25.02.2006 · Michael Greis hat seine dritte Goldmedaille bei den olympischen Biathlon-Wettbewerben gewonnen. Der 29jährige setzte sich bei der Premiere im 15 Kilometer Massenstart durch. Bei den Frauen gab es Silber und Bronze für Kati Wilhelm und Uschi Disl. FAZ.NET-Bildergalerie.
Erst schrieb Michael Greis mit seinem Triumph bei der olympischen Massenstart-Premiere Sport-Geschichte, dann machten Kati Wilhelm mit Silber und Uschi Disl mit Bronze die Rekord-Ausbeute für die deutschen Biathleten perfekt. Nach seinem Sieg über 15 Kilometer kehrt Greis als erster Deutscher mit drei Goldmedaillen von Olympischen Winterspielen heim und krönte sich zugleich zum Biathlon-König von Turin. Insgesamt erbeuteten die DSV-Skijäger in zehn Wettbewerben elf Mal Edelmetall (5 Gold, 4 Bronze, 2 Silber).
„Sportlich ist das sicher der schönste Tag in meinem Leben. Früher habe ich immer im Fernsehen verfolgt, wer die Erfolgreichsten waren. Es war für mich Utopie, daran zu denken, daß ich es einmal sein könnte. König von Turin zu werden, davon haben viele geträumt. Ich bin fassungslos, aber es ist schön“, sagte Greis nach seinem historischen Coup im Biathlon-Stadion von San Sicario vor dem Polen Tomasz Sikora (+ 6,3 Sekunden zurück) und Ole Einar Björndalen (+ 12,3) aus Norwegen.
„Bronze ist für mich wie Gold“
Im Damen-Rennen über 12,5 Kilometer mußte sich Wilhelm nur der vom Ruhpoldinger Wolfgang Pichler trainierten Schwedin Anna Carin Olofsson geschlagen geben. „Ich bin total glücklich, denn ich habe mehr erreicht, als ich je erträumt hatte. Das ist einfach nur fantastisch“, sagte die Olympiasiegerin in der Verfolgung. Hinter der Oberhoferin holte sich die 35 Jahre alte Disl in ihrem letzten Rennen bei Winterspielen ihr neuntes Edelmetall und ist damit die fleißigste Medaillen-Sammlerin aller deutschen Winter-Olympioniken.
„Bronze ist für mich wie Gold. Bei mir ist hier viel daneben gegangen. Ich wollte eine Medaille gewinnen. Die Farbe ist mir schnurzpiepegal“, bekannte die in der Staffel zur Zuschauerin degradierte Bayerin.
Im Team sorgte der Erfolg von Disl für großen Jubel. Selbst die viertplazierte Martina Glagow (Mittenwald), die nach dem letzten Schießen als Dritte auf die Schlußrunde gegangen war, freute sich mit. „Als Uschi an mir vorbei gelaufen ist, habe ich gerufen: Hol' dir die Medaille“, berichtete die mit drei Mal Silber dekorierte Glagow. Andrea Henkel (Großbreitenbach) wurde 13.
„Die Medaille widme ich meiner Freundin Katja“
Mit einem energischen Antritt am letzten Anstieg vor dem Skistadion in San Sicario hatte Greis sich von seinem Begleiter Sikora gelöst und durfte bereits 50 Meter vor dem Ziel seinen dritten Triumph bejubeln. Zunächst ging der Sportsoldat in die Knie, dann verneigte er sich vor dem Publikum. „Ich danke allen, die mitgeholfen haben. Die Bedingungen waren nicht einfach, aber gut, um Gold zu gewinnen. Die Medaille widme ich meiner Freundin Katja. Ab Montag wird zu Hause gefeiert“, sagte er.
Für Greis schloß sich der Kreis, nachdem der Allgäuer bereits den Auftakt-Wettbewerb über 20 Kilometer gewonnen hatte. Mit der Nummer 1 ins Rennen gegangen, zeigte sich der 29jährige von Beginn an auf der Höhe des Geschehens. Selbst als Björndalen bei Halbzeit mit einer halben Minute Vorsprung auf Siegkurs zu steuern schien, behielt der Schlußläufer der deutschen Gold-Staffel die Ruhe.
Schatten abgeschüttelt
Die Entscheidung fiel beim letzten Schießen, als Björndalen zwei Strafrunden laufen mußte, dessen „Schatten“ Sikora eine Extrarunde absolvierte. „Ich war nur auf mich konzentriert und habe gar nicht mitbekommen, wie die anderen geschossen haben. Ich war total bei mir, denn beim dritten Schießen war ich beim letzten Schuß mit dem Kopf schon auf der Strecke und das ging daneben“, sagte Greis.
Die anderen DSV-Starter konnten in den Medaillenkampf nicht eingreifen. Sven Fischer mußte sich in seinem letzten olympischen Rennen nach zwei Schießfehlern mit Rang 17 zufrieden geben. „Ich war heute total kaputt, einfach müde. Jetzt will ich schnell nach Hause“, sagte der Oberhofer. Sein Vereinskollege Alexander Wolf verfehlte ebenfalls zwei Scheiben und kam auf Platz acht. Nicht unzufrieden war Youngster Michael Rösch mit Rang zehn. „Ich wollte unter die Top Ten, das habe ich geschafft. Insgesamt bin ich zufrieden, denn ich habe eine Goldmedaille. Herz, was willst du mehr.“