08.03.2006 · 535 Sportler aus 39 Ländern kämpfen ab Freitag bei den 9. Winterparalympics in Turin um 58 Gold-Medaillen. Das Motto der Spiele „Spirit in Motion“ symbolisiert nach Ansicht der Organisatoren die gestiegene Wertigkeit des Behindertensports.
Zwölf Tage nach dem rauschenden Ende der Olympischen Winterspiele wartet Turin auf das nächste Sportfest der Superlative. Am Freitagabend werden im Stadio Olimpico die Winterparalympics feierlich eröffnet.
Nach 17 Gold-, einer Silber- und 15 Bronzemedaille sowie Platz eins im Medaillenspiegel 2002 in Salt Lake City will der Deutsche Behinderten-Sportverband (DBS) auch in Italien den Ton angeben. „Ich glaube, wir sind gut aufgestellt“, sagte DBS-Präsident Karl Hermann Haack, der für die Sportarten Ski alpin (Sestriere), Ski nordisch (Pragelato) und Sledge-Eishockey (Turin) 35 Sportler nominiert hat. „Jede einzelne Starterin und jeder einzelne Starter hat sich bestmöglich vorbereitet. Die langjährige harte Trainingsarbeit soll sich nun in sportlichen Erfolgen auszahlen“, ergänzte der Chef de Mission, Karl Quade.
Thomas Oelsner will sich rehabilitieren
Auch die deutschen Stars des Behindertensports sind wieder dabei. Der armamputierte 35- jährige Gerd Schönfelder erkämpfte seit 1992 insgesamt zehn Paralympics- Siege in den alpinen Disziplinen. Der 38 Jahre alte sehbehinderte Frank Höfle aus Isny schaffte von 1998 bis 2002 im Skilanglauf sogar 12 Goldmedaillen. Auch der querschnittsgelähmte Martin Braxenthaler aus Traunstein im Mono-Schlitten mit vier Mal Gold im Ski alpin sowie die blinde Verena Bentele aus Tettnang mit fünf Mal Gold im Biathlon und Skilanglauf rechnen sich abermals Siegchancen aus.
Eine traurige Premiere bei Winterparalympics gab es in Salt Lake City, als der Oberhofer Goldgewinner Thomas Oelsner positiv getestet wurde und seine Medaille zurückgeben mußte. Oelsner, der wissentliches Doping abstreitet, geht nach einer Zweijahressperre in Turin erneut an den Start und will sich mit Topleistungen rehabilitieren.
535 Sportler aus 39 Nationen
Die Konkurrenz ist diesmal allerdings so groß wie nie zuvor: Insgesamt 39 paralympische Komitees schicken 535 Sportler zu den 9. Winterparalympics. Erstmals werden Medaillen in fünf Sportarten vergeben. Rollstuhl-Curling ist nach Ski alpin, Skilanglauf, Biathlon und Sledge-Eishockey der Neuling im Programm.
Während es aber bei den Paralympics 2002 noch 92 Entscheidungen gab, werden es in Italien nur noch 58 sein. Grund für die drastische Reduzierung ist die Einführung des neuen Drei-Klassen-Systems. Dabei gibt es die Kategorien stehend, sitzend und blind/sehbehindert. Die Wertung erfolgt nach einem Prozentsystem, durch das Leistungen vergleichbar gemacht werden sollen. „Dieses Prozentsystem ist langjährig entwickelt und im Weltcup erfolgreich erprobt“, sagte Quade.
„Spirit in Motion“ und Medieninteresse
Rund 1000 Medienvertreter werden von den Wettkämpfen berichten, und auch das deutsche Fernsehen will so viel senden wie nie zuvor von Winterparalympics. „Wir haben im Vorfeld eine sehr intensive Medienarbeit betrieben und erreicht, daß die Fernsehsender laufend berichten“, sagt Karl Hermann Haack. Tatsächlich wurden die TV-Übertragungsrechte für die Paralympics erstmals in alle Kontinente vergeben.
Das Motto der Spiele - „Spirit in Motion“ (Geist in Bewegung) - steht nach Ansicht der Präsidentin des Organisationskomitees, Tiziana Nasi, für die gestiegene Wertigkeit des Behindertensports. „Sowohl sportlich als auch gesellschaftspolitisch haben die Behinderten seit Einführung der Paralympics einen riesigen Schritt nach vorne getan. Wir sind stolz darauf, ihnen das Medium für den nächsten Schritt zu bieten“, sagt Nasi. Jegliche Geldsorgen nach Finanzkürzungen durch die Regierung in Rom hätten die Organisatoren laut Nasi bewältigt: „Wir erwarten großartige Spiele.“