Home
http://www.faz.net/-g8p-zxxv
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 19. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Michael Phelps holt Mark Spitz ein Eine Million Dollar für eine Hundertstel Sekunde

16.08.2008 ·  So eng war es für Michael Phelps in Peking noch nie. Mit dem kleinsten im Schwimmen möglichen Vorsprung gewann er über 100 Meter Schmetterling, sein siebtes Gold. Das war vor Phelps nur Mark Spitz 1972 gelungen. Britta Steffen erkämpfte sich eine weitere Medaillenchance.

Von Cai Tore Philippsen, Peking
Artikel Bilder (16) Lesermeinungen (1)

Mit bloßem Auge ist der Sieg nicht erkennbar. Die 15.000 Zuschauer im „Water Cube“ meinen schon, sie wären Zeugen der ersten Niederlage von Michael Phelps in Peking. Es sieht so aus, als hätte der Serbe Milorad Cavic nach 100 Metern Schmetterling unter Wasser als Erster angeschlagen. Doch der Schein trügt.

Der Blick auf die Anzeigetafel verrät, dass Phelps nur 50,58 Sekunden benötigt hat, Cavic aber 50,59. Auch die Superzeitlupe bringt keine Auflösung. Während Cavic sich den letzten Meter auf die Wand zutreiben lässt, macht Phelps noch einen entscheidenden Armzug und schlägt über der Wasseroberfläche gegen die Zeitmessmatten. „Als ich meinen letzten Zug machte, dachte ich, ich hätte das Rennen verloren“, sagt Phelps später. „Ich musste erst einmal meine Brille abnehmen, um mir sicher zu sein, dass mein Name neben der 1 steht.“ Spitz nannte die Leistung seines Nachfolgers unterdessen „episch“

Protest der Serben

Nach der Siegerehrung legen die Serben Protest gegen die Wertung des Rennens ein. Den weist der Weltverband Fina jedoch nach einer Betrachtung jedes einzelnen Bildes des Videomaterials ab. Es gäbe keinen Zweifel, Phelps habe als Erster angeschlagen, hieß es.

Eine Hundertstel Sekunde hat dieses Mal den Unterschied gemacht, kleinere Zeiteinheiten werden im Schwimmsport nicht gemessen. Wären die beiden Konkurrenten zeitgleich angekommen, hätte es zwei Olympiasieger gegeben.

Sein Trainer wünschte eine Niedelage

Es war Phelps' erster Olympiasieg bei diesen Spielen ohne Weltrekord. Und dieses Mal jubelte Phelps zum ersten Mal so ausgelassen, wie bisher nur nach den Siegen mit den beiden amerikanischen Freistilstaffeln. Endlich hat er die Legende Mark Spitz eingeholt, endlich seine siebente Goldmedaille gewonnen. Das große Ziel, an dem er vor vier Jahren in Athen noch gescheitert war, ist erreicht.

„Ein bisschen erleichtert, ein bisschen aufgeregt, ich fühle jetzt ein bisschen von allem“, meinte Phelps. Sein Trainer Bob Bowman hätte vor dem Rennen gesagt, „eine Niederlage würde dir gut tun. Das hat mich noch mehr angefeuert“. Insgesamt hat der beste Olympionike aller Zeiten nun bereits 13 Gold- und zwei Bronzemedaillen bei den Spielen 2004 und 2008 gewonnen. Dass er von seinem Sponsor Speedo nun eine Prämie von einer Million Dollar erhält, ist für den 23 Jahre alten Schwimm-Star eine schöne Zugabe. Mehr nicht: Der Amerikaner kassiert ohnehin fürstliche Gagen.

Phelps: „Es ist das Größte, wenn dir jemand sagt, du kannst es nicht schaffen, und es gelingt trotzdem“

Mark Spitz hatte 1972 im München Siege über die Einzelstrecken 100 und 200 Meter Schmetterling sowie 100 und 200 Meter Freistil gefeiert. Dazu kamen drei Staffeltriumphe. Seine Überlegenheit war vor 26 Jahren ebenso erdrückend, wie die seines späten Nachfolgers Phelps.

Spitz gewann vor neun Olympiaden alle Medaillen in Weltrekordzeit. Damals gab es jedoch noch keine Halbfinalläufe. Auf diese zusätzliche Belastung hatte der Olympiasieger Ian Thorpe aus Australien hingewiesen, als er vor den Spielen sagte, Phelps werde Spitz nicht einholen können. „Es ist das Größte, wenn dir jemand sagt, du kannst es nicht schaffen, und es gelingt trotzdem“, sagte Phelps. „Es zeigt, dass alles möglich ist, wenn man nur daran glaubt.“

Phelps sieben Mal getestet, weitere Goldmedaillen nach Großbritannien, Simbabwe und Brasilien

Unterdessen bestätigte der Teamarzt der amerikanischen Mannschaft, Scott A. Rodeo, dass Phelps bereits siebenmal während der Spiele außerhalb des Wettkampfes getestet wurde. Er habe Blut- und Urinproben abgeben müssen. Zum ersten Mal seien die Dopingfahnder am 4. August eine Stunde nach seiner Ankunft im Olympischen Dorf gekommen.

Während Phelps zum ersten Mal in Peking ohne Weltrekord Olympiasieger wurde, stellte Kristy Coventry aus Simbabwe bei ihrem Sieg über 200 Meter Rücken (2:05,24 Minuten) die 20. Bestmarke der Spiele auf. Nummer 21 folgte über 800 Meter Freistil. Rebecca Adlington, die bereits die 400 Meter Freistil für sich entschieden hatte, gewann in 8:14,10 Minuten und brach damit den Uralt-Rekord der Amerikanerin Janet Evans (8:16,22) aus dem Jahr 1989.

Als schnellster Mensch im Wasser darf sich der Brasilianer Cesar Cielo Filho bezeichnen, der völlig überraschend die 50 Meter Freistil (21,30 Sekunden). Auf der gleichen Strecke schwamm Britta Steffen die drittbeste Halbfinalzeit (24,43) und hat somit am Schlusstag der Schwimmwettbewerbe eine weitere Medaillenchance. Nach ihrer Goldmedaille über 100 Meter Freistil hatte sie noch gesagt: „Ich bin keine Sprinterin.“


Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen