Home
http://www.faz.net/-g8w-uv0a
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Donnerstag, 16. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Atomkrise in Iran Das drängendste Problem der Weltpolitik

11.04.2007 ·  Die Jubelmeldungen aus Teheran über den Eintritt Irans in den Kreis der Nuklearmächte bedeuten nicht viel, das iranische Tempo sollte trotzdem zu denken geben. Ahmadineschad muss mit schärferen Sanktionen bedrängt werden. Ein FAZ.NET-Spezial.

Von Nikolas Busse
Artikel Bilder (1) Video Lesermeinungen (24)

Die Jubelmeldungen aus Teheran über den Eintritt Irans in den Kreis der Nuklearmächte bedeuten nicht, dass das Land kurz vor der Fertigstellung seiner ersten Atombombe steht. Selbst mit den 3000 Zentrifugen, die nun angeblich in Betrieb sein sollen, ließe sich erst in ein, zwei Jahren genug Sprengstoff für eine Kernwaffe herstellen.

Aber der Vorgang zeigt, wie fieberhaft die Mullahs an einer gefährlichen Schlüsseltechnologie arbeiten. Man sollte nicht vergessen, dass die Urananreicherung, die Präsident Ahmadineschad zu einem nationalen Schicksalsprojekt verklärt, ansonsten fast nur in Ländern betrieben wird, die über Atomwaffen verfügen. Wer die Kernenergie nur zur Stromerzeugung nutzen will, kann das auch ohne nationale Anreicherung tun. Deshalb ist den Iranern im Atomstreit nicht zu trauen, auch wenn das vielen Menschen in Europa lieber wäre.

Das iranische Tempo sollte zu denken geben

Entscheidend ist, dass die iranischen Ingenieure allmählich die Testphase hinter sich lassen. Je besser sie die Zentrifugentechnologie beherrschen, desto leichter wird ihnen die Umstellung von einer zivilen auf eine militärische Nutzung fallen, sobald die politische Führung das wünscht. Das Tempo, das die Iraner dabei vorlegen, sollte vor allem jenen westlichen Politikern zu denken geben, die eine nukleare Aufrüstung der Islamischen Republik immer noch für ein Szenario halten, über das erst in ferner Zukunft nachzudenken wäre.

Die Ankündigung Teherans, Uran in industriellem Ausmaß anzureichern, könnte vor allem innenpolitisch motiviert gewesen sein. Russland sieht jedenfalls keine Beweise für einen technischen Durchbruch.

Die arabischen Nachbarn machen sich heute schon Gedanken über eigene Nuklearprogramme; auch Amerika und Israel werden nicht mehr lange zusehen, wie ihr Erzfeind sich eine nukleare Option verschafft. Das iranische Atomprogramm ist das drängendste Problem der Weltpolitik - gerade weil es durch den Schlamassel im Irak und die neue Frontstellung zwischen Schiiten und Sunniten verschärft wird.

Deshalb wird man es noch einmal mit schärferen Sanktionen versuchen müssen. Die Zwangsmaßnahmen, die der UN-Sicherheitsrat bis jetzt verhängt hat, haben schon Wirkung gezeigt und in Teheran erste interne Debatten über die Atompolitik hervorgerufen. Ahmadineschad sitzt bei weitem nicht so fest im Sattel, wie er mit seiner Großsprecherei vorgibt. Das Angebot der EU zur Lösung der Krise ist großzügig und fair - es wird lukrativer erscheinen, wenn der Preis steigt, den Iran für seinen Starrsinn zahlt.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel