Home
http://www.faz.net/-g93-s05r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Jung im Interview „Ohne Bundeswehr stünden wir auf Platz dreizehn“

28.02.2006 ·  Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung im F.A.Z.-Interview über den Medaillenspiegel bei den Olympischen Winterspielen in Turin, Athleten in Uniform, Sportfinanzierung und Dopingbekämpfung.

Artikel Bilder (3) Lesermeinungen (1)

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung im F.A.Z.-Interview über den Medaillenspiegel, Athleten in Uniform, Sportfinanzierung und Dopingbekämpfung.

Sie haben bei den Olympischen Spielen in Turin viele Erfolge persönlich miterlebt. Sind Sie konvertiert vom Fußball zum Wintersport?

Ich hatte immer ein Herz für den Sport, und zwar breit angelegt. Ich habe Fußball gespielt, bin aber auch ein begeisterter alpiner Skifahrer. Ich habe also auch ein Herz für den Wintersport. Wie unsere Soldatinnen und Soldaten sich in Turin geschlagen haben, darauf bin ich stolz und darüber bin ich glücklich.

Nun sind sie als Verteidigungsminister der größte Sponsor des deutschen Sports. Warum muß sich der Staat, sei es als Landesregierung, sei es mittels Bundeswehr, für den Spitzensport engagieren?

Bei der Bundeswehr geben wir im Jahr fast 27 Millionen Euro aus für die Sportförderung. Das zahlt sich auch aus. Ohne diese Sportförderung stünden wir nicht an erster Stelle des Medaillenspiegels. Die Bundeswehr alleine käme bereits auf Platz drei der Wertung. Wir haben neun Goldmedaillen, acht Silbermedaillen und zwei Bronzemedaillen errungen oder waren in Mannschaften daran beteiligt. Das ist eine stolze Ausbeute für die Bundeswehr; das sind rund fünfundsechzig Prozent der Medaillen, die Deutschland gewonnen hat. Das Bild unseres Landes wird durch die Sportförderung positiv geprägt. Sie wirkt sich auch auf den Breitensport in der Bundeswehr aus. Das halte ich für einen wichtigen Punkt, und in diesem Sinne ist das gut investiertes Geld.

Was halten Sie von diesem Rechenexempel: Wenn wir die knapp jährlichen 27 Millionen für eine Olympiade mit vier multiplizieren, der Einfachheit halber auf hundert abrunden und durch die Zahl der Olympiasiege teilen, also neun, kommen wir auf Kosten von gut elf Millionen Euro pro Olympiasieg, auf 5,3 Millionen für jede der 19 Medaillen - zuzüglich der Sportförderung des Bundesinnenministeriums.

Das kann man so nicht rechnen. Erstens geht es um das Ansehen Deutschlands. Zweitens darf man die positive Wirkung auf den Breitensport und die junge Generation nicht unterschätzen. Ich war aktiver Tennisspieler und Präsident eines Tennisklubs. In der Zeit von Boris Becker und Steffi Graf gab es einen "run" auf den Tennissport. Heute ist das vorbei. In Zeiten eines erfolgreichen Leistungssports haben sie sofort eine positive Wirkung auf den Breitensport. Das ist ein Effekt, den wir heute noch brauchen. Im übrigen: Wir haben in der vergangenen Woche den Bundeshaushalt beschlossen. Wenn sie den Anteil der Sportförderung daran sehen, dann finde ich, kann sich die Bundesrepublik Deutschland das nun wirklich noch leisten. Das ist gut angelegtes Geld.

Wie wird es weitergehen? Derzeit kann der Sport 700 Planstellen in 22 Sportfördergruppen bei der Bundeswehr in Anspruch nehmen. Wird es dabei bleiben?

Bevor ich ins Amt kam, war bereits abgesprochen, daß mit der Reduzierung der Bundeswehr auch die Sportförderung zurückgefahren wird. Von den 22 Sportfördergruppen werden wir noch 15 haben. Die Sportförderung wird dann, abgestimmt mit dem Deutschen Sportbund, auf 664 Sportlerinnen und Sportler konzentriert. Ich habe nun mit dem Nationalen Olympischen Komitee und dem DSB abgestimmt, daß wir die Förderung für Peking 2008 wie bisher beibehalten. In Kürze werden wir darüber sprechen, wie wir Vancouver 2010 vorbereiten werden. Zur Zeit haben wir rund 190 Wintersportlerinnen und -sportler. Von den 162 nominierten Mitgliedern unserer Mannschaft in Turin sind 73 Soldatinnen und Soldaten. Das zeigt, daß unsere Förderung effektiv ist. Wir müssen sehen, daß die Reduzierung der Standorte sich nicht auf die Qualität der Förderung auswirkt. Ich möchte vom Grundsatz her die Sportförderung beibehalten. Neben dem Ansehen Deutschlands und der Wirkung auf den Breitensport geht es auch um das positive Image der Bundeswehr.

Können Sie sich vorstellen, daß eine Sportart sich als derart verseucht von Doping erweist, daß die Bundeswehr sie grundsätzlich nicht mehr fördert?

Wir tun alles, um faire und saubere Spiele zu haben. Das bedeutet auch, nicht gedopt an den Start zu gehen. Das ist für den eigenen Körper nicht gut und für die Fairness und Chancengleichheit im Sport auch nicht. Ich habe keinen Anhaltspunkt in unserem Bereich, über solche Dinge zu spekulieren.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Das komplette Interview mit Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung lesen Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch, dem 1. März, Seite 34

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen