10.04.2007 · Iran spricht politisch oft nicht mit einer Stimme. 28 Jahre nach ihrer Gründung ist das Machtgefüge der Islamischen Republik nicht eindeutig geregelt. Das wurde zuletzt während der Krise um die gefangenen britischen Soldaten deutlich und erschwert auch den Atomstreit.
Von Hans-Christian RößlerIran spricht politisch oft nicht mit einer Stimme. 28 Jahre nach ihrer Gründung ist das Machtgefüge der Islamischen Republik nicht eindeutig geregelt. Das wurde zuletzt während der Krise um die gefangenen britischen Soldaten deutlich und erschwert auch den Atomstreit. Ein Überblick über die wichtigsten Protagonisten und ihre Kompetenzen:
Mahmud Ahmadineschad
Es war Staatspräsident Ahmadineschad, der am vergangenen Mittwoch die Freilassung der 15 festgenommenen britischen Marinesoldaten bekanntgab. Das Ende des Streits mit London bedeutete jedoch nicht, dass sich der frühere Teheraner Bürgermeister plötzlich um Deeskalation bemüht: Mit immer neuen Konflikten versucht er, sein politisches Überleben zu sichern - besonders, nachdem er bei den Kommunalwahlen im vergangenen Dezember einen herben Rückschlag hinnehmen musste. Ahmadineschad versteht sich als Bewahrer des Erbes der Revolution und war bisher nicht zu Kompromissen mit dem Westen oder einer Annäherung bereit - im Gegenteil, er ist davon überzeugt, dass es Amerika letztlich nur um einen Regimewechsel in Teheran geht. Nach seiner Ansicht konnte Iran durch Unnachgiebigkeit seine Position verbessern. Auch ein Angriff auf Iran scheint ihn nicht zu schrecken.
Ali Chamenei
Der oberste religiöse Führer hat in seinen Äußerungen nie einen Zweifel daran gelassen, dass Iran sein Atomprogramm so lange fortsetzen wird, bis es „seine Früchte erntet“. Den Einsatz von Nuklearwaffen habe er für „ungesetzlich“ erklärt, heißt es in Teheran. Ajatollah Chamenei trat im Jahr 1989 die Nachfolge von Revolutionsführer Chomeni an und ist laut Verfassung Platzhalter des 12. Imams.
Sein Amt ist im unübersichtlichen Machtgeflecht aber nicht auf religiöse Fragen beschränkt: Ihm untersteht zum Beispiel der Kommandeur der Revolutionsgarden, die die britischen Soldaten festgenommen hatten, wie auch der Nationale Sicherheitsrat, in dessen Händen das Atomdossier liegt. Chameneis Stärke hängt von seinem Geschick ab, die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Interessen auszubalancieren. Mehrfach hat Revolutionsführer Chamenei Ahmadineschad schon kritisiert und zum Beispiel ausbleibende Erfolge in der Wirtschaftspolitik bemängelt.
Ali Akbar Rafsandschani
Der frühere iranische Staatspräsident (1989 bis 1997) gilt in Teheran als einer der führenden Realpolitiker, die keine weitere Eskalation im Streit mit dem Westen wünschen. Bei der Präsidentenwahl im Jahr 2005 unterlag der Politiker, auf den auch viele im Westen ihre Hoffnung gesetzt hatten, Ahmadineschad; aus den Wahlen des Expertenrats im vergangenen Dezember ging er dagegen als unangefochtener Sieger hervor.
Auch Rafsandschani hat immer wieder darauf verwiesen, dass Iran ein Recht auf Atomforschung habe und auch Sanktionen das Land nicht davon abbringen werden. Gleichzeitig mahnte er aber beide Seiten immer wieder zu mehr Behutsamkeit. Als Händler ist ihm an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und seiner Integration in die Staatengemeinschaft gelegen. Dabei wäre er wohl auch beim Atomprogramm zu Zugeständnissen bereit. Voraussetzung dafür wären Sicherheitsgarantien.
Ali Laridschani
Am Montag drohte der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats dem Westen im Atomstreit mit einer härteren Gangart. Im Konflikt um die gefangenen britischen Soldaten hatte er sich wenige Tage zuvor als geschickter Krisenmanager bewährt. Ali Laridschani wird in Teheran zum Lager der Realpolitiker gerechnet, auch wenn seine Dialogbereitschaft sich in engen Grenzen hält. Als langjähriger Chef des iranischen Staatsfernsehens IRIB hatte er sich als Kritiker der Reformpolitik von Präsident Chatami hervorgetan und einen antiwestlichen Kurs verfolgt.
Auch er war bei den Präsidentenwahlen im Jahr 2005 angetreten und galt als Favorit des religiösen Führers Chamenei. Nur sechs Prozent stimmten für Laridschani, der unter Rafsandschani zwei Jahre Außenminister war. So übernahm Laridschani den Vorsitz des Sicherheitsrats, der unmittelbar Chamenei untersteht. Seit er als Chefunterhändler für das Atomdossier zuständig ist, hat sich der Streit verschärft.
Hans-Christian Rößler Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.
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