11.07.2009 · Die Seychellen galten lange als eines der teuersten Reiseziele der Welt. Dann traf sie die große Krise mit voller Wucht. Ihre Währung verlor dreiundvierzig Prozent ihres Wertes, mehr als die jedes anderen Lands der Erde. Also nichts wie hin.
Von Jakob Strobel y SerraDie Mission klingt unmöglich: auf dem Sechssternesuperreichensehnsuchtsarchipel der Seychellen, auf dem neulich die sterbensschöne Salma Hayek mit ihrem französischen Milliardärsbräutigam unterm Honigmond saß, eine Woche Urlaub zu machen und nicht die üblichen tausend Euro pro Nacht auszugeben, sondern hundert - pro Tag und Nacht, also für Essen, Trinken, Schlafen. Und Spaß sollen wir dabei auch noch haben. Es gibt schwierige Missionen. Unmögliche gibt es nicht.
Mahé, 27 mal 8 Kilometer
Das gottgewollte Leben im Schweiße seines Angesichts gelingt auf Mahé auch dem größten Phlegmatiker vor dem Herrn. Davon gibt es auf der Hauptinsel der Seychellen eine ganze Menge, vor allem Männer, die überall auf Baumstämmen und Plastikstühlen herumsitzen und nicht faul, sondern schlau sind, weil das Nichtstun unter der Hitze des Äquators die angemessenste Lebensform ist. Das ist ansteckend, und so legen auch wir sofort nach dem Verlassen des Flugzeugs eine Vollbremsung aus der abendländischen Daseinshochgeschwindigkeit hin, lassen die Trägheit der Tropen von uns Besitz ergreifen, spüren am Sandstrand die Sehnsucht nach der Sehnsuchtslosigkeit in uns aufsteigen und unterwerfen uns der süßen Monotonie der Seychellen. Denn hier machen alle immer dasselbe: Die Sonne scheint fast unentwegt, das Meer pendelt ohne Hast zwischen Ebbe und Flut, die Temperatur liegt permanent bei sechsundzwanzig bis neunundzwanzig Grad, die Politik wird seit der Gründung des Staates von immer derselben Partei beherrscht. Und die Natur ist seit Erschaffung der Welt so großartig, dass einem die Tränen der Rührung kommen wollen, um sich mit den Schweißperlen zu einem Tänzchen auf der Wange zu vereinen.
Jedes Klischee von der Schönheit der Seychellen ist eine perfide Untertreibung. Mahé ragt als riesenhafte granitene Schwanzflosse aus dem Indischen Ozean, grau wie die Haut eines Wals, grün übergossen von einem tropischen Füllhorn mit Bougainvilleen, Frangipani, Orchideen, Hyazinthen, Himmelsblumen, Quallenbäumen, duftend nach Jasmin und Vanille, bevölkert nur von freundlichen Lebewesen, die dem Menschen nichts Böses tun. Es gibt keine Giftschlangen, keine Skorpione, keine Vogelspinnen, stattdessen nur lustige Vögel wie den Dickschnabelbülbül oder die Warzenfruchttaube, die so unentwegt in den Wäldern schnattern, dass man sich fragt, was sie denn so Wichtiges zu besprechen haben. Wie Sturzbäche aus Chlorophyll prasseln diese Wälder von den Bergen zur Küste herunter, um dann kurz vor dem Wasser von Granitbrocken aufgehalten zu werden, die sich schützend um winzige, wundersam einsame Strände mit einem Sand, so fein und golden wie Maismehl, legen. Gerade einmal zwei verliebte Menschen haben in diesen Miniaturbuchten Platz, und es gibt so viele davon, dass man glaubt, auf der ganzen Welt gebe es nicht genug Liebe, um sie alle zu füllen.
Großes Unglück - kein Problem
Riesengroß aber ist der Strand von Beau Vallon an der Nordküste von Mahé, und an seinem Ende liegt ein Hotel, in dem eine Übernachtung so viel kostet wie das Elffache unseres Tagesbudgets und die gemischte Fischplatte skandalöse hundertdreizehn Euro. Das ist nicht gerecht, das ist ein Unglück! "Das ist doch kein Problem", sagt der Besitzer der Koko Villa, einer Handvoll Apartments, die sich am anderen Ende von Beau Vallon unter Kokospalmen in den Falten der Berghänge verstecken. "Bei mir kostet euch eine Nacht eine viertel Fischplatte, es gibt eine Küche, einen Kühlschrank, Töpfe, Pfannen und unten an der Straße einen Fischer, der nachmittags seinen Fang verkauft. Ich fahr euch schnell hin", sagt unser Retter und erklärt nebenbei in zwei Minuten die Ursache aller Unbilden: Sozialistische Vetternwirtschaft der Staatspartei, Korruption und Nepotismus, groteske Überbewertung der SeychellenRupie, drohender Staatsbankrott, dann kommt der Internationale Währungsfonds in letzter Sekunde, zieht mit der drastischen Abwertung die Reißleine, jetzt geht es langsam wieder aufwärts, und schon sind wir da.
Der Fischer, der so knorrig und verwittert aussieht wie ein Stück Strandgut, hockt auf seiner Holzpritsche am Straßenrand und lächelt zufrieden in die Abendsonne. Fast der komplette Fang ist weg, verkauft an Autofahrer und Passanten, nur noch einen Barrakuda für Großfamilien hat er im Angebot und ein paar Brocken Hai, "sehr gut als Steak, zwei Minuten auf jeder Seite, ich gebe sie euch für vierzig Rupien das Kilo". Zwei Euro will der Mann, Gottgütiger, her damit und ab in die Pfanne. So ein Raubtierschnitzel, ganz simpel mit ein bisschen Chili und Kurkuma, schmeckt gar nicht schlecht und noch viel besser, wenn man mit einer Flasche Seychellen-Bier auf dem Balkon seines schlichten, zweckdienlichen, schnickschnackfreien Apartments dem Wind beim Kraulen der Kokospalmwedel zuhört.
Save drive, stay alive
„Nehmt den Bus, für sieben Rupien bringt er euch an jeden Punkt der Insel“, hatte der Besitzer beim Abschied noch gesagt - getan am nächsten Tag, dreißig Cent, da kann man nicht meckern, auch nicht über die Flotte des staatlichen Busmonopolisten. Sie besteht größtenteils aus indischen Ashok Leylands, soliden Kisten mit brüllenden Motoren, gebaut, um ein Milliardenvolk sicher zu transportieren. Besonders empfehlenswert sind die kleineren Modelle, weil sie nur drei Sitze pro Reihe und außerdem Armlehnen haben, allerdings auch einen besonders temperamentvollen Motor, der röhrt wie eine Planierraupe. Und schon gar nicht meckern kann man über die Sinnsprüche des Unternehmens, die an jedem Bus prangen: „Speed thrills, but kills“, heißt es dort ganz richtig, oder auch: „Save drive, stay alive“ - einer solchen Firma vertraut man sich gerne an, zumal die Busse pünktlich wie die Feuerwehr kommen, obwohl Zeit auf den Seychellen zweitrangig ist. Die Fahrer sind gewissenhaft, die Passagiere höflich, die Umgangsformen vollendet, kein Schubsen, kein Übergepäck, keine Hühner auf dem Schoß und schon gar kein Odeur, sondern frischer Fahrtwind dank ständig geöffneter Türen, was ohnehin viel gesünder ist als eine Klimaanlage.
Die erste Fahrt führt uns in das unaufgeregte Hauptstädtchen Victoria, das die einzige Ampel des Archipels sein Eigen nennt und seiner königlichen Namensvetterin mit einem Brunnen aus bunten Kacheln die Ehre erweist. Auf dessen Spitze steht Queen Victoria wie die Gottesmutter höchstselbst. Passend dazu gibt es hübsche Häuser mit viktorianischem Wellblech, eine Replik vom Big Ben in Legoland-Größe und allerlei Kirchen, denn die Seychellois glauben fest an Gott, zu drei Vierteln an den römisch-katholischen. Zur Ermahnung der Wankenden prangt an einer Kirchenfassade ein Zitat aus den Korintherbriefen, und zwar gleich dreifach: „Demeurez fermes dans la fe - Stand firm in the faith - Debout ferm dan lafwe“, lesen wir und bedanken uns für die kleine kostenlose Lektion im Kreolischen, auf das die Seychellois so ungeheuer stolz sind wie auf alles Kreolische überhaupt. Und so wie ihre Sprache ist, sehen sie auch aus: als habe man Franzosen, Briten, Schwarzafrikaner und zur Würzung ein paar Araber, Chinesen und Inder in einen Topf geworfen und zweihundert Jahre lang umgerührt.
Schlaraffenland mit Oktopus und Rochen
Unsere Kreolisch-Kenntnisse reichen schon aus, um das „Mize istorik“ als Historisches Museum zu identifizieren, ein hölzernes, rostbraunes Hexenhäuschen, in das nicht viel Geschichte hineinpasst, aber das muss es auch nicht. Lange waren die Seychellen unbewohnt, im achtzehnten Jahrhundert hausten hier Piraten, dann kamen die Franzosen, später die Briten, 1976 schubste London die Inseln in die Unabhängigkeit. Und bis heute profitieren sie davon, dass es hier nie Einheimische und Kolonisatoren, Unterdrücker und Unterdrückte, Weiß und Schwarz gab, sondern sich alles gründlich vermischte. Den historisch fermentierten Groll und Grimm anderer Tropeninseln spürt man auf den Seychellen nicht, die es sich stattdessen in ihrem kreolischen Nationalethos und dem Egalitarismus ihrer sozialistischen Staatsräson bequem machen.
Zackenbarsch heißt auf Kreolisch Krwasan, schmeckt besser als Haifisch, kostet auf dem Markt von Victoria allerdings auch das Doppelte. Doch das ist uns egal, denn in dem luftigen Gebäude aus quietschbuntem Wellblech sitzt uns das Geld locker: das Kilo Schnapper für vier Euro, Oktopus für fünf, Rochen für sechs, das ist der siebte Himmel, und zum Dessert für ein Spottgeld alle Früchte des Gartens Eden, Bananen, die einen halben Meter lang, Mangos, die zwei Kilo schwer werden, Passionsfrüchte, Karambolen, Papayas, Jamalaques, honigsüß, safttriefend, gereift in der Sonne des Äquators, nicht in der Finsternis eines Frachtraums. So sitzen wir wieder glücklich auf unserem Kokospalmenbalkon, lecken uns die Finger, hören allerdings den Wind vor lauter Musik nicht, weil heute die ganze Insel eine einzige Party ist - Unabhängigkeitstag, die Regierungspartei veranstaltet noch im letzten Kaff eine Dorfdisco, und wir folgen einfach der Musik.
Die große Show des Dorftransvestiten
Eine Handvoll Luftballons, eine eiernde Discokugel, ein schwitzender Discjockey reichen aus, um den Gemeindesaal in einen Tanzpalast zu verwandeln. Das komplette Dorf ist anwesend und in Bewegung, von den Kindergartenkindern bis zu ihren Urgroßeltern, das Bier kostet einszwanzig, die gute Stimmung nichts, die kleine Schlägerei mit der Opposition gibt es gratis dazu und den sensationellen Auftritt des Dorftransvestiten sowieso: ein Trumm von Kerl in Frauenkleidern, bestimmt hundertfünfzig Kilo schwer, mit Beinen wie Betonpfeiler, doch sie tanzt so grazil wie eine Gazelle, und alle lassen es gewähren ohne Spott und Häme. Wir lassen uns derweil an der Bar von einem stark schwankenden Mann die kleine Welt der kreolischen Hormone erklären: Fünfzig Prozent der Kerle seien sexuell inaktiv, jeweils dreißig Prozent schwul oder Alkoholiker, und der Rest, also Leute wie er, müssten die ganze Arbeit erledigen, hahaha, darauf noch ein Bier, sagt der Mann, von dem wir nicht glauben, dass er heute Nacht noch sehr fleißig sein wird. Dann lassen wir uns doch lieber von den Grazien der Gemeinde zum Tanz entführen, die schon mit Anfang zwanzig Figuren wie Sumo-Ringerinnen, doch einen Bewegungsdrang wie Rehkitze haben und die gaffenden Jungs wegscheuchen, als seien sie reudige Hunde. Wir verschmähen keine, schmeißen Runden, das erlaubt unser Budget, und singen mit allen lauthals den Village-People-Ohrwurm „YMCA“, der immer und immer wieder aufgelegt wird. Warum nur, brüllen wir unseren Tanzpartnerkolossen ins Ohr? „Es ist die Melodie der Staatspartei, wir singen sie mit den Initialen des Präsidenten und des Vizepräsidenten.“ Wenn das kein Humor ist! Noch eine Runde!
Praslin, 11 mal 4 Kilometer
Vielleicht liegt es am vielen Bier, vielleicht auch an etwas anderem, dass das friedlich vor sich hin dösende Mahé am nächsten Tag entsetzlich laut und groß und hektisch wirkt. Plötzlich kommt uns unsere Sehnsucht nach Stille so unstillbar vor wie gestern Abend unser Durst. Und da „Downsizing“ ohnehin das allgegenwärtige Motto der gegenwärtigen Riesenkrise ist, beherzigen auch wir es jetzt. Am Hafen wartet die Fähre nach Praslin, sehr neu, sehr schnell, sehr schnittig, in einer Stunde rast der Katamaran zur Nachbarinsel. Daneben sind Frachtboote vertäut, gar nicht neu, kein bisschen schnittig, Seelenverkäufer mit rostigem Rumpf und morschen Planken, die Besatzung ohne Schuhe, ohne Eckzähne und bestimmt auch ohne Skrupel. Dreimal so lange dauert mit ihnen die Passage nach Praslin, ein Drittel kostet sie. Wir zögern, rufen uns dann aber in Erinnerung, dass dieser Teil des Indischen Ozeans neuerdings Piratengewässer ist, und verzichten trotz unserer Mission auf die Ersparnis.
Praslin sieht aus wie die kleine Schwester von Mahé, nur ist sie mit einem noch stilleren Gemüt ausgestattet, vollkommen in sich ruhend, perfekt ausgependelt sozusagen. Binnen Sekunden lassen wir uns von diesem Pendel in einen Zustand wunschfreier Lethargie hypnotisieren, schauen lächelnd den Schulbussen hinterher, die hier Pritschenwagen mit Horden krakeelender Kinder auf der Ladefläche sind, stören uns überhaupt nicht daran, dass der örtliche Nachtclub namens „The Jungle“ nur am Wochenende aufsperrt und dann auch noch „Proper Dress Code“ verlangt, also ausnahmsweise nicht Shirt, Shorts und Latschen, wundern uns nicht einmal darüber, dass jeder zweite Kerl auf Praslin ein Rastafari ist, obwohl Jamaica einen Kontinent und einen Ozean weiter westlich liegen, und lassen uns von der Tante-Emma-Laden-Besitzerin in Grand Anse über den Grund aufklären: „Die jungen Frauen aus Übersee stehen auf Rasta-Männer, und der Traum jedes Jungen hier ist es, ein solches Mädchen zu ergattern, um von der Insel wegzukommen.“ Das könne sie allerdings überhaupt nicht verstehen, denn hier sei doch alles wunderbar. „Wir haben keine Probleme, keine wilden Tiere, keine Erdbeben, keine Vulkanausbrüche, keinen Schnee, was will man mehr?“
Warum nur ist Salma Hayek nicht hier?
Etwas zu essen, gut und billig. Da gebe es nur eine Adresse, sagt die Frau, da herrsche Einigkeit auf Praslin: Der Sun Set Take away in Grand Anse muss es sein, ein schmuckloses Kabuff mit lauter Aluminiumtrögen wie in einer Mensa, aus denen ein Rasta-Mann mit Bob-Marley-T-Shirt die Tagesgerichte in Styroporbehältnisse schöpft, wunderbare kreolische Küche für zwei Euro. Wir setzen uns direkt gegenüber am Strand auf eine Palme, löffeln unseren gebackenen Fisch mit Mango-Chutney, geben den frechen Echsen großzügig ab und fragen uns, was der größere Luxus ist: hier zu sitzen oder dort drüben auf dieser Privatinsel mit ihrem Luxushotel, mit all der Etikette, all den Attitüden, in dem gebackener Fisch mit Mango-Chutney das Zwanzigfache kostet und auch nicht besser schmeckt, es sei denn, Salma Hayek sitzt mit am Tisch.
Jetzt müssen wir aber etwas tun, wenn wir nicht enden wollen wie die entzückenden Ringerinnen-Grazien von der Dorfdisco. Deswegen mieten wir uns für kleines Geld ein Mountainbike und strampeln unter den verblüfften Blicken der Einheimischen dreihundert Höhenmeter hinauf zum Vallée de Mai im Herzen der Insel - ein schlichter Name, hinter dem sich Unfassbares, Ungeheuerliches versteckt: ein Urwald aus Meerespalmen, ein Dschungel aus der Zeit vor der Zeit, als die Seychellen noch Teil des Urkontinents Gondwanaland waren, ein Weltnaturerbe mit einzigartigen Bäumen, die viel mehr Jahre auf dem Buckel haben als die Zivilisationsgeschichte des Archipels. Nirgendwo sonst auf der Erde wächst die Coco de Mer, und kaum ein anderer Baum regt so sehr die Phantasie an. Denn die weiblichen Blütenstände sehen ganz genau so aus wie der geöffnete Schoß einer Frau, die männlichen aber wie ein riesenhafter Penis. In stürmischen Nächten, so heißt es, paaren sich die Meerespalmen, und wer dabei zusieht, ist für immer verflucht.
Rendezvous mit Zerstörungskraft
Bei ihren Rendezvous muss es ziemlich zur Sache gehen, denn die Cocos de Mer bringen in ihrem Urwald alles durcheinander. Sonst kennt man Palmen nur als ordentliche Bäume, die in Reih und Glied stehen. Hier aber wachsen sie kreuz und quer, Winzlinge kaum größer als Kinder, uralte Palmen mit vergilbten Wedeln, Prachtexemplare mit fünfzehn Meter langen Blättern, die wie ein Trichter das Regenwasser zum Stamm führen. Der Boden ist übersät mit abgerissenen Palmwedeln und umgestürzten Stämmen, mit Vaginas und Penissen, und wenn der Wind in die Kronen fährt, ist es, als sprächen die Bäume miteinander, vielleicht über uns, vielleicht über etwas ganz anderes.
Radfahren macht hungrig und Staunen noch mehr, vor allem wenn man nach dem Meerespalmenzauberwald auch noch zum Meer fährt, zur Anse Lazio, der schönsten Bucht der Seychellen und einer der schönsten auf Erden. Zunächst geht es den Mont Plaisir hinauf, was bei dreißig Grad Steigung kein Vergnügen ist, dann zu Fuß einen Pfad hinunter durch Takamaka-Wälder und Hyazinthen-Haine, und dann liegt sie da wie gemalt, wie erträumt: der Sand so weiß wie das Brautkleid einer Jungfrau, die rosafarbenen, rundgeschliffenen Granitfelsen so kunstvoll, als stammten sie aus dem Atelier von Henry Moore, die Krebse auf ihnen so golden wie Broschen, das Wasser so unverschämt türkis, als habe es einen Chemieunfall gegeben, und das alles so perfekt proportioniert, so vollkommen harmonisch, dass man seine Füße ins Wasser tunken muss, um sich der Wirklichkeit dieser Bucht zu vergewissern.
Illusionen im Grab
Müde, erschöpft und glücklich schleppen wir uns zu unserer Unterkunft, den Villas du Voyageur, einem Haus direkt am Strand mit zwei großen Apartments und offener Küche, in der die Köchin der Villas für zehn Euro nur für uns kreolisch kocht: Fisch natürlich mit der typischen Sauce aus Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Ingwer, Chili, Koriander und Kokosmilch, eine Riesenportion, so wird man gerne satt, artig bedanken wir uns. So habe sie für ihren Mann auch immer gekocht, sagt die Köchin, doch es habe nichts genutzt, niemals habe er sich bedankt, stattdessen zu Tode gesoffen und alle ihre Illusionen über das männliche Geschlecht mit ins Grab genommen. Sie lächelt bitter. Natürlich ist das Paradies auf Erden eine Illusion. Doch an diesem Abend, als wir mit einem sehr anständigen, südafrikanischen Supermarkt-Sauvignon-Blanc für acht Euro auf der Terrasse sitzen, dem Gurgeln des Meeres lauschen und das letzte Propellerflugzeug über unserem Kopf zur Landung ansetzt, wollen wir das nicht hinnehmen. Einen Schritt gehen wir noch weiter.
La Digue, 5 mal 3 Kilometer
Viel zu laut und turbulent ist Praslin, und nur eine Viertelstunde ist es nach La Digue, der kleinen Schwester der kleinen Schwester, der bezauberndsten der dreien. Autos gibt es hier so gut wie keine mehr, bloß noch Fußgänger und Radfahrer. Erst auf einer solchen Insel wird einem bewusst, wie unmenschlich Verbrennungsmotoren sind, wie barbarisch ihre Geschwindigkeit ist. Mit stockendem Atem radeln wir durch die Requisite des Paradieses - Traumstrandinflation, Ochsenkarrenidyll, Granitskulpturengärten, Orchideenüberschwemmungen, Papageienurwaldkonzerte, Riesenschildkrötenfamilienfeste, es ist unfassbar. Und dann bekommen wir eine Gänsehaut bei dreißig Grad, weil die Ahnung langsam zur Gewissheit wird: La Digue ist wahrscheinlich die schönste Insel des Planeten. Wir sind am Ziel unserer Sehnsuchtsreise zum kleinen Glück jenseits des großen Geldes. Jetzt kehren wir um. Frohen Mutes.
Flug: 780 Euro, Direktflug mit Air Seychelles von Frankfurt nach Mahé
Hotels: 233 Euro, drei Übernachtungen im Koko Villages für 33 Euro, zwei Übernachtungen in den Villas du Voyageur für 67 Euro, jeweils pro Person im Doppel- zimmer als Selbstversorger
Extras: 212 Euro 104 Euro Fähren, 25 Euro Eintritte in Nationalparks, 30 Euro Fahrradmiete, 50 Euro Taxi, 3 Euro Bus
Gesamt: 1465 Euro
Information: Seychelles Tourist Office, Hochstraße 17, 60313 Frankfurt, Telefon: 069/29720789, E-Mail: mailto:info@seychelles-service-center.de, Internet: www.seychelles.travel.
Vielen Dank für das Leseabenteuer...
Thomas Krüger (panoviews)
- 11.07.2009, 12:22 Uhr
Vielen Dank!
Erol Bilecen (Bilecen)
- 11.07.2009, 22:57 Uhr
Traumhafte Seychellen
David Koch (Kradfreund)
- 11.07.2009, 23:26 Uhr
Jetzt wäre nur noch interessant...
Alfons Crocusé (ALCR)
- 12.07.2009, 18:31 Uhr
Gnadenlos wunderbar!!!
Renate Schellhaas (RenateChrista)
- 13.07.2009, 23:29 Uhr