10.10.2007 · Die Eröffnungsgala der Buchmesse bot hohes Peinlichkeitspotential, weil der Kulturpatriotismus der Katalanen mitunter schwer erträglich ist. Die aber rezitierten ihre Dichter, sangen, projezierten - und vollbrachten Ungeheuerliches.
Von Jakob Strobel y SerraDie Katalanen singen am liebsten schwermütige Lieder, tanzen gerne und gut modern, vergöttern ihre Sprache, bauen bei Volksfesten Menschentürme und setzen bei dieser Gelegenheit Stieren dekorative Fackeln auf die Hörner. So jedenfalls präsentierte sich das Gastland der Buchmesse bei der Eröffnungsgala im Frankfurter Schauspielhaus, die den tantenhaften Titel „Ein Spaziergang durch die katalanische Kultur“ trug und hohes Peinlichkeitspotential bot, weil der Kulturpatriotismus der Katalanen mitunter schwer erträglich ist. Immerhin sorgte er dafür, dass die Crème de la Crème im Dienste des Vaterlandes auf der Bühne stand: die Sängerin Maria del Mar Bonet, der Tänzer Cesc Gelabert, der Pianist Carles Santos, jeder für sich ein Star und bei der Gala fast ein Statist.
Sie rezitierten ihre Dichter, sangen ihre schönsten Lieder, warfen bunte Bilder an die Wand und vollbrachten Ungeheuerliches: Sie drehten selbstironische Pirouetten auf ihrem Nationalstolz. Salvador Dalís Pathetik wurde lustvoll mit Schmalz übergossen, das Trikot des FC Barcelona als heiliges Kulturgut eingeblendet und das wundervolle Ritterepos „Tirant lo Blanc“ mit den Worten zitiert: „Quäle mich doch nicht noch mehr!“ Davon konnte keine Rede sein. Nur zum Schluss gab es ein bisschen Kitsch zum Mitklatschen und ganz viel Konfetti - natürlich in den Nationalfarben.
Im Zeichen der Europäischen Union?
Werner Eckl (WernerEckl)
- 10.10.2007, 23:53 Uhr
Merkwürdig...
Heiko Schlösser (xx5000)
- 11.10.2007, 10:00 Uhr
Ansichtssache
Cornelia Eisner (c.eisner)
- 11.10.2007, 11:11 Uhr
Leserkommentare
Ernst-Martin Schmidt (Ernsdt)
- 12.10.2007, 01:18 Uhr