13.02.2006 · Sie wollen sein wie „Dick und Doof“. Waldemar Hartmann und Harald Schmidt machen zusammen Olympia-Fernsehen. Bei der Premiere ließ erst Katarina Witt das Eis schmelzen, Teil zwei ist heute abend zu sehen. Schneetreiben - die FAZ.NET-Olympia-Kolumne.
Von Cai Tore PhilippsenEr ist wirklich ein Mann des Volkes, der Bundespräsident. Er stellte die Frage, die wohl auch die meisten Olympia-Zuschauer daheim am Bildschirm grübeln ließ. „Jetzt machen Sie etwas zusammen, wie ist das denn möglich“, wollte Horst Köhler von Fernseh-Entertainer Harald Schmidt und Sportmoderator Waldemar Hartmann wissen. Hartmanns Antwort kam prompt und treffend: „Wir passen zusammen wie Dick und Doof.“
Wie die beiden Stummfilmkomiker, so scheinen auch „Waldi und Harry“ - so der Titel der einstündigen ARD-Olympia-Abendsendung (heute um 23.15 Uhr) - nicht zusammenzugehören. Hier der eher derbe Bayer, der mit jedem gleich auf Du sein will, dem die Nähe zu den Sportstars nicht fremd ist. Dort der feinsinnige Schwabe, dessen bissiger Humor die Fans begeistert, die breite Masse aber verschreckt. Der aus der Distanz seine Wortgefechte bestreitet, nie einen Gast an sich herankommen läßt.
„Waldi, jetzt sülz' doch bitte nicht so“
Daß sie nicht so recht zusammengehören, macht den Reiz dieses Paares aus, sie sollen sich gegenseitig auf die Schippe nehmen. Und sie tun es auch. „Dein Anteil ist bisher ein bißchen wenig, steckst die Kohle ein und sagst nichts“, frotzelt Hartmann. Die Schmidt-Retour läßt nicht lange auf sich warten: „Waldi, jetzt sülz' doch bitte nicht so. Sag' doch, daß jetzt die Scheißnummer kommt, die dieser Sponsor uns reingedrückt hat.“ Es folgt „Schneeballbiathlon“ für einen guten Zweck.
Was bei Gerd Delling und Günter Netzer richtig war, und immerhin einen Grimme-Preis einbrachte, kann bei „Waldi und Harry“ nicht falsch sein, müssen sich die Programmplaner gedacht haben. Anders als bei den Fußball-Analysten geht es beim neuen öffentlich-rechtlichen Sportgespann aber nicht um Kritik, es geht allein um Unterhaltung. „Wir haben uns die olympische Laune nicht verderben lassen“, begrüßt Hartmann die Gäste, nachdem alle Medaillenhoffnungen des Sonntags unerfüllt blieben. Schon vor der ersten Sendung wollte er den Sportlern die Angst vor Schmidt nehmen: „Es wird keiner an die Wand genagelt. Es wird keiner mit beißendem Humor fertig gemacht. Es ist eine Sportsendung.“
„Du bist immer noch ein Vollblut“
Der Sportmoderator ist der Chef der Sendung, er interviewt die Athleten, er lenkt den medialen Zweierbob. Schmidt sitzt in Anzug, Schlips, Kragen und Winterstiefeln hinter seinem aus dem Kölner Studio in das Deutsche Haus in Sestriere verpflanzten Schreibtisch weitab, lange scheint es, als sei er der Manuel Andrack von Waldemar Hartmann.
Erst als es nicht mehr um die Sportler geht, taut Schmidt auf. Daß selbst dem Hacklschorsch nach der letzten Schlittenfahrt seiner Karriere nicht zum Scherzen zumute ist, und daß bei Michael Uhrmann die Trauer über die vergebene Chance auf eine olympische Einzelmedaille tief sitzt, ist zu offensichtlich. Mit den Studiogästen Katarina Witt (Hartmann: „Du bist immer noch ein Vollblut“) und Markus Wasmeier kommt Schwung in die „Mischung aus Container und Alpenstüberl“ - Schmidts Beschreibung des Deutsche Hauses.
„Es soll doch eine lustige Sendung sein“, wehrt die Olympiasiegerin Hartmanns Frage nach dem Zustand des deutschen Eiskunstlaufs ab. Ihr Auftritt läßt das Eis schmelzen. So bemüht und verkrampft „Waldi und Harry“ sind, so unbekümmert rauscht Kati durch das Studio. Alles was sie tut, sieht leicht aus. Das war früher auf dem Eis so und ist heute vor der Kamera nicht anders. Unvermeintlich und natürlich vollkommen spontan proben Katarina Witt und Georg Hackl den Rodel-Doppelsitzer. Soviel Klamauk darf sein. Und wenn „Dirty Harry“ in den kommenden Olympianächten mehr zu bieten hat, als einen freien Oberkörper und eine Flasche Bier in der Hand, dann kommen auch die Schmidt-Fans auf ihre Gebührenkosten.