26.02.2006 · Schweden hat zum Ende der Winterspiele zum zweiten Mal olympisches Gold im Eishockey gewonnen. Die „Tre Kronor“ setzten sich im Finale des Turniers in Turin 3:2 gegen Finnland durch. Dritter wurde Tschechien.
Von Roland Zorn, TurinDie allerletzte Goldmedaille der XX. Olympischen Winterspiele hat am Sonntag nachmittag zum Ende der 84 Wettbewerbe die schwedische Eishockey-Nationalmannschaft mit einem 3:2-Endspielsieg über den Nachbarn Finnland vor 8000 Zuschauern im Palasport Olimpico von Turin gewonnen. Es war ein hart umkämpfter Erfolg über ein bis dahin mit sieben Siegen durch das Turnier gerauschtes Team.
Doch die Schweden, nach eineinhalb Wochen etwas frischer als die Finnen anmutend, gewannen verdientermaßen ihr zweites Gold nach den Winterspielen von Lillehammer 1994. Finnland dagegen muß weiter vom großen Coup träumen. Der zweite Platz in Turin kam dem Silberglanz von Calgary 1988 gleich und belohnte eine Mannschaft beinahe unzureichend, die in der Olympiastadt die Eishockey-Großmächte Kanada, Tschechien und Rußland bezwungen hat. Dritter des Turniers war am Samstag Weltmeister Tschechien mit einem 2:0-Sieg über müde Russen geworden.
„Sie halten sich für was Besseres“
„Wenn du als Finne geboren bist“, hatte Stürmer Ville Nieminen vor dem Finale gesagt, „willst du die größten Spiele immer gegen Schweden machen.“ Der große und erfolgreichere Bruder hatte die Finnen zudem allzu oft gereizt. „Sie halten sich für was Besseres“, beschrieb Finnlands charismatischer Kapitän Saku Koivu die schwedischen Überlegenheitsansprüche vor dem Spiel der Spiele in diesem olympischen Turnier. Dagegen blieben die Schweden cool wie auf dem Eis. Kapitän Mats Sundin sagte nur: „Wir standen uns schon so oft gegenüber, daß Begegnungen zwischen uns normalerweise nichts Besonderes mehr sind.“ Diesmal aber schon, da es um olympisches Gold und damit die wichtigste Trophäe in einem Athletenleben ging.
Entsprechend zügig legten die mit einem 7:3-Halbfinalsieg über Tschechien ins Endspiel gestürmten Schweden los, scheiterten aber immer wieder am besten Torwart des Turniers, Antero Niitymäki. Die Finnen warteten in diesem Geduldsspiel unter Nordeuropäern erst einmal ab und auf ihre Überzahlgelegenheiten. Die sollten für das in den Minuten mit einem oder zwei Mann mehr beste Team dieser Spiele kommen. Timonen nutzte seine Chance zum 1:0 (15. Minute), als Finnland sein personelles Übergewicht ausspielen konnte, per Schlagschuß mit freundlicher Unterstützung des schwedischen Torhüters Lundqvist zur Führung.
Clever, kühl und mit Selbstbewußtsein
Was die Finnen können, beherrschen die Schweden allemal. Die im zweiten Spielabschnitt entschieden angriffslustiger anmutende Mannschaft drehte den Spieß erst einmal um, als Zetterberg (25.) - die Scheibe prallte vom Schlittschuh des finnischen Verteidigers Berg ins Netz - und Kronwall (34.) ihre Überzahlchancen nutzten. Die Finnen, noch etwas müde wirkend von ihrem großen 4:0-Halbfinalerfolg über die Russen, drehten erst nach dem 1:2 wieder auf und glichen nach ihrem ansehnlichsten Spielzug durch Peltonen (36.) aus.
Doch die Partie lief weiter im Sinne der Schweden, als Lidström schon nach zehn Sekunden des letzten Drittels den leichten Favoriten mit einem gewaltigen Schlagschuß aufs neue in Führung schoß. Von da an verteidigte der neue Olympiasieger seinen Vorsprung, wie er das schon oft gegen die Finnen getan hat: clever, kühl und mit jenem Selbstbewußtsein, das den Schweden schon oft zu knappen und wichtigen Siegen über Finnland verholfen hat.