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Olympia 2016 Kalte Dusche für den ersten arabischen Bewerber

05.06.2008 ·  Die IOC-Exekutive hat eine Vorauswahl der Kandidaten für die Sommerspiele im Jahr 2016 getroffen. Die Funktionäre reduzierten die Liste von sieben auf vier Bewerber. Doha darf nicht mehr auf die ersten Spiele im arabischen Raum hoffen.

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Plötzlich verschwand das Namensschild des Jacques Rogge. Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wollte also doch nicht zur aufwendig inszenierten Verkündung der verbleibenden Olympiabewerber kommen. Ein neues Schild wurde flugs gebracht: Gilbert Felli, hauptamtlicher IOC-Direktor, sollte nun die Entscheidung der Exekutive vertreten, die Liste der sieben Kandidaten für die Ausrichtung der Sommerspiele 2016 auf vier zu reduzieren.

Wieso? Mit der Bekanntgabe des Quartetts, das bis zur Entscheidung im Oktober des nächsten Jahres weitermachen darf, konnte er schließlich nur zufriedene Mienen ernten: bei den Delegationen aus Tokio, Madrid, Chicago und Rio de Janeiro. Zwei weitere Gruppen hatten sich schon vorher mit ihrer Niederlage abgefunden: Prag und Baku. Doch weiter hinten im Konferenzsaal des Athener Luxushotels erstarrte plötzlich eine Gruppe von schwarzhaarigen Männern in dunklen Anzügen, aus der eine einzige, tiefschwarz verschleierte Frau herausstach: die Abordnung aus Doha. Offenbar kam die Nachricht wirklich überraschend: Die Hauptstadt von Qatar ist ausgeschieden. Eine Mischung aus freudigem und enttäuschtem Grummeln machte sich breit, in dem die mit der Verkündung kombinierte Pressekonferenz unterging. Keine Fragen möglich, schon gar nicht an den Präsidenten, der einen wichtigeren Termin hatte.

IOC wollte den angebotenen Termin nicht akzeptieren

Es ist nicht anzunehmen, dass Rogge den Journalisten oder gar den enttäuschten Arabern ausführliche Auskünfte gegeben hätte, denn auch andere Exekutivmitglieder blieben seltsam zugeknöpft. „Ich kommentiere nichts“, sagte zum Beispiel der Schweizer Anwalt Denis Oswald und zog sich Richtung Aufzug zurück. Die einzige Begründung, die dem IOC später für die Verabschiedung der Bewerber aus dem Nahen Osten zu entlocken war, blieb seltsam karg: Der angebotene Termin vom 14. bis zum 31. Oktober könne nicht akzeptiert werden. Tatsächlich verlangen die Regularien, dass Sommerspiele zwischen dem 15. Juli und dem 31. August stattfinden - es sei denn, es wird aufgrund von klimatischen Bedingungen eine Ausnahme gemacht. Diese Ausnahmegenehmigung aber wurde von der Exekutive verweigert, obwohl im Kern-Zeitraum im Wüstenstaat unerträgliche, sportlerunfreundliche Hitze herrscht.

„Es ist bedauerlich“, sagte Hassan Ali bin Ali, der Bewerbungschef von Doha, „dass das IOC die Tür für den Nahen Osten zugeschlagen hat.“ Schließlich hatte der Termin von Anfang an in den Bewerbungsunterlagen gestanden und war nie beanstandet worden. Zudem lag im technischen Bericht der IOC-Arbeitsgruppe, der eigentlich Grundlage der Ausscheidungsrunde hätte sein sollen, Doha fast gleichauf mit Chicago und weit vor Rio de Janeiro. „Wenn sie die Spiele nur noch an Asien, Europa und Amerika vergeben, weiß ich nicht, warum sie uns noch in der olympischen Bewegung wollen“, erklärte der Bewerbungschef. Immerhin hatte Qatar sich als erstes arabisches Land um Olympische Spiele beworben.

Keine Sportler, keine Zuschauer

Schweigen von Seiten des IOC auch dazu. Dafür wurden die Spekulationen rings um die Konferenzsäle in Athen immer lauter. Was war wirklich besprochen worden in der Sitzung der Exekutive? Angeblich war es der persönliche Wunsch von Jacques Rogge gewesen, das reiche arabische Land von der Kandidatenliste zu streichen. Gründe dafür könnte es viele geben. Zum Beispiel die Tatsache, dass Qatar lediglich über eine importierte Sportbewegung verfügt. Spötter behaupten, dass man unter den etwa 750 000 Bewohnern eher auf eine Ölquelle als auf ein einheimisches Sporttalent treffen könne. Immerhin wurde seit Beginn der Bewerbung kein ausländischer Spitzensportler mehr eingebürgert, um für das Land internationale Erfolge zu erzielen, ohne dass sich ein gebürtiger Qatarer quälen muss.

Auch die Erfahrungen bei den Asienspielen 2006 sprechen gegen Olympia in Doha: Damals fanden die Wettbewerbe vor nur spärlich mit Schulklassen besetzten Tribünen statt. Auch jubelnde Menschenmengen müssten in den Wüstenstaat also erst eingeflogen werden. Zudem dürfte der größte Olympia-Geldgeber, der amerikanische Fernsehsender NBC, wenig Interesse an Spielen in der arabischen Welt haben. Auch die vom IOC seit Jahren vehement betriebene Förderung weiblicher Sportler ist in Doha bisher noch nicht angekommen. Das Nationale Olympische Komitee von Qatar hat noch nie eine Frau zu Olympischen Spielen entsandt. Auch in Peking wird keine Athletin aus Qatar am Start sein - angeblich sind die Sportlerinnen noch nicht gut genug.

Schweigt das IOC also aus Höflichkeit gegenüber dem abgelehnten Bewerber? Auch der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach - immerhin Präsident der deutsch-arabischen Handelskammer - erklärt mit verschlossener Miene, einzig der ungünstige Termin habe den Ausschlag gegeben. Reichtum, so spotten in den Hotelgängen die Beobachter, könne man einem Land ja wohl auch schlecht vorwerfen. Die Angst, die Petrodollars aus Qatar könnten die Vollversammlung beeinflussen, die am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen den Olympia-Ausrichter wählt, wird von solchen Leuten als Rogges Hauptmotiv angesehen, Doha gleich bei der Vorentscheidung zu verhindern. Nach der Vergabe der Winterspiele 2014 an das protzig auftretende Sotschi könnte der Präsident vorsichtig geworden sein. Aber aussprechen dürfte er eine solche Sorge natürlich nicht.

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