26.02.2006 · Langläufer Giorgio di Centa hat die Goldmedaille über 50 Kilometer gewonnen. Der Italiener setzte sich beim Ski-Marathon vor Jewgeni Dementjew aus Rußland durch. Die Deutschen blieben zum Abschluß ohne Medaille.
Der frustrierte Tobias Angerer schimpfte auf sein Material, René Sommerfeldt klagte über einen Hungerast und Jens Filbrich haderte mit dem freien Stil: Beim „Finale furioso“ von Giorgio di Centa waren die deutschen Langläufer am Sonntag nur Zuschauer. „Ich konnte bei der letzten Attacke nicht mehr hoch schalten. Danach habe ich zugeguckt, wer gewonnen hat. In der klassischen Technik wäre für mich mehr drin gewesen“, sagte Filbrich, der beim 50-Kilometer-Marathon als 17. bester des DSV-Trios war.
Italien feierte dagegen di Centa und seinen goldenen Olympia- Abschluß. Mit einem unwiderstehlichen Endspurt bezwang der 33-jährige den Russen Jewgeni Dementjew und Österreichs Oldie Michail Botwinow, der sehr eng mit dem von Olympia geflüchteten Walter Mayer befreundet ist. „Ich brauche mich nicht zu rechtfertigen, denn ich habe kein schlechtes Gewissen“, sagte Botwinow.
„Ich bin sehr enttäuscht“
Di Centa krönte sich mit zwei Goldmedaillen neben dem Schweden Björn Lind und der Estin Kristina Smigun zum „König von Pragelato“. Der Bruder der 30-Kilometer-Siegerin von 1994, Manuela di Centa, konnte sich auf die Siegerehrung bei der Abschlußfeier am Abend in Turin freuen. Wütend gestikulierend und die Handschuhe in den Schnee werfend beendete Medaillenhoffnung Tobias Angerer die Winterspiele als 25. „Ich bin sehr enttäuscht“, wetterte Angerer, der zu den Top-Favoriten gehörte, aber bereits frühzeitig den Kontakt zur Spitze verlor.
„Ich habe gekämpft, aber das Material hat überhaupt nicht gestimmt. Irgendwann kannst du das nicht mehr kompensieren“, sagte der Weltcupspitzenreiter immer wieder kopfschüttelnd. Trotz seiner Pleite zum Abschluß reiste der Bayer jedoch nicht im Groll nach Hause. „Mein Ziel war eine Medaille, ich habe zwei. Deshalb kann ich ein positives Fazit ziehen“, bemerkte Angerer.
Bilanz von Salt Lake City nur knapp verfehlt
Das tat auch Bundestrainer Jochen Behle. „Natürlich hätte jeder gern Gold gehabt. Aber auch so sind wir voll im Soll. Es wird immer schwieriger, bei Olympia Medaillen zu gewinnen, weil immer mehr Spezialisten an den Start gehen. Das hat man auch heute gesehen“, sagte Behle, dessen Schützlinge durch die beiden Staffeln sowie Claudia Künzel im Sprint Silber und durch Angerer im 15-Kilometer-Klassikrennen Bronze gewannen.
Damit wurde die Bilanz von Salt Lake City nur knapp verfehlt. Damals gab es fünf Medaillen. Besonders schmerzte den Coach der Ausfall des unmittelbar vor Olympia am Oberschenkel operierten Axel Teichmann. „Er hat uns auch heute gefehlt, denn das Rennen wäre ihm auf den Leib geschnitten gewesen“, sagte Behle. Dies galt aber auch für Angerer. Ein verhaltener Beginn sorgte dafür, daß sich ein großer Pulk bildete.
„Ich muß erst mal was essen“
An dessen Spitze tauchten immer wieder die deutschen „Rotkäppchen“ auf. Sie kontrollierten 35 Kilometer lang das Feld. Während Angerers Aufenthalt in der Mitte der 50 Läufer starken Gruppe als taktisches Geplänkel interpretiert wurde, hatte der fünfmalige Saisonsieger schon zu diesem Zeitpunkt Probleme. Das wurde deutlich, als nach 37 Kilometern die gefürchteten Bergattacken einsetzten. Da konnten nur noch Filbrich und der Oberwiesenthaler Sommerfeldt mithalten, doch am Ende gehörten auch sie nicht mehr zu den zehn Athleten, die um den Sieg spurteten.
„45 Kilometer war es okay. Dann habe ich Hunger bekommen und es ging gar nichts mehr. Ich muß erst mal was essen, am liebsten ein paar Würstchen“, schnaufte Sommerfeldt, der als 32. in Ziel kam. Von Filbrich war im Skating nicht mehr erwartet worden. „Für meine Verhältnisse war es ein sehr guter Fünfziger“, analysierte der Klassikspezialist.