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Olympia-Rückblick Deutsche Momente in Turin

27.02.2006 ·  Mit einem furiosen Schlußspurt haben die deutschen Athleten bei Olympia ihre Krone zurückerobert und fahren mit 29 Medaillen als erfolgreichste Mannschaft nach Hause. „Wir sind sehr stolz auf diese Leistung“, sagte NOK-Präsident-Klaus Steinbach. FAZ.NET-Bildergalerie.

Von Roland Zorn, Turin
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Erster! Grund genug auch für den Sportminister, ein Ausrufezeichen zu setzen. "Wir sind", hob Wolfgang Schäuble beim Besuch der deutschen Olympiamannschaft in Turin und Sestriere hervor, "stellvertretend für die sportlichen Mitbürger unseres Landes alle begeistert und stolz auf die Leistungen unserer Sportler."

Der Bundesinnenminister, aus dessen Haus ein Großteil der finanziellen Unterstützung der deutschen Spitzensportler in den olympischen Disziplinen kommt, bekam zum Abschluß der XX. Winterspiele noch einiges vom frischen deutschen Medaillenglanz mit. Fünf Medaillen, darunter zwei goldene im Biathlon und Viererbob, veredelten aus der Sicht des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland das Finale der 16 Wettkampftage passend zum insgesamt erfreulichen Verlauf dieser Spiele. Zum Ende hatten die im Winter konstant starken deutschen Athleten ihre Spitzenposition von Nagano 1998 mit summa summarum 29 Medaillen, darunter elf goldene, zwölf silberne und sechs bronzene, zurückerobert.

Trübe Bilanz der Österreicher

Die vor vier Jahren knapp vor die Deutschen ganz nach oben gekletterten Norweger fielen dagegen in Turin auf einen Rang im Mittelfeld der ausgezeichneten Länder zurück. Die Olympischen Winterspiele 2006 wurden letztlich von den athletischen Großmächten Deutschland, Vereinigte Staaten und Rußland beherrscht - sowie von den rein sportlich diesmal bestens dastehenden Österreichern. Deren Brillanz auf Loipen und Pisten indes blieb gleichwohl trüb, weil die Affäre um die olympisch gesperrte, dennoch an- und Hals über Kopf wieder abgereiste Blutdopingfachkraft Walter Mayer das rot-weiß-rote Team ins Zwielicht tauchte.

Rückblick: Deutsche Momente in Turin

Über die Schattenseiten des Spitzensports mochten Schäuble und NOK-Präsident Klaus Steinbach am olympischen Schlußwochenende angesichts des deutschen Medaillenschlußspurts sowieso nicht so gern wie über die erfreulichen Aspekte der Turin-Expedition sprechen. "Auch mit ihrem Auftreten haben die Sportler Ehre für unser Land eingelegt", lobte der Minister die Extraqualität dieses Teams, aus dem die Biathleten mit elf Medaillen in zehn Wettbewerben, darunter fünf goldenen, herausragten. Dazu passend, avancierte der 29 Jahre alte Bayer Michael Greis, der als erster deutscher Athlet bei ein und denselben Winterspielen dreimal Erster wurde, zum Star der 161 Mitglieder umfassenden Olympiamannschaft. "Die Biathleten stehen an allererster Stelle für unser hervorragendes Ergebnis", sagte Steinbach, in dessen Abschlußpressekonferenz am Samstag passenderweise der letzte goldene Moment des Michael Greis bei diesen Spielen platzte.

„Die Herausforderung von morgen“

Auch die deutschen Schlittensportler, voran Andre Lange, der Oberhofer Doppelolympiasieger im Bob, erfüllten weitestgehend die an sie gerichteten Erwartungen. Zufriedenstellend schnitten die Langläufer, durchwachsen die von höheren Erwartungen begleiteten deutschen Eisschnelläuferinnen ab. Dank des erstmals ausgetragenen Mannschaftswettbewerbs reichte es nach drei Gold-, zwei Silber- und einer Bronzemedaille 2002 wenigstens zu einem Sieg.

In den Einzelwettbewerben aber waren andere schneller als die erfolgsverwöhnten Claudia Pechstein (einmal Silber) und Anni Friesinger (einmal Bronze). Ihr Abschneiden war indes noch Gold gegen die diesmal leer ausgehenden Skispringer und die erstmals seit 1968 medaillenlos gebliebenen Skirennfahrer. Gewöhnt haben sich die NOK-Oberen dagegen schon an chronische Defizite im Männer-Eishockey sowie bei den Eiskunstläufern, deren Auftreten durch den Stasi-Fall des dennoch nach Turin gereisten Trainers Ingo Steuer zusätzlich belastet wurde.

Chronische Defizite

"Der Erfolg von heute", sagte Schäuble am Samstag, "ist immer die Herausforderung von morgen." Er wollte damit an alle, die es angeht, appellieren, sich jetzt schon auf die Behauptung der Spitzenposition bei den Winterspielen 2010 in Vancouver einzurichten. Mehr Geld für den Spitzensport aber konnte der Minister angesichts der Sparzwänge im Bund nicht versprechen. Also sollen die vorhandenen Mittel so intelligent und effizient wie möglich eingesetzt werden, da gerade in Turin aufs neue der Beweis erbracht worden sei, daß "der Spitzensport für unsere freiheitliche Gesellschaft eine große Bedeutung hat".

Quelle: F.A.Z. vom 27. Februar 2006
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