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Würdigung durch Muslime Nach Kreuzzug und Dschihad

04.04.2005 ·  Papst Johannes Paul II. hat mit seinen intensiven Kontakten zu Muslimen eine Richtung gewiesen, die schon manche mittelalterliche Denker wie Abaelard einschlagen wollten und die durch Machtpolitik immer wieder auf das blutigste verfehlt worden ist.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Vor allem auf dem Hintergrund des Irak-Krieges haben zwischen der Türkei und Indonesien muslimische Sprecher am Wochenende gewürdigt, daß der verstorbene Papst Johannes Paul II. in bisher nicht gekannter Weise auf den Islam zugegangen sei und damit die mehr theoretischen Anregungen des Zweiten Vatikanischen Konzils in weltökumenischer Absicht persönlich verwirklicht habe.

Tatsächlich hat Johannes Paul nicht nur als erster Papst eine Synagoge besucht, sondern auch eine Moschee. Es waren welthistorische Bilder, welche bei manchen die Epoche des Stauferkaisers Friedrichs II. heraufbeschworen (dieser hatte 1228/29 in einem friedlichen Kreuzzug das Heilige Land besucht), als der Papst im Frühsommer 2000 auf seiner großen Orient-Reise die weltberühmte Omajjaden-Moschee zu Damaskus aufsuchte und sich mit geistlichen Würdenträgern und politischen Repräsentanten traf.

Abrahamitischer Monotheismus

Der Ort war symbolisch gewählt. In der Omajjaden-Moschee, einer ehemaligen christlichen Basilika, die nach der Eroberung Syriens durch die Muslime um 700 nach Christus in eine Moschee umgewandelt worden war, wird das Haupt Johannes des Täufers aufbewahrt und verehrt, was sowohl Christen als auch Muslime religiös verbindet.

Johannes Paul II. traf damals mit Ahmad Kaftaro zusammen, dem höchsten Mufti der Republik Syrien. Auf dem Hintergrund einer langen Geschichte von „Kreuzzug und Dschihad“ bekräftigten Papst und Mufti - es war im Jahr vor den mörderischen, die Welt verändernden Anschlägen am 11. September 2001 - die Gemeinsamkeit des abrahamitischen Monotheismus beider Religionen (zu dem freilich auch der des Judentums gehört). Diese wird allerdings oft mehr pauschal beschworen und als beruhigende Formel im Dialog verwendet als wirklich konkret geachtet oder gar gelebt.

Mufti für gutes muslimisch-christliches Verhältnis

Der Papst hatte damals das Glück, daß er in der Person des Muftis Kaftaro auf einen islamischen Schriftgelehrten von eher gemäßigter Ausrichtung traf, der es viele Jahrzehnte lang verstanden hatte, die religiös schwierigen Verhältnisse Syriens auszubalancieren.

Als oberstem geistlichen Führer der Sunniten gelang ihm, so etwas wie die allmähliche Durchsetzung der öffentlichen Akzeptanz der seit 1970 herrschenden heterodoxen, aus dem Schiismus hervorgegangenen Alawiten-Sekte, die zuvor als Minderheit von den Sunniten unterdrückt gewesen war. Doch auch das relativ gute Verhältnis zwischen Muslimen und Christen in Syrien war nicht allein der säkularen Baath-Ideologie zu verdanken, sondern auch dem Mufti.

Ökumenische Bemühungen zunichte gemacht?

Wie kaum einem anderen Papst lagen dem Verstorbenen die Nöte der an Zahl gar nicht geringen orientalischen Christen am Herzen, vor allem natürlich all jener, die als Lateiner mit Rom uniert sind. Das sind vor allem die nach Millionen zählenden Maroniten im Libanon, die sich auf den heiligen Marun beziehen, die arabischen Katholiken in Palästina und Israel und die Chaldäer im Irak, die sich gerne als Ur-Iraker bezeichnen und gerade in letzter Zeit besonders enge Beziehungen zu Rom gepflegt haben.

Nach dem Treffen des Papstes mit dem Mufti Kaftaro in Damaskus - er ist mittlerweile gestorben - schienen die Ereignisse des 11. Septembers 2001 all jene ökumenischen Bemühungen wieder mit einem Schlage zunichte zu machen, an denen dem Papst bei seinen Aufenthalten so sehr gelegen war; unter anderem war er auch bei den Palästinensern gewesen, wo es zu einer Begegnung mit dem im November vergangenen Jahres gestorbenen palästinensischen Präsidenten Arafat gekommen war.

Politischer Papst

Doch Johannes Paul II. ließ gerade jetzt, da die Entwicklung eskalierte, in seinen Bemühungen um Ausgleich mit der islamischen Welt und um Frieden nicht nach. Schon den ersten Krieg einer von Amerika geführten und von den Vereinten Nationen lizenzierten Allianz 1991 gegen den Irak Saddam Husseins (dieser hatte Kuweit besetzt und dem Irak einverleibt) lehnte er ab.

Und auch gegenüber dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush, dem Sohn des Kriegsherren des ersten Golfkrieges, machte er bei einer Audienz aus seiner Verurteilung des Krieges vom Frühjahr 2003 kein Hehl. Als politischer Papst, der er war, hatte er neben der christlichen Friedensbotschaft gewiß auch das Schicksal der irakischen Katholiken im Auge.

Spirituelle Offenheit zum Islam

Die positiven Stellungnahmen muslimischer Sprecher nach dem Tod Johannes Pauls II. sind natürlich auch politisch zu verstehen. Sie wollen die spirituelle Offenheit des verstorbenen Papstes zum Islam gegenüber dem amerikanischen Präsidenten ausspielen, der einen „Kampf gegen den Terror“ führt und in seiner Wortwahl gegenüber den Muslimen bisweilen sehr unglücklich gewesen ist.

Der Papst hat mit seinen intensiven Kontakten zu Muslimen und mit seinen Aufenthalten an Plätzen, die ihnen ebenso heilig sind wie den Christen, auf lange Sicht eine Richtung gewiesen, die schon manche mittelalterliche Denker wie Abaelard einschlagen wollten und die durch Machtpolitik - auf beiden Seiten - leider immer wieder auf das blutigste verfehlt worden ist.

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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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