogl spricht im Interview über das Risiko des Slalomfahrers und die Gründe für seinen Aufstieg zum Medaillenkandidaten. An diesem Samstag schied er gleich im ersten Lauf aus.

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Der deutsche Skifahrer Alois Vogl spricht im Interview über das Risiko des Slalomfahrers, die Warterei auf den großen Moment und die Gründe für seinen Aufstieg zum Medaillenkandidaten. An diesem Samstag schied er gleich im ersten Lauf aus.

Wie haben Sie über zehn Jahre die Motivation behalten, als Sie von denen da oben ein gutes Stück entfernt waren?
Es hat natürlich Momente gegeben, in denen ich gedacht habe, es geht nicht weiter, ich laufe gegen eine Wand. Aber dann habe ich auch immer ziemlich schnell gemerkt, daß ich unheimlich gerne Ski fahre. Das war der Schlüssel, warum ich dabeigeblieben bin. Und mein Gefühl hat mir immer gesagt, daß ich noch nicht das ausgeschöpft habe, was an Potential vorhanden ist.

Woran lag es denn, daß es nicht früher geklappt hat?

Schwer zu sagen. Ich habe natürlich viel aus den Jahren gelernt, in denen es nicht so gelaufen ist, und ich habe mich weiterentwickelt. Für mich war nach dem Trainerwechsel zu Werner Margreiter und Sepp Hanser spürbar, daß sich meine Situation geändert hatte. Sie standen hinter mir, egal was war, und das hat aus meiner Sicht schon den entscheidenden Ausschlag gegeben.

Cheftrainer Werner Margreiter sagt häufig, den Vogl hätte er gerne früher gehabt. Aber als er kam, mußte jeder Fahrer 10.000 Euro Kaution hinterlegen, die er nur bei entsprechenden Weltcup-Ergebnissen zurückbekam. Klingt nicht direkt nach grenzenlosem Vertrauen. Was haben Sie denn gedacht, als es gleich so losging?

Ich habe bezahlt, aber dann bin ich gleich zweimal Sechster geworden, da war das Thema sowieso erledigt. Aber ich war der Meinung, um motiviert zu sein, muß ich keine 10.000 Euro bezahlen. Ich habe das Ganze nicht so toll gefunden.

Haben die Trainer methodisch etwas anders gemacht?

Überhaupt nicht, ich fahre nicht anders Ski, ich trainiere nicht mehr, sondern wie immer. Manchmal vielleicht nicht so verbissen wie früher. Ich gehe lockerer damit um, die Skifahrerei ist nicht mehr so wichtig.

Muß denn der Sport nicht das Wichtigste sein, wenn man Erfolg haben will?

Meine Familie ist ganz sicher mit Abstand das Wichtigste. Durch die Geburt meiner Tochter hat sich natürlich viel verändert, man bekommt eine andere Verantwortung. Früher bin ich vielleicht dem Erfolg zu verkrampft hinterhergefahren.

Locker sein und trotzdem hochkonzentriert - schließt sich das nicht aus?

Nein, absolut nicht, locker heißt ja nicht ohne Körperspannung zu sein. Locker bedeutet, eher entspannt und frei im Kopf zu sein, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Man darf sich nicht von äußeren Dingen beeinflussen lassen.

Muß man das lernen, diese Balance zu finden, oder ist das Grundvoraussetzung?

Mit Sicherheit muß man das lernen. Früher war ich manchmal auch schnell unterwegs, habe es aber nicht geschafft, ins Ziel zu kommen. Ich bin ja früher auch nicht schlechter Ski gefahren, jetzt bin ich aber einfach stabiler.

Wann beginnt die Konzentrationsphase auf ein Rennen?

Man muß es schaffen, zwischendurch mal abzuschalten, man kann ja nicht zwei Tage lang nur an das Rennen denken. Wichtig ist, daß man gut besichtigt, am Start voll da ist, und daß man sich sicher fühlt. Selbstvertrauen ist eines der wichtigsten Dinge, die du brauchst. Da oben hilft dir kein anderer mehr, da bist du alleine und mußt zurechtkommen.

Der Slalom der Herren wird am Ende dieser Olympischen Winterspiele ausgetragen. Wie belastend ist die Warterei auf den großen Moment?

Für mich ist das optimal, dadurch konnte ich konditionell noch etwas machen. Ich konnte am Saisonbeginn nicht so trainieren, wie ich wollte, bis der Grund für meine Müdigkeit durch Zufall herausgefunden wurde. Das war ein Tip meiner Verwandten, die ähnliche Probleme hatten und nun glutenfrei essen. Seitdem ich das auch mache, fühle ich mich wieder besser.

Sind die leichteren Slalomhänge für Sie die schwereren? Da, wo die Herausforderungen am größten sind, fahren Sie stets am besten.

Es war schon immer so, daß ich auf schwierigeren Hänge besser zurechtkomme. Ich habe selber keine Ahnung, warum das so ist. Aber jeder Hang hat seine schweren Stellen, auch der in Sestriere. Da ist es erfahrungsgemäß immer glatt, das ist schon mal gut für mich. Das ist definitiv ein Hang, den ich schnell herunterfahren kann.

Konnten Sie sich einen Slalomkurs schon immer so gut einprägen, oder ist das Erfahrungssache?

Jeder muß für sich selber herausfinden, welche Technik oder Taktik er sich da zurechtlegt. Ich kenne halt jedes Tor danach, das gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich fahre so eine Strecke im Geist dreißig- bis fünfzigmal durch, bevor das Rennen losgeht. Ich glaube, ich kann dann gut einschätzen, wo man was riskieren kann.

Macht es Ihnen mit den Carvingski heute eigentlich mehr Spaß als früher mit den langen Ski?

Spaß hat es mir immer gemacht, ob mit den langen Ski oder mit den kurzen. Wenn man aber alte Videos sieht, erkennt man, daß dies mit dem heutigen Slalom nichts mehr zu tun hat. Ich finde, das sieht heute schon viel besser aus. Es ist von Jahr zu Jahr schneller und attraktiver geworden. Die Dichte an guten Slalomfahrern hat durch die kurzen Ski erheblich zugenommen.

Sie sind ja plötzlich zur deutschen Medaillenhoffnung geworden. Wie nervös macht der Gedanke?

Ich will das Rennen bei Olympia so angehen wie jedes andere auch. Man muß halt versuchen, die optimale Leistung zu bringen. Das würde sicher nicht gehen, wenn ich zwei Wochen vorher im gleichen Hotel am gleichen Platz rumhänge und auf den Lagerkoller warte. Deshalb reisen wir erst ein paar Tage vorher an.

Haben Ihnen eigentlich Ihre ehemaligen Trainer schon gratuliert, daß Sie es doch noch in die Weltspitze geschafft haben?

Ja, aber das ist keine große Sache mehr für mich. Ich will da auch gar nicht mehr in der Vergangenheit herumwühlen. Es war halt so, es war nicht schön, aber ich habe viel gelernt. Jetzt interessiert mich nur noch, was da noch kommt, speziell was in Sestriere passiert.

Das Gespräch führte Peter Penders.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.02.2006, Nr. 7 / Seite 17
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