17.08.2008 · Olympiasieger zu werden ist beschwerlich. Aber reden wie einer ist leicht. Lernen Sie die wichtigsten Lektionen bei FAZ.NET: Immer lächeln. Nie auf die Frage eingehen. Immer stolz sein. Nach vorne schauen. Respekt haben. Und neue Herausforderung suchen.
Von Cai Tore PhilippsenOlympiasieger zu werden ist unglaublich beschwerlich, das sollten Sie sich nicht zumuten. Aber reden wie einer, das ist nicht schwer. Das können auch Sie lernen. Im olympischen Pressezentrum in Peking ist uns das ultimative Phrasenbuch der amerikanischen Olympiamannschaft in die Hände gefallen. Ein wertvoller Leitfaden für die Athleten, die ja nicht mehr nur schnell laufen, hoch springen und weit werfen müssen. Der moderne Athlet macht auch vor der Kamera und in der Pressekonferenz eine gute Figur. Ist stets ein Vermarkter seiner selbst.
Lektion eins: Immer lächeln, immer gut aussehen. Egal, wie blöde oder bösartig die Frage des Reporters ist, immer lächeln. Fragt er nach Blutdoping, Bettgeschichten oder Betrug, erst mal lächeln. Die meisten Fernsehzuschauer hören ohnehin nicht richtig zu. Sie sollen zumindest denken, der sieht aber gut aus.
Lektion zwei: Nie auf die Frage eingehen. Toll, das beherrschen auch deutsche Politiker aus dem Effeff. Erzählen Sie, was Sie wollen. Wenn Ihnen gar nichts einfällt, halten Sie sich einfach an die folgenden Lektionen. Sie geben Ihnen die Möglichkeit sinnfrei, aber freundlich zu antworten.
Lektion drei: Immer stolz sein. Will der Journalist wissen, ob die böse Verletzung schmerzt. Antworten Sie: „Ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein.“ Sind Sie gerade Weltrekord geschwommen und werden gefragt, warum alle plötzlich so schnell sind. Antworten Sie: „Ich bin stolz, ein Teil dieser Bewegung zu sein.“
Kommt dann eine Nachfrage zum Thema Doping, wenden Sie Lektion vier an: Die Vergangenheit ist Vergangenheit, jetzt schauen wir nach vorn. Hat Ihre Mannschaft das Vorrundenspiel gegen eine unbekannte Trümmertruppe verloren, sagen Sie: „Wir müssen das jetzt abhaken und nach vorn schauen.“ Ganz einfach, nicht wahr?
Und nun Lektion fünf: Respekt haben. Das klappt immer. Ob Sie Ihren Nebenmann rausgemobbt haben, die Zicke aus Italien Ihnen den Freund ausgespannt hat oder Sie dem Fernsehmann aus Timbuktu nicht sagen wollen, dass Sie seinem Sportler im ersten Kampf sämtliche Knochen brechen werden. Sagen Sie: „Ich habe großen Respekt vor der Leistung von XY.“
So, und nun probieren Sie das soeben Gelernte gleich einmal aus. Wenn Sie von Ihrem Lebensabschnittspartner oder der Partnerin gefragt werden, warum Sie nur Zeitung lesen und kein Wort sagen. Sehen Sie gut aus! Lächeln Sie! Und antworten: „Ich freue mich riesig, an diesem Frühstück teilnehmen zu dürfen. Ich bin stolz, ein Teil der Familie zu sein. Ich habe großen Respekt vor deiner Eierkochleistung.“ Oh je, war das ein bisschen viel? Dann hilft Ihnen Lektion sechs: Freuen Sie sich auf diese große Herausforderung.