17.04.2006 · Die Vereinigten Staaten haben einem amerikanischen Experten zufolge bereits vor dem Irak-Krieg mit Angriffsplanungen gegen Iran begonnen. Das behauptet ein früherer Geheimdienstler in der „Washington Post“.
Die Vereinigten Staaten haben einem amerikanischen Experten zufolge bereits vor dem Irak-Krieg mit Angriffsplanungen gegen Iran begonnen.
Diese Pläne umfassen Raketenangriffe, einen Einmarsch von Bodentruppen und die Übernahme der Kontrolle über die für den Schiffsverkehr wichtige Straße von Hormus, heißt es in einem Gastbeitrag des ehemaligen Geheimdienstlers William Arkin für die Zeitung „Washington Post“ vom Sonntag.
Die Angriffspläne gegen Iran seien in Militärkreisen unter dem Namen TIRANNT bekannt, erklärte Arkin. Dem Militärexperten zufolge beinhalten sie detaillierte Analysen des iranischen Raketenarsenals, ein Szenario für den Einmarsch von Bodentruppen und einen weltweiten Einsatzplan zur Vernichtung iranischer Massenvernichtungswaffen. Auch eine gemeinsame Übung amerikanischer Militärs mit britischen Einheiten im Kaspischen Meer habe es schon gegeben. General John Abizaid, mittlerweile Chef des amerikanischen Zentralkommandos (Centcom), sei bereits im Jahr 2002 mit der Planung beauftragt worden. Arkin war in den siebziger Jahren der führende Geheimdienstler der Armee für West-Berlin-Fragen. Vor der Offensive im Irak sagte er exakt deren Verlauf voraus.
„Reiner Wahnsinn“
Präsident George W. Bush hatte Berichte, wonach Washington bereits detaillierte Szenarien für Luftangriffe auf den Iran entwickelt habe, vor einigen Tagen als „wilde Spekulationen“ zurückgewiesen. Dianne Feinstein, demokratisches Mitglied im Geheimdienstausschuss des Senats, erklärte unterdessen, der von einigen Mitgliedern der Regierung ins Spiel gebrachte Ersteinsatz von Atomwaffen gegen den Iran sei „reiner Wahnsinn“.
Laut einem Bericht der britischen „Sunday Times“ sollen iranische Selbstmordkommandos Ziele in Großbritannien und den Vereinigten Staaten attackieren, falls Atomeinrichtungen in Iran angegriffen werden sollten. Die „Sunday Times“ berichtete, rund 40.000 „ausgebildete“ Selbstmordattentäter stünden zum Angriff britischer und amerikanischer Ziele bereit. Dabei handele es sich um eine Sondereinheit der Revolutionsgarden, die erstmals im März bei einer Militärparade beobachtet worden sei. Die Mitglieder der Einheit hätten Sprengstoffgürtel getragen und Zeitzünder in der Hand gehabt.
„Wir sind bereit“
Unter Berufung auf einen leitenden Strategen der Revolutionsgarden, Hassan Abbasi, heißt es in der Wochenzeitung, es seien bereits 29 westliche Ziele ausgemacht worden. „Wir sind bereit, amerikanische und britische sensible Punkte anzugreifen, wenn sie Irans Atomanlagen angreifen“, wird Abbasi zitiert. Einige der iranischen Atomeinrichtungen seien „ziemlich nahe“ an der Grenze zum Irak. In einer Ausbildungsstation in Teheran mußten potentielle Selbstmordattentäter laut „Sunday Times“ sagen, ob sie lieber amerikanische Ziele im Irak oder israelische Ziele angreifen wollten.
UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte die Hoffnung, daß es sich bei Berichten über bevorstehende Angriffe gegen Iran nur um Spekulationen handele. „Ich glaube nach wie vor, daß eine Verhandlungslösung der beste Ausweg wäre“, sagte er der spanischen Zeitung ABC (Sonntagsausgabe).
Amerikas Außenministerin Condoleezza Rice hatte den UN-Sicherheitsrat am Donnerstag aufgefordert, eine harte Resolution gegen Iran zu verabschieden, die den möglichen Einsatz von Waffengewalt einschließt. Die amerikanische Regierung verdächtigt Teheran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie Atombomben entwickeln zu wollen. Der Sicherheitsrat hatte Iran Ende März eine Frist bis zum 28. April gesetzt, um alle seine Aktivitäten zur Urananreicherung zu beenden.