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FAZ.NET-Glosse „Unzensiert“ Auf dem Altar des Konsums

19.08.2008 ·  Der Konsum kennt bei den Spielen keine Grenzen. Nicht mal an den Toren zu einem Tempel macht er Halt. So verwandelt sich der heilige Ort zum Konsumtempel.

Von Evi Simeoni, Peking
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Angesichts all der Heroen, der Sport-Idole und Athletik-Ikonen, die nun seit zehn olympischen Tagen bewundert, verherrlicht und aufs Podest gehoben werden, brauchte man eigentlich dringend einen Moment der Besinnung. Die ganzen Bolt- und Gold-Anbeter sollten, bevor die Spiele auf ihre Zielgerade einbiegen, an einem ruhigen Ort über die Frage nachdenken, ob es eigentlich ein Leben nach der Schlussfeier gibt.

Es dürfte nicht schwer sein, für solche Zwecke ein kleines, geweihtes Plätzchen zu finden. Schließlich bietet das Organisationskomitee dem professionellen Olympiabesucher auf seiner Hochsicherheitsinsel auch sonst alles, was er braucht.

Maskottchen statt Heilige

Und alles funktioniert einwandfrei, vom Golfwägelchen mit den klebrigen Plastiksitzbezügen, das ihn auf dem Olympic Green umweltfreundlich und geräuscharm von einem Pracht-Stadion zum nächsten fährt, bis zur Springbrunnen-Umwälzung durch Menschenhand. (Ja, wirklich, jede Nacht tauchen direkt vor einer Freiluft-Bar dunkle Gestalten in den Gully und reinigen die Wasserspiele, die am Tage geruchsfrei vor sich hinplätschern.)

Und tatsächlich: An zentraler Stelle in der Hochhaussiedlung, die den vielen Medienleuten in Peking als Unterkunft dient, steht in einem hübschen Steingarten ein Tempelchen aus der Ming-Zeit. So jedenfalls kann man es auf einem polierten Metallschild am Eingang lesen. Gehen wir schnell hinein und schauen, ob es drin ein bisschen asiatische Stille zu tanken gibt . . .

Wirklich finden sich dort gleich drei Altäre. Sie sind bunt und glänzend, und freundliche chinesische Menschen erwarten einen mit ehrerbietigen Gesten. Auf den Altären gibt es allerlei Dinge. Zum Beispiel Beibei, Jingjing, Huanhuan, Yingying und Nini. Und zwar in Stoff und Papier, auf Tassen und Sofakissen und so weiter. Maskottchen statt Heilige, und zwar nach dem Motto: Wir räumen einen Tempel aus und machen draus ein Warenhaus. Man kann auch Kunsthandwerk bewundern oder kaufen. Man kann es aber auch lassen. Selbst einen Konsum-Tempel haben wir uns anders vorgestellt.

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