Home
http://www.faz.net/-g8w-sfut
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Dienstag, 14. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Atomstreit mit Iran Der Sinn des Gleichschritts

05.05.2006 ·  Durch den Irak-Krieg ist Amerika erpreßbar geworden: Iran kann im Nachbarland jederzeit die Hölle ausbrechen lassen. Präsident Bush weiß um die Lage und sucht Verbündete. Ein Kommentar von Berthold Kohler.

Von Berthold Kohler
Artikel Bilder (5) Video Lesermeinungen (11)

Für Amerika unterscheidet sich die Causa Iran von der Causa Irak schon dadurch, daß es nun mit einem zweiten Krisenfall am Golf zu tun hat, ohne daß der erste gelöst wäre. Der Einsatz im Irak bindet nicht nur amerikanische Kräfte; er macht Washington auch erpreßbar. Iran kann im Nachbarland jederzeit die Hölle ausbrechen lassen. Daher war Amerika sogar zu Gesprächen mit Teheran über die Zukunft des Iraks bereit.

Das Wissen um die prekäre Lage dort scheint die Neigung der Regierung Bush zu Alleingängen nicht vergrößert zu haben. In der Kolonne zu marschieren, sogar bis zum Sicherheitsrat, fällt Washington aber auch deswegen leichter als früher, weil dieses Mal die Regierungen von Deutschland und Frankreich ebenfalls an den Sinn des Gleichschritts glauben.

„Auf gar keinen Fall“

Die Bundeskanzlerin gab in Washington noch einmal zu verstehen, daß im Atomstreit nur internationale Geschlossenheit Iran zum Einlenken bewegen könne. Darauf aber müsse man bestehen. Damit schlägt sie einen deutlich anderen Weg ein als ihr Vorgänger. Schröder hatte im Vorfeld des Irak-Krieges die Spaltung des Westens betrieben, um die Amerikaner zum Nachgeben zu zwingen; ersteres war ihm gelungen, letzteres nicht.

An der Seite der Bundeskanzlerin, deren außenpolitisches Gewicht durch die Lähmungserscheinungen in London, Paris und Rom nicht verkleinert wird, hat Bush nun sein Interesse an einer diplomatischen Lösung bekräftigt. Die Kanzlerin mag ihm das durch die öffentliche Aussage erleichtert haben, Iran dürfe „auf gar keinen Fall“ in den Besitz von Atomwaffen gelangen. Das ist eine Festlegung, die über das Scheitern aller diplomatischen Lösungsversuche hinausreichte. So sprechen Politiker nur, wenn alle wissen sollen, daß es ihnen ernst ist.

Überdeutliche Warnungen

Nachhaltige Wirkung wird die neue deutsch-amerikanische Übereinstimmung aber erst entfalten, wenn Teheran nicht länger glauben kann, Rußland und China agierten als seine Schutzmächte. Diesen Eindruck könnten sie mit der Billigung der Resolution korrigieren, die London und Paris dem Sicherheitsrat vorlegten.

Solche Warnungen müssen überdeutlich ausfallen. Man erinnere sich: Saddam Hussein hatte bis zuletzt nicht geglaubt, daß Amerika es wagen werde, sein Land anzugreifen. Das iranische Regime aber hat ein noch ganz anderes Selbstbewußtsein. Es grenzt an das einer Atommacht.

Quelle: F.A.Z., 05.05.2006, Nr. 104 / Seite 1
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen