25.02.2006 · Der Sport schreibt viele Geschichten. Die schönsten und verrücktesten aus Turin haben oft keinen Platz gefunden. Deshalb haben wir die kuriosesten Agenturmeldungen gesammelt - und die Auswahl fiel nicht leicht. Ein etwas anderer Olympiarückblick von FAZ.NET.
Von Marc HeinrichDer Sport schreibt viele Geschichten. Die schönsten und verrücktesten von den Olympischen Winterspielen haben in der Ergebnisberichterstattung oft keinen Platz gefunden. Die vergangenen Tage haben wir deshalb die kuriosesten Agenturmeldungen aus Turin gesammelt - und die Auswahl fiel nicht leicht. Ein etwas anderer Olympiarückblick von FAZ.NET.
Flitzer
Ein britischer Fan ist nackt in der Halle von Pinerolo eingedrungen, wo das kleine Finale im Curling zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien ausgetragen wurde. Der 42jährige trug lediglich ein Tuch auf dem Kopf, Wäscheklammern an den Ohren und ein gelbes Gummihuhn, das seine intimste Stelle bedeckte. Er wurde von den Sicherheitskräften festgenommen und aus der Halle entfernt.
Anni allein in Turin
Eisschnellauf-Olympiasiegerin Anni Friesinger aus Inzell muß bei den Olympischen Spielen von Turin in der zweiten Woche auf ihren Freund Ids Postma verzichten. Der Niederländer reiste aus Turin ab, da er sich in seiner friesischen Heimat um seinen Bauernhof kümmern mußte. Friesingers Freund hat in den Niederlanden einen Hof mit 300 Kühen. Extra für Olympia hatte Friesinger unweit des Oval Lingotto ein Apartment angemietet, in dem Postma, Friesingers Mutter Janina und bei Bedarf auch sie selbst übernachten können.
Nicht jeder ist Feuer und Flamme
Das Olympische Feuer wird nicht auf Sparflamme brennen. Die Organisatoren der Winterspiele lehnten eine entsprechende Forderung italienischer Umweltaktivisten ab, die eine Löschung des Olympischen Feuers gefordert hatten. Die Umweltschützer hatten verlangt, aus Anlaß des ersten Jahrestages seit Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz, die Flamme für einen Tag zu löschen oder zumindest herunterzufahren. Sie verbraucht rund 1500 Kubikmeter Gas pro Stunde und damit während der Winterspiele insgesamt rund 576.000 Kubikmeter, was nach Einschätzung der Aktivisten dem Jahresverbrauch eines Dorfes mit 750 Einwohnern entspricht.
Tierisch (I)
Zur großen Olympischen Familie gehört auch ein Hund. Der amerikanische Skistar Daron Rahlves hat seinen ständigen Wegbegleiter bei den Winterspielen in Turin akkreditiert. Der Vierbeiner trägt einen Ausweis mit Foto auf den Namen Chevvy Rahlves am Halsband. Dank der Akkreditierung kann Chevvy sein Herrchen problemlos in Sestriere durch alle Sicherheitskontrollen begleiten, erklärte der amerikanische Teamsprecher Mark Habermann.
Tierisch (II)
Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm hat Probleme mit einem arabischen Vollblüter. Der Hengst war Wilhelm vom Pferdezüchter Thomas Mayer als Belohnung für den Olympiasieg im 10-Kilometer-Jagdrennen geschenkt worden. „Ich habe keine Ahnung, was ich mit dem Pferd machen soll“, sagte Wilhelm: „Aber immerhin bin ich schon mal geritten.“
Ausgebremst
Der italienische Radio-Reporter Emmanuelle Dotto war der Verzweiflung nahe. Als die italienische 4 x 10-Kilometer-Staffel mit Cristian Zorzi als Schlußmann zum Olympiasieg lief, mußte Dotto schweigen. Erst nach dem Zieleinlauf durfte er den Triumph schildern. Grund: RAI-Radio übertrug zur selben Zeit, in der das Staffelrennen entscheiden wurde, einen Gottesdienst mit Papst Benedict XVI.
Schmäh des Tages
Im sogenannten Österreich-Haus der rot-weiß-roten Olympia-Mannschaft in Sestriere wird den Gästen „Blutorangensaft“ kredenzt und als „Gespritzter“ angeboten.
Aberglaube
Die österreichischen Skispringer verdanken ihre Goldmedaille von der Großschanze durch Thomas Morgenstern und das Team einer Kartoffel. Cheftrainer Alexander Pointner lüftete das Geheimnis: „Es ist ja während der Vierschanzentournee nicht so gelaufen, danach haben wir extra Glückskartoffeln einfliegen lassen.“ Pointner trägt eines der Prachtexemplare - inzwischen schon recht faltig - seitdem in seiner Jackentasche: „Die Saison dauert ja nur noch einen Monat, dann hat sie ausgedient.“
Belohnung
Auf ein besonderes Dankeschön darf sich der Cheftrainer der norwegischen Langläufer Björnar Haakensmoen freuen. Weil er Sara Renner beim Teamsprint einen gebrochenen Skistock ersetzte und der Kanadierin sowie deren Partnerin Beckie Scott somit zur Silbermedaille verhalf, will sich Kanada mit 8.000 Gläsern Ahornsirup erkenntlich zeigen. „Das war eine fantastische Geste, einfach unglaublich nett. Er hätte das nicht tun müssen“, lobte ein kanadischer Offizieller das Verhalten des Konkurrenten. Das norwegische Duo Marit Björgen/Ella Gjömle kam auf Rang vier.
Verprügelt
Mit einer Gehirnerschütterung, einem losen Backenzahn und Schnittwunden an der linken Hand bezahlte Stein Gundersen seine Kritik an den Wachsmännern der norwegischen Skilangläufer. Der Trainer der norwegischen Triathlon-Juniorennationalmannschaft hatte die bei den Olympischen Spielen glücklosen Serviceleute verspottet und wurde kurze Zeit später von eben jenen überfallen. „Er war betrunken und hat uns provoziert“, sagt Chefwachser Terje Langli. Deshalb sei es zu einem Handgemenge gekommen. „Ich bedauere zutiefst, daß sich einer unserer Wachser hat provozieren lassen“, meinte Langli.
Anrüchig
Hermann Weinbuch, der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer, hat sein früheres Erfolgsrezept verraten. „Immer wenn ich gut gesprungen bin, habe ich die gleichen Socken und Unterhosen wieder angezogen“, sagte der 45jährige, der 1985 Doppel-Weltmeister war.
Guten Appetit
Die australische Eiskunstläuferin Joanne Carter hat für die Zeit nach ihrem Wettkampf in Turin konkrete Pläne. „Ich werde so viel Eiscreme essen, wie ich nur kann“, verkündete die 25jährige. Derzeit hält sie Diät: Zum Frühstück gibt es Kaffee, zum Mittag ein bißchen Obst und zum Abendessen Hühnchen und Salat.
Tanten-Doppel
Claudia Künzel und Doppel-Olympiasiegerin Kristina Smigun aus Estland lagen sich im Ziel des 30-Kilometer-Laufs in den Armen, nachdem sie Tags zuvor gemeinsam Tante geworden waren. Smiguns jüngere Schwester Katrin brachte Tochter Kristin Helena zur Welt - und das am 29. Geburtstag der Olympiasiegerin in der Doppelverfolgung und über 10 Kilometer. Claudia Künzel klärte über die Familienverhältnisse auf: „Der Zwillingsbruder meines norwegischen Mannes Trond ist der Mann der inzwischen nicht mehr aktiven Katrin, die ich schon aus gemeinsamen Junioren-Wettkämpfen kenne.“ Um den Doppel-Geburtstag feiern zu können, haben die Ärzte extra Kristin Helena vorzeitig zur Welt gebracht.