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Papst-Nachfolger Ausgleichender Krisenmanager

14.04.2005 ·  Auch wenn er sich Spekulationen dieser Art stets auf gut katholische Art verbeten hat - genützt hat es nichts: Die Diskussionen laufen, ob vielleicht der Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn „papabile“ ist.

Von Karl-Peter Schwarz, Prag
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Seit Jahren gilt Kardinal Schönborn in vatikanischen Kreisen als „papabile“. Neuerdings interessieren sich für ihn sogar die tschechischen Medien, die seine böhmischen Wurzeln entdeckt haben: Der Wiener Erzbischof ist am 22. Januar 1945 in Schloß Skalka bei Leitmeritz geboren, seine Familie, der unter anderen auch ein Prager Erzbischof entstammte, teilte das deutschböhmische Schicksal und wurde vertrieben.

Der Dominikaner, der lange Jahre an der Katholischen Universität in Fribourg Dogmatik unterrichtete und als Redaktionssekretär den unter der Leitung Kardinal Ratzingers erarbeiteten Weltkatechismus betreute, übernahm 1995 mit seiner Ernennung zum Erzbischof in Wien die schwierige Aufgabe, den österreichischen Katholizismus aus der schwersten Krise seiner Geschichte zu führen. Während des Pontifikats Johannes Pauls II. hatte eine Schockwelle nach der anderen die österreichische Kirche erschüttert.

Im Krisenmanagement bewähren

Schönborn folgte auf Erzbischof Groer, dem die Belästigung von Schülern des Seminars Hollabrunn nachgewiesen wurde, und entschuldigte sich für dessen Vergehen. Ein weiterer Sexskandal, diesmal in der Diözese St. Pölten, erzwang voriges Jahr die Emeritierung des nicht minder umstrittenen Bischofs Kurt Krenn. Die konservativen und restaurativen Kreise in Österreich, die Groer und Krenn im Zuge einer von langer Hand vorbereiteten kirchenpolitischen Rechtswende auf den Schild gehoben und bis zuletzt verteidigt hatten, waren diskreditiert.

Als Gegenreaktion hatte sich eine radikale reformkatholische Strömung „Wir sind Kirche“ herausgebildet. Die Auswirkungen dieses Zerfalls der kirchlichen Einheit läßt sich in Zahlen fassen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Gesamtzahl der Katholiken in Österreich um zehn Prozent gesunken, in Wien liegt ihr Anteil nun erstmals unter fünfzig Prozent. Schönborns Führungsqualitäten mußten sich zuallererst im Krisenmanagement bewähren.

Vor allem ein Wisssenschaftler

Es wird ihm heute zugebilligt, einen Weg des Ausgleichs und der Mitte jenseits des Integralismus und des Progressismus gefunden zu haben. Schönborn verheißt den österreichischen Katholiken die lange ersehnte Rückkehr zu Sicherheiten, die ihnen zuletzt noch Kardinal König vermitteln konnte. Auf sicherem theologischen Boden versagt er sich anbiedernde Zugeständnisse an die eine oder die andere Seite.

Progressisten entsetzen sich über seine Unterstützung charismatischer Bewegungen, der Laienbewegung Comunione e liberazione und des Opus Dei. Integralisten wiederum stoßen sich an seinem unzweideutigen Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Schönborn wurde oft nachgesagt, er sei vor allem ein Wissenschaftler, also lebensfremd, zu vorsichtig für die Erfordernisse einer mediengesteuerten Gesellschaft.

Immer wieder ins Gespräch gebracht

Doch hat Schönborn mit Lustiger, Danneels und Jose da Cruz die „Stadtmission“ als eine zeitgemäße Form der Pastoral in den westeuropäischen Metropolen entwickelt. In besonderer Erinnerung blieb sein Auftritt im Wiener Cafe Stein bei einem „Talk über Gott und die Welt“, wo er der Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer auf die Frage, warum sie nicht Kardinälin werden könne, die ernste Gegenfrage stellt, ob sie das denn wirklich wolle.

Der Wiener Erzbischof wurde immer wieder für hohe römische Ämter ins Gespräch gebracht, voriges Jahr noch als Nachfolger Ratzingers an der Spitze der Glaubenskongregation, nun auch als Kandidat für die Papstwahl. Er hat sich Spekulationen dieser Art stets auf gut katholische Art verbeten - genützt hat das natürlich gar nichts

Quelle: F.A.Z., 15.04.2005, Nr. 87 / Seite 6
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Jahrgang 1952, Korrespondent für die Tschechische Republik, die Slowakei, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien mit Sitz in Wien.

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