25.04.2005 · Einen Tag nach seiner Amtseinführung hat sich Benedikt XVI. zur Fortsetzung des Dialogs mit dem Islam bekannt. Unterdessen hat der Mainzer Bischof Kardinal Lehmann in scharfer Form Spekulationen zurückgewiesen, der Papst wolle ihn nach Rom holen.
Papst Benedikt XVI. hat sich zur Fortsetzung des Dialogs mit dem Islam bekannt. Er wolle weiterhin „Brücken der Freundschaft bauen“, sagte der neue Papst am Montag bei einem Treffen mit muslimischen Geistlichen und Vertretern anderer Glaubensgemeinschaften, die am Sonntag an der Messe zu seiner Amtseinführung teilgenommen hatten.
Für die Anwesenheit der muslimischen Vertreter sei er besonders dankbar, sagte Benedikt XVI. In seiner Predigt am Vortag hatte er sich bereits an Christen anderer Konfessionen, Juden und Nichtgläubige gewandt.
Pflicht, sich für Frieden zu engangieren
Die Welt sei gegenwärtig von Konflikten gezeichnet, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Montag. Es sei die Pflicht aller Menschen, sich für Frieden zu engagieren, „besonders derer, die sich zu religiösen Traditionen bekennen“.
An dem ökumenischen Treffen im Vatikan nahmen neben anderen der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, der Metropolit von Ephesus, Chrisostomos, - ein Gesandter des orthodoxen Patriarchen Bartholomäus - sowie der Metropolit Kirill von der russisch-orthodoxen Kirche teil. Die Namen der muslimischen Teilnehmer gab der Vatikan nicht bekannt.
Treffen mit deutschen Pilgern
Einen Tag nach seiner feierlichen Amtseinführung ist Papst Benedikt XVI. mit tausenden deutschen Pilgern zusammengetroffen. Vor allem viele Gläubige aus seiner bayerischen Heimat waren zu der Audienz im Vatikan gekommen.
Es ist das erste Treffen des neuen Pontifex mit deutschen Pilgergruppen. Joseph Ratzinger, der aus dem bayerischen Marktl am Inn stammt, hatte bereits klargemacht, daß er bald auch zu einem Besuch nach Bayern kommen will.
Bei dem Treffen machte der neue Papst einen sichtlich entspannten und lockeren Eindruck. Er schüttelte den Gläubigen die Hände, mehrfach ging er auf seine bayerischen Wurzeln ein. „Ich bin natürlich ein Bayer geblieben, auch als Bischof von Rom.“
Das Amt des Papstes habe er niemals angestrebt, bekräftigte Ratzinger. Als er sah, daß die Wahl auf ihn zulaufen könnte, habe er gen Himmel gefehlt: „Tu mir das nicht an!“ Doch „der Herr hat mir offenbar nicht zugehört“, fügte er lächelnd in Erinnerung an den Moment im Konklave hinzu, „als das Fallbeil auf mich herabfiel und mir ganz schwindelig zumute wurde“. Benedikt sagte: „Bequem sind die Wege des Herrn nicht.“
Lehmann weist Spekulationen zurück
Unterdessen wies der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann am Montag in Mainz in scharfer Form Spekulationen zurück, Papst Benedikt XVI. habe ihm ein Kurienamt angetragen und wolle ihn nach Rom holen.
„Ich habe mit niemandem, schon gar nicht mit dem Papst, ein solches Gespräch geführt“, sagte der Kardinal nach seiner Rückkehr aus Rom. Lehmann ließ weiter offen, ob er im Herbst bei der Neuwahl des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz wieder kandidiert.
Drängende Fragen
„Ich bin seit 18 Jahren Vorsitzender, irgendwann reicht es dann auch mal“, sagte Lehmann, ohne eine erneute Kandidatur allerdings klar auszuschließen. Das habe mit dem Papst aber nichts zu tun, denn mit Blick auf den Wechsel des als konservativ geltenden Ratzingers in das Papstamt erwarte er keine eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten für das deutsche Episkopat und dessen Vorsitzenden.
„Wenn wir Probleme haben, dann sind es dieselben Probleme, die alle Länder der westlichen Welt auch anderswo haben.“ Als drängende Frage bewertete Lehmann etwa die Zulassung von geschiedenen Wiederverheirateten zum Abendmahl. Bisher sind sie von den Sakramenten und damit auch der Eucharistie ausgeschlossen.
„Politisch sehr friedensorientiert“
Lehmann hielt am Montag im Mainzer Dom einen Dankgottesdienst der Deutschen Bischofskonferenz und seines Bistums nach der Wahl des neuen Papstes. Daran nahmen fast alle deutschen Bischöfe teil, da im Anschluß eine Zusammenkunft des Ständigen Rates der Bischofskonferenz in Mainz geplant war. Die deutschen Bischöfe kamen in Mainz erstmals nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. zusammen.
Seine Predigt widmete Lehmann der Wahl des Namens von Ratzinger als Papst. Mit „Benedictus XVI.“ habe dieser bewußt an Benedikt XV. angeknüpft, der von 1914 bis Anfang 1922 das Papstamt innehatte, politisch sehr friedensorientiert gewesen sei, aber auch das kirchliche Recht neu zusammenfaßte. Zugleich berufe er sich auf Benedikt von Nursia, der schon von Papst Pius XII. zum „Vater Europas“ erklärt worden sei: „Dieser Papst legt uns damit unübersehbar die Sorge um das künftige Europa an das Herz“, sagte Lehmann.